Donnerstag, 28. April 2022

Seelenwanderung - Erfrischungstour Nr. 19 (Im Naturschutzgebiet Taubergießen)

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Nachdem wir am Dienstag in unserem Urlaub abends noch dachten, wir würden uns nie wieder bewegen können, fühlten wir uns nach einer Mütze Schlaf am Mittwoch erstaunlicherweise topfit! Naja, zumindest teilweise. Wir wollten wandern. Unbedingt. Aber bitte mit möglichst wenigen Höhenmetern. Und 18 km müssten es ja auch nicht direkt wieder sein. Etwas kürzer, etwas platter. Das war der Plan. Gar nicht so leicht, wenn man in einem Mittelgebirge wohnt, was flaches zu finden :-D
 
Nach dem Frühstück konsultierten wir also diverse Quellen und beschlossen, spontan noch eine Runde aus dem Buch "Wandern für die Seele in und um Freiburg" zu machen.
Unser Rundweg, Karte von Komoot
Und so fuhren wir am 13. April kurz vor Mittag mit dem Auto kurz entschlossen an den Rhein. Genauer gesagt, nach Kappel-Grafenhausen. Das sind 30 Minuten Fahrt über die A5 und somit nicht sehr weit.
Parkplatz an der Rheinfähre
Geparkt haben wir auf dem Parkplatz an der Rheinfähre Rhinau. Da war an diesem Mittwoch fast gar nichts los. Wie es dort am Wochenende aussieht, wissen wir allerdings nicht.
Altrhein
Zu Beginn ging es erstmal ein Stückchen zurück an der Straße entlang, über die wir mit dem Auto gekommen waren. Auf dem Fuß- und Radweg fanden wir eine große Weinbergschnecke.
Und am Wegesrand, kurz vor dem hinteren Rheindamm eine historische Pegelstation. Außerdem fanden wir dort ein Bauwerk, das aussah, wie ein Fluttor.
Historische Pegelstation
Ob es sich aber tatsächlich um eines handelt, konnten wir nicht herausfinden. Würde aber Sinn machen, da die Straße dort den landeinwärtigen Damm durchbricht. An der Betonwand des Dammes waren auch historische Hochwasserpegel markiert. Unglaublich, wie weit der Fluss ins Landesinnere kam, wo doch der Rhein an dieser Stelle schon fast einen halben Kilometer entfernt war!
Hochwassermarken am 2. Hochwasserdamm mit Fluttor (?)
Hinter dem Hochwasserdamm bogen wir rechts ein und folgten dem Damm dann für einen halben Kilometer, wo wir schließlich auf den vorderen Rheindamm - direkt am Fluss - trafen.
Blüten auf dem Hochwasserdamm
Unten am Damm entlang ging es knapp 3 Kilometer weit fast schnurgerade. Abwechslung boten die vielen Seitenarme des Altrheins, der hier noch in seinem ursprünglichen Auenwald vor sich hin mäandern darf.
Kanadagänse auf dem Altrhein
Das ganze Gebiet dort oben nennt sich Taubergießen. Das Naturschutzgebiet wurde 1979 gegründet und ist etwa 17 Quadratkilometer groß.
Kanadagans
Kanadagänse waren die ersten Wasservögel, die wir an diesem Tag zu sehen bekamen. Ihr lautes Trompeten hörten wir schon von weitem.
Blüten entlang des Rheindamms
Etwa nach der Hälfte der Strecke wechselten wir an einer Stelle vom unteren Weg, der parallel zum Damm verläuft, auf den Weg direkt auf der Dammkrone. Von dort oben bot sich ein ganz anderer Blick. Wir entdeckten sogar einen großen Feldhasen. Leider war er viel zu schnell im Gebüsch verschwunden, als das ich ein Foto hätte machen können.
Weiter geht es oben auf dem Damm
Schon bald kam der Europapark in Sicht. Im Februar hatten wir schonmal Kontakt mit einem Teil des Europaparks. Nämlich als wir von Waldkirch nach Freiburg wanderten und in Waldkirch an der "Achterbahn-Schmiede" des Europaparkts vorbei liefen.
Die Silverstar Achterbahn (Europapark) vom Rheindamm aus gesehen
Von der Krone des Rheindamms aus, hatten wir einen tollen Blick auf die Silverstar Achterbahn, mit der ich auch ein einziges Mal gefahren bin - und nie wieder. Ich fahre zwar gerne Achterbahn, aber die war mir dann doch etwas zu viel :-D Das Kreischen der Leute wurde vom Wind bis zu uns getragen. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie nah der meistbesuchte Freizeitpark im deutschsprachigen Raum, an einem Naturschutzgebiet steht.
Oben: Silverstar mit Rheindamm / Unten: Blue Fire u. Wodan
Auch die Blue Fire (meine Liebste) und die Holzachterbahn Wodan (auf die ich es noch nicht geschafft habe), waren von einer anderen Stelle des Rheindamms aus sehr gut zu sehen.
Als wir quasi mittig auf Höhe des Europaparks waren, bogen wir nach rechts in den Auenwald ein und weg vom Gekreische der Vergnügunssüchtigen ;-) Wir waren kaum 100 m in den Auenwald hinein gegangen, da hörte man den riesigen Freizeitpark schon nicht mehr. Unglaublich, wie viele Geräusche die Natur so verschluckt. Nun waren wir mitten im Naturschutzgebiet Taubergießen.
Weg durch den Auwald und Listspinne auf Bärlauch
Wir hatten schon um die 6 km zurückgelegt und waren noch nicht lange im Auwald unterwegs, da fanden wir eine Bank an einer Brücke über den Neuen Graben. Weil wir nicht wussten, wann wir wieder so eine herrliche Sitzgelegenheit geboten bekämen, ließen wir uns im Halbschatten nieder.
Rast am Neuen Graben
Apfel und Kiwi aus dem Schüsselchen wurden verputzt und wir lauschten dem leisen Plätschern des Wassers und dem Zwitschern der Vögel. Es war soooo toll. Nur ganz gelegentlich, wenn der Wind drehte, hörten wir noch leise das Kreischen von den Achterbahnen.
Nachdem wir genug pausiert hatten, machten wir uns weiter auf unserem Weg durch den Auenwald. Immer wieder überquerten wir Arme des Altrheins. Auf dieser Tour zum Glück immer über Brücken. Wir haben aber vor 3 Jahren schonmal eine Tour im Taubergießen gemacht, da mussten wir durchs eiskalte Rheinwasser waten :-D Das war ein Spaß...zumindest für mich. Der Liebste fand das damals nicht so dolle.
An einer Stelle war eine Schranke im Wald. Dahinter lag Rhinau (Frankreich). Rhinau hat ein gemeindefreies Gebiet auf der rechten Seite des Rheins. Somit handelt es sich hier im Taubergießen um ein kleines Stückchen Frankreich mitten in Deutschland :-)

