Freitag, 9. Juli 2021

Wanderung zwischen Wildtal und Heuweiler

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 Am 27. Juni waren wir...ja was?! Ich hole etwas aus:
 
Als ich nach der ersten Corona-Impfung im März den einen Tag völlig flach lag, machte Schatz sich auf, um "ein bisschen Spazieren zu gehen" und ward dann fast 4 Stunden nicht mehr gesehen. Als er völlig begeistert von seiner "kleinen Runde" zurückkehrte, meinte er nur, den Weg können wir auch mal zusammen gehen. Der wäre echt schön und auch gar nicht sooo anstrengend gewesen.
 
Jetzt war es im März ja auch gar nicht so warm und wenn der Mann ohne mich (den weiblichen Bremsklotz) loszieht, ist er verflucht schnell unterwegs. Wenn er "spazieren" geht, kann ich mich auf Jogging einstellen. Mir schwante also schon nichts Gutes.
 
Lange war seine 4-stündige "Spazierrunde" vergessen. Aber am 26. Juni tauchte der Gedanke wieder auf, als es hieß, der Sonntag solle schwül und heiß werden. Wir wollten nicht schon wieder nur daheim hocken und daher zeitig los, ohne lange Anfahrt und dann mittags, vor der größten Hitze wieder Zuhause sein. Da sprachs: "Du, ich wollte doch immer mal mit dir meinen kleinen Spazierweg nochmal gehen!". Äh, ja. Ok. Und so SPAZIERTEN wir am 27. Juni um kurz vor 9 Uhr los. Quasi direkt vor der Haustür, an der Haltestelle Reutebachgasse, ging es los.
Erstmal ging es auf unserem tatsächlichen Spazierweg die Reutebachgasse hinauf und dann hinterm Bahnhof entlang Richtung Gundelfingen. Den Weg kenne ich. Der lag morgens auch noch herrlich im Schatten. Alles gut :-)
Blick über Streuobstwiesen zum Rosskopf
 
Auf etwa halber Strecke bogen wir dann rechts in die Felder ein und hielten auf den Wald zu. Den Weg kenne ich auch. Es geht nur leicht bergan und man kann oben auf einem breiten Waldweg super weiter Richtung Wildtal gehen.

Am Wegesrand fanden wir eine wilde Brombeerhecke neben einem Getreidefeld. Ich bin immer wieder erstaunt, wie ländlich es hier ist. Dabei ist die südlichste Großstadt Deutschlands nur einen Steinwurf entfernt.

Beim letzten Haus ging es hinter dem Gartenzaun über einen schmalen Pfad hinauf in den Wald. Ein Blick zurück: was für eine tolle Aussicht!
Blick Richtung Denzlingen

Oben im Wald die Bitte, wegen der Feuersalamander nicht durch die Pfützen zu fahren. Feuersalamander? Cool! Bisher habe ich noch keinen lebenden gesehen. Wenn wir mal welche entdeckt haben, waren sie alle platt gefahren :-(
Tatsächlich fanden wir etliche Pfützen und kleine Biotope dort oben am Wegesrand. Aber leider keinen Feuersalamander. Wahrscheinlich waren wir schon wieder zu spät dran. Im schattigen Wald war es herrlich angenehm. Aber bald erreichten wir Wildtal und wir mussten den Wald wieder verlassen.



Es ging in Wildtal ein Stückchen durch den Ort, entlang der Straße. Wir waren kaum 30 Minuten unterwegs, aber auf dem Asphalt zwischen den Häusern stieg die Hitze schon wieder von unten herauf :-/ Lange mussten wir sie aber nicht aushalten. Denn das nächste Wäldchen kam schon in Sicht.
Blick über Wildtal hinüber zum Schönberg
 
Bis hier her war ich mit Schatz' "Spazierweg" völlig einverstanden. Es war ein gemütliches Gehen durch Feld, Wald und Dorf. Als wir allerdings das nächste Wäldchen am Wildtaler Rebberg erreichten, dauerte es nicht lange, bis es ziemlich bergauf ging. Ab hier wurde (für mich) aus dem Spazierweg ein Wanderweg. 
Es ging steil hinauf. Ich schwitzte und schnaufte. Der Pfad wurde schmaler und jedes sich bietende Fotomotiv wurde genutzt, um kurz stehen zu bleiben :-D
Über einen Teil des Grenzsteinpfades ging es weiter hinauf. Den kannte ich noch nicht. Und obwohl Schatz hier ja im März erst entlang "spaziert" war, konnte er sich an diesen Pfad auch nicht mehr erinnern. Tja, das kommt davon, wenn man durch die Natur rast und dabei links und rechts am Wegesrand nichts mitbekommt :-D
 
Für mich hat Wandern was mit genießen zu tun. Mit Muße und Innehalten. Klar, ewig unterwegs sein will ich auch nicht. Aber durch den Wald hetzen, als müsste ich in 2 Stunden schon wieder irgendwo anders sein, finde ich furchtbar. Deshalb haben wir das Pärchen-Wandern mit Schatz' Kollegen samt Frau auch nicht wiederholt. Die drei rasten los und waren bald verschwunden während ich noch nach dem Schmetterling schaute. Sowas brauch ich nicht.
Irgendwann erreichten wir dann aber auch wieder bekannte Wege und kamen oben an der ehemaligen Deutsch-Österreichischen Grenze samt historischem Grenzstein wieder heraus.