Wasserläufer am Altrhein
Weiter ging es einmal quer durch das Naturschutzgebiet und den Auenwald. Es war so wunderschön, wenn das Grün immer wieder durch die natürlichen Gewässer unterbrochen war. So wie hier sah es vor der tulla'schen Begradigung des Rheins überall entlang des Flusses aus. Auf den ersten Etappen des Rheinauenwegs, die wir bereits gemeistert haben, konnten wir den krassen Unterschied von damals zu heute bereits erleben.
Brücke am Dornskopf
An manchen Stellen brodelte die Wasseroberfläche von Wasserläufern. An anderen Stellen waren die Insekten gar nicht zu sehen. Zum Glück war noch keine Mückenzeit!

Blüten am Wegesrand im Taubergießen
Die unterschiedlichen Färbungen des Wassers haben mich auch fasziniert. Manchmal schimmerte es in einem satten Grün, dann war es wieder eher bläulich oder bräunlich. Einmal sogar fast türkis. Man konnte sich gar nicht satt sehen.
Nach gut 2 km hatten wir das Naturschutzgebiet einmal in der Breite durchquert und fanden uns direkt am Rhein wieder. Hier ging es dann reichliche 4 km immer gerade aus über den Rheindamm direkt am Fluss.
verwachsene Reste eine Bunkers aus dem 2. Weltkrieg
Und obwohl es wie stumpfes geradeaus latschen anmuten mag, gab es doch so einiges zu sehen und zu entdecken. Zum Beispiel diverse, mehrsprachige Warntafeln oder einen halb zugewucherten Rest eines alten Weltkriegsbunkers.
Rheindamm und Rhein
Auch der Rheindamm an sich war nicht allzu öde. Mal gab es Bäume beiderseits des Weges, mal nur auf der flussabgewandten Seite. Ein Wechsel aus Licht und Schatten sorgte dafür, dass wir auch die unterschiedlichsten Tiere zu sehen bekamen. Leider war ich nicht schnell genug, um sie alle auf ein Bild zu bannen. Die Eidechsen in der Stadt sind z. B. deutlich weniger scheu und schneller zu entdecken als die, die sich hier am Wegesrand tarnten ;-)
Rheindamm direkt am Rhein
Dafür konnte ich ein paar Schwäne ablichten und ein Tagpfauenauge posierte ebenfalls für die Kamera.

Schutzhütte am Rhein
Wir passierten eine Schutzhütte, in der wir hätten rasten können. Die war allerdings gerade belegt und wir wollten lieber weiter. Die letzte Rast war noch nicht so lange her. Auch einen Myriameterstein fand sich hier. So einen hatten wir schon auf einer der Etappen des Rheinauenwegs (auf einem Autobahnrastplatz direkt am Rhein) entdeckt.
Myriameterstein
An einem Wehr konnten wir Kormorane und einen Haubentaucher beobachten. Der Haubentaucher war schwer auf ein Bild zu bekommen. Immer wenn ich ihn gerade im Sucher gefunden hatte, tauchte er schon wieder ab und kam an einer ganz anderen Stelle wieder hoch :-D
Kormoran und Haubentaucher am Wehr im Rhein

Kurz bevor der Weg uns gerade aus ans Ende einer dünnen Landzunge geführt hätte, bogen wir nach rechts wieder in den Auenwald ein. Hier ist der Auenwald allerding nur einen knappen Kilometer breit.
Dafür gibt es unzählige Flussarme. Die Landschaft ist so urwüchsig. Stockenten und Graugänse konnten wir sehen, kleine Inseln und dann lagen dort am Ufer plötzlich Stocherkähne. Auf diesen Booten kann man Rundfahrten im Taubergießen machen und das Naturschutzgebiet mal von der Wasserseite aus erkunden. Irgendwann müssen wir uns zu sowas auch mal anmelden. Das interessiert mich brennend :-)

Wir gelangten an die Stelle, an der wir auf dem Hinweg unten am Damm entlang gelaufen waren. Da wir nun einen knappen Kilometer quasi den gleichen Weg gehen mussten, den wir zu Beginn schon gewandert waren, haben wir uns dieses Mal für den Weg auf dem Damm entschieden, statt wieder unten entlang zu laufen.
Auf dem Rheindamm
Kurz vor dem Ende der schmalen Landzunge zu unserer Linken, liefen wir dieses Mal geradeaus weiter und kamen so wieder direkt an den Rhein. Auf einer gegenüberliegenden Wiese konnten wir Störche bei der Futtersuche beobachten und im Wasser schwamm ein größeres Tier. Erst dachten wir, es könnte vielleicht ein Biber gewesen sein. Aber nach etwas Recherche daheim und Bildervergleich war es wohl definitiv kein Biber, sondern ein Nutria.
Storch, Nutria und ein vergammeltes Boot
Inzwischen war es so spät, das auch von dem hier angesiedelten Kieswerk/Betonwerk kein Lärm mehr ausging. Das hatten wir nämlich zu Beginn unserer Wanderung noch unangenehm in den Ohren gehabt.
Kieswerk/Betonwerk im Rhein

Gänse im Flug und das Ende der schmalen Landzunge
Als wir das Ende der schmalen Landzunge hinter uns erblickten, konnten wir voraus auch schon die Rheinfähre sehen. In ein paar Minuten wären wir schon wieder am Auto.
Rheinfähre Rhinau - Kappel-Grafenhausen
Wir haben noch kurz an der Fähre gestanden und gesehen wie Autos ab- und wieder aufgeladen wurden. Dann sind wir aber zum Parkplatz runter und haben gemacht, dass wir heim kamen. Es war schon nach 18 Uhr und wir hatten nun echt Hunger :-)
Eine Tour ohne Höhenmeter zu wandern, hat an diesem Tag perfekt geklappt. Die mickrigen 20 Höhenmeter resultieren vom Auf- und Abstieg auf den Rheindamm :-D