Von hier aus ging es am oberen Waldrand entlang, bequem auf breitem Wege Richtung Leheneck. Das ist eine Kreuzung auf einem Hügel zwischen Wildtal und Heuweiler.

Ab hier wurde es dann richtig fies. Es war zeitlich irgendwo zwischen 10 und 11 Uhr. Es war heiß. Es war bereits unglaublich schwül. Und es ging schon wieder bergauf. Mein Kreislauf fing an zu zicken und ich merkte, dass mein kleiner Zeh plötzlich am Schuh rieb - was er die ganzen Kilometer vorher nicht getan hatte. Mist!
Aussicht von der Bank auf Heuweiler
 
Zum Glück kam bald eine Bank in Sicht. Ich musste mich kurz hinsetzen. Immerhin die Aussicht auf Heuweiler war super. Mein Kreislauf beruhigte sich allerdings nur sehr langsam. Weil wir ja auch gar nicht lange unterwegs sein wollten und Schatz immer wieder versichert hatte, der Weg sei nicht so anstrengend, hatten wir natürlich nichts zu trinken eingepackt.

Blick Richtung Emmendingen
 
Bis zur nächsten Kreuzung schleppte ich mich noch hinauf. Dort stand der Mann dann vor dem Wegweiser und konnte sich nicht mehr erinnern, wo er im März abgebogen war. Da er aber sicher war, an der Rottecksruhe (!) rausgekommen zu sein, muss er damals über das Wildtaler Eck bis fast hinauf auf den Rosskopf "spaziert" sein. Stöhn!
Blick zum Rosskopf
 
Weil ich immer noch Gummi-Beine hatte, konnte ich mich mit dem Gedanken, bis da ganz hinauf noch zu wandern, gar nicht anfreunden. Kurze Beratung und Blick auf die Karte: Wir kürzen ab. Außerdem ging es ja inzwischen eh auf Mittag zu und wir wollten vor der großen Hitze wieder daheim sein. Als ich mich nicht mehr bergauf schleppen musste, wurde es auch mit dem Kreislauf wieder etwas besser.
Also hielten wir uns Richtung Wildtal und kamen nahe des Lehenecks wieder aus dem Wald. Nicht ohne vorher noch an einer Schaukel vorbei zu kommen. Richtig zu schaukeln traute ich mich allerdings nicht. Denn mit weit über 100 kg Lebendgewicht und zwei ausgefransten Seilen, traute ich der Sache nicht so ganz ;-)

Der Rosskopf blieb in der Ferne. Im Leben hätte ich es an dem Tag nicht bis zur Rottecksruhe hinauf geschafft.
Blick ins Wildtal

Blick zum Waldbrunnerhof, unterhalb der Zähringer Burg
 
Inzwischen war auch klar, dass durch die Schwüle meine Füße wieder angeschwollen waren wie sau. Das Reiben des kleinen Zehs wurde zu einem fiesen brennen in den Fußsohlen. Das würde eine Blase geben - schon wieder!
Blick zurück zum Leheneck
 
Auf Höhe des Lehenecks konnten wir hinter den Schwarzwaldausläufern schon die ersten Gewitterwolken sich auftürmen sehen. Gut, dass wir bereits auf dem Heimweg waren.

Leider hatten wir bis Wildtal nur noch sonnige Wege. Jeder Schritt war schweißtreibend. Dafür wurden wir mit einer tollen Aussicht belohnt :-)
Das neue Stadion...immer noch nicht fertig!



Wieder in Wildtal angekommen hatten wir die Möglichkeit, entweder den Weg zurück zu gehen, den wir gekommen waren, oder unseren normalen (wirklichen) Spazierweg am Bahndamm entlang zu nutzen. Wir entschieden uns für letzteres.
Oben an der Kreuzung, kurz vor der "Ziegen-Weide", fiel uns dieser Baum auf. Zig Mal sind wir hier schon entlang spaziert. Aber das der Baum so irre blüht, haben wir noch nie gesehen - oder es ist uns bisher nie aufgefallen.
Als wäre er von Sternen übersäht! Sowas habe ich noch nie gesehen. Schatz ist ja für alles Mögliche ausgestattet. Der Mann hat ja für alles eine App. Wie hat er nur so lange ohne Smartphone überlebt? :-D Jedenfalls hielt er das Handy vor den Baum und die App durchsuchte irgendeine Pflanzen-Datenbank und zack: Esskastanie! Schon oft gesehen, schon oft geerntet und gegessen. Aber das sie so herrlich blühen, war mir völlig entgangen.
 