Deutlich weniger als 18 km zu wandern...hat nicht ganz geklappt. Am Ende hatten wir doch wieder 16 km auf dem Tacho (bzw. in der App aufgezeichnet). Nur 2 km weniger als am Tag zuvor. Und trotzdem noch keine Anzeichen von Muskelkater! Wir waren fast 5 Stunden unterwegs, hatten aber nur 3 Stunden reine Gehzeit. Da sieht man mal, wie oft wir stehen geblieben sind, um einfach nur zu gucken und zu genießen :-D

Dienstag, 26. April 2022

Seelenwanderung - Panoramatour Nr. 9 (Von Wildtal zum Streckereck und zurück)

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In unserem Oster-Urlaub haben wir drei Wanderungen gemacht. Eigentlich wollten wir die nächste Etappe vom Rheinauenweg, den Felsenweg und den Schauinsland bewandern. Aber wegen Gleissarnierungen der Deutschen Bahn kamen wir nicht an den Rhein und im Schwarzwald oben lag schon wieder Schnee, weshalb es uns auf dem Felsenweg zu gefährlich war. Der Schauinsland fiel flach, weil die Gondel wegen Revision geschlossen hatte und es keine Alternative gab, um ohne Auto auf den Gipfel zu kommen, um dann wieder hinab zu wandern. Also, mussten wir uns was anderes ausdenken.
Unser Rundweg, Karte von Komoot
Die erste der drei Wanderungen machten wir am 12. April. Wir fuhren mit dem Bus nach Wildtal, was nicht weit von Zuhause aus ist. Von der Haltestelle "Sonnenwiese" aus, starteten wir dann unseren Rundweg aus dem Buch "Wandern für die Seele in und um Freiburg". Auch die anderen beiden Touren, die wir im Urlaub gemacht haben, sind aus diesem Buch.
Haltestelle "Sonnenwiese" in Gundelfingen-Wildtal

Graureiher im Schobbach
Direkt an der Haltestelle ging es zwischen Hecken hindurch, auf einem kleinen Fußweg über den Schobbach. Von der überdachten Holzbrücke aus, sah ich einen Reiher im Bach stehen. Der stand so still und dennoch auffällig, dass ich erst dachte, jemand hätte dort einen "Alternativen-Plastik-Flamingo" aufgebaut. Aber Plastikvögel blinzeln nunmal nicht ;-)
Am Ende des kleinen Schleichwegs erreichten wir die Straße Am Rebberg. Dieser folgten wir nach links und um das Ende des Rebbergs herum. Und dann ging es kurz vor dem Waldrand rechts hinauf.
Blick zu den Vogesen
Vom Fuße des Rebbergs hatten wir einen tollen Blick nach Westen, wo sich am Horizont die verscheiten Gipfel der Vogesen zeigten. So eine klare Sicht hatten wir schon lange nicht mehr!
Blick zum Schönberg und zur Schneeburg
Richtung Süden erblickten wir den Schönberg, auf dem wir 4 Wochen zuvor auch schon eine "Seelenwanderung" gemacht hatten.
Der asphaltierte Wirtschaftsweg hinauf auf den Wildtaler Rebberg ist sehr steil. Wir kamen schnell ordentlich ins Schwitzen und das war nur ein klitzekleiner Vorgeschmack auf das, was uns noch erwartete.
Auf dem Rebberg und Blick in die Rheinebene
Oben auf dem Rebberg angekommen wurden wir mit einer herrlichen Aussicht in die Rheinebene und zu den Ausläufern des Schwarzwaldes belohnt.
Blick vom Rebberg zum Schwarzwald
Nun ging es weiter durch einen lichten Laubwald. Am Wegesrand immer wieder Grenzsteine. Hier verlief fast 300 Jahre lang die Badisch-Österreichische Grenze.
Der Gundelfinger Ortsteil Wildtal gehörte damals (wie Freiburg auch) tatsächlich zu Österreich (Vorderösterreich), während der Ort Gundelfingen zu Baden gehörte.
Hier verlief die Grenze von Baden und Österreich
Wir folgten dem breiten Waldweg weiter. Er verlief recht eben, was uns nach dem ersten anstrengenden Aufstieg sehr gelegen kam.
Blick vom Leheneck Richtung Rosskopf
Als wir aus dem Wald wieder hinaus traten, fanden wir uns auf satten grünen Wiesen wieder und hatten einen tollen Blick hinab auf das Örtchen Heuweiler. Die Ecke hier oben nennt sich Leheneck.
Am Leheneck und Blick auf Heuweiler
Ab hier ging es nochmal einen weiteren Kilometer stetig bergan. Durch einen noch recht kahlen Mischwald immer weiter hinauf. Nicht so steil wie das Stück hinauf auf den Rebberg, aber doch deutlich spürbar.