Direkt neben dran dann ein Baum mit Früchten, die ich auch lange nicht kannte - bzw. ERkannte. Walnüsse! Denn das Walnüsse, wie Kastanien, in einer grünen Schale daher kommen, habe ich auch erst im letzten Jahr gelernt. Bis dahin dachte ich immer, die würden wie Haselnüsse direkt am Baum wachsen :-D
Von dort aus nur noch die Straße runter und durch den kleinen Park - wo gerade ein Notarzt samt Sanitätern einen Menschen versorgten, der sich offenbar auf diesem Hubbel-Dingens schwer verletzt hatte.

Schon waren wir wieder an der Haltestelle und traten den kurzen Heimweg an. Daheim dann nur noch unter die Dusche und die Blasen an den Füßen versorgen. Lange mussten wir die Schotten nicht dicht lassen, bevor die ersten Gewitter aufzogen. Immerhin waren wir am Mittag, wie geplant, wieder zurück.

Die "abgespeckte" Version von Schatz' Spazierweg hatte 13 km und fast 300 Höhenmeter! Definitiv eine Wanderung und kein Spaziergang. Vielleicht wage ich mich mit Schatz nochmal an den kompletten Weg. Im Herbst, wenn es etwas kühler ist ;-) Gute 3 Stunden waren wir unterwegs. Seine komplette Rund wird also schätzungsweise gute 18-20 km haben. Puh!
Wenn ihr euch die Karte anschaut müssten wir wohl ungefähr ab der ganz rechten Spitze um das hellgrüne Tal herum laufen und dann wieder steil hinauf in den Wald, um an Ende irgendwo zwischen Mühleberg und Uhlberg wieder heraus zu kommen.

4 Kommentare:

  1. Dein Schatz ist echt ein Turbo! :-)
    Schade, dass die Feuersalamander sich versteckt hielten, die Scheune mit dem traktor drin ist so richtig urig schwarzwälderische Bauart mit dem tiefgezogenen Dach, aus Zeiten, wo noch mächtige Schneefälle im Winter an der Tagesordnung (sozusagen) waren.
    Ich finds in deinen Beiträge auch immer wieder schön und erholsam, wie du die Umgebung wahrnimmst und festhälst, sonst kann man doch auch einfach aufs Laufband...
    Ha Esskastanie! Seit gestern abend hätte ich das gewusst mit den Sternen, da gab es nämlich eine Sendung über Schönheiten im Südwesten, und da war ein ganzer Wald von Esskastanien zu sehen, ein kleines STernenmeer - war mir ehrlich gesagt früher auch noch nie so bewusst, dass die Essbaren ganz anders blühen als die Rosskastanien mit ihren weißen oder rosa Blütenständern.
    By the way noch was in eigener Sache: ich habe noch mindestens (Überblick verloren) 4 Wanderungen/Ausflüge/Spaziergänge zu bloggen und trotz Urlaub komm ich nicht dazu, habe auch keine einzige (!) Unternehmung in meinen gerade zu Ende gehenden 3 Wochen Urlaub gemacht - ich hab ein "Großprojekt" laufen, näheres dazu, wenn eeendlich alles unter Dach und Fach ist!

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  2. Durch die Natur hetzen mag ich auch nicht. Wir bleiben auch oft stehen und schauen uns um oder beobachten Pflanzen und Vögel. Genau deswegen sind wir ja unterwegs.
    Blühende Esskastanienbäume sind wunderschön. Bei uns gibt es ganze Wälder von diesen Bäumen und das ist ein unbeschreiblicher Anblick, wenn alle gleichzeitig in Blüte stehen. Die Imker können danach Kastanienhonig von ihren Bienen sammeln. Der schmeckt ein wenig herb, aber sehr lecker.
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.
    Liebe Grüße von Ingrid, der Pfälzerin

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  3. Wieder so ein toller Wanderweg mit soooo schönen Bildern. Aber mit Kreislaufproblemen noch an die schöne Aussicht denken – wunderbare Ablenkung... Gut, dass dein Kreislauf dann doch wieder zu sich kam und es bergab besser wurde. Insgesamt war es aber auch wieder eine lange Strecke, die ihr gewandert seid, obwohl sie nur kurz werden sollte. ;-)

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  4. Tja wie haben wir nur ohne Handy überlebt ...also früher ...vor paar Jahren ? ...*gg Das Männer eine andere Vorstellung von kleinen Runde haben kenne ich zu gut. Immer wenn der Satz kommt ist doch nicht so weit ... lass uns mal gucken... oder den Weg könnten wir auch mal versuchen .... sollten mir die Alarmglocken klingeln ... Kenne das nur zu gut :)))
    Schöne Bilder sind es auf jeden Fall geworden . Und Blüten von den blühenden Kastanien sieht man auch nur wenige ...außer man hat einen in der Nähe. Sonst muss der Zeitpunkt perfekt sein um das zu sehen ;)
    LG Heidi

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