Blick auf Denzlingen
Oben wurden wir dafür dann wieder mit einer bombastischen Weitsicht belohnt. Vor uns lag das Rheintal, ganz hinten die Vogesen, vorne hügelige Streuobstwiesen, Höfe und die kleine Stadt Denzlingen.
Blick ins Rheintal
Hier oben wunderten wir uns, dass es nun doch wieder recht steil bergab gehen sollte. Aber das war wirklich nur ein sehr kurzes Stückchen.
Buschwindröschen
 
Im Wald führte der Weg über einen Hohlweg weiter. Am Wegesrand blühten Wiesenschaumkraut, Sauerklee und Buschwindröschen. An einer Stelle war der Blick frei bis zum Rossopf mit seinen vier Windrädern. Bis ganz da hinauf führte uns der Weg an diesem Tage allerdings nicht - was die Tour nicht weniger anstrengend machte.

Nochmal ein kurzes Stück bergauf und wir erreichten das erste Etappenziel: Das Wildtalereck.
Am Wildtalereck
Hier oben war die Landschaft offen und weit. Man hatte einen tollen Blick über die Höfe im Tal bis hinein ins Rheintal. Am Horizont erhoben sich die französischen Vogesen. Sie sahen so nah aus. Ich liebe es, im Dreiländereck zu wohnen :-)
Aussicht vom Wildtalereck
Weil wir wussten, dass uns der "schlimmste" Aufstieg noch bevor stand, haben wir die Gunst der Stunde genutzt, und uns auf der einzigen verfügbaren Bank am Wildtalereck niedergelassen, um das erste Mal zu rasten.
Die einzige Bank stand direkt unter einer alten Esskastanie, die um diese Jahreszeit noch ziemlich kahl war. Der einzige Baum auf der kahlen Stelle zwischen zwei Wäldern :-) Man erkennt das Wildtalereck daher schon von weitem. Bei der ersten Rast gab es einen Apfel und eine Kiwi. Praktisch portioniert und verstaut in meinem Schüsselchen :-)
Zu anderen Jahreszeiten würden jetzt rund um uns herum Kühe auf den Weiden grasen und man würde ein leises Glockengeläut von den Kuhglocken hören. Wenn es sehr windig ist, dann fegt es einem hier oben die Beine unterm Hintern weg. Haben wir alles schon gehabt, denn wir waren hier nicht zum ersten Mal.
 
Aber an diesem sonnigen, warmen und fast windstillen Tag konnte man es prima hier aushalten. Und Schatz - leicht verschwitzt - hatte plötzlich einen großen Fan :-D Die kleine Schwebfliege ließ sich nicht beirren und bediente sich großzügig an der unerwarteten Salzquelle ;-)
Wir hätten dort noch ewig sitzen bleiben können. Aber irgendwann wollten wir ja doch ans Ziel kommen. Und sich vor dem nächsten Aufstieg zu drücken, brächte es ja auch nicht.
Schatz, frisch und fröhlich, als würde er über's platte Land spazieren...
Die nächsten zwei Kilometer ging es furchtbar steil bergauf. Erst gerade, dann in Serpentinen und dann einfach nur weiter steil geradeaus. Ich hab gedacht, ich breche zusammen! Wir haben diesen Pfad schon oft gesehen - ihn aber vorher immer links liegen gelassen. Klar, der schnellste Weg zum nächsten Etappenziel. Aber die Kraxelei war mordsanstrengend. Zumindest für mich. Der Mann marschierte den Berg hinauf, als würde er über die Krone eines Deichs schlendern... Ich weiß nicht wieso, aber das er das mal eben so macht, nervt mich immer tierisch ;-)
Wegekreuz unterhalb vom Streckereck
Aber auch dieser Aufstieg war irgendwann geschafft. Danach war ich total geschafft. Schatz tat zwar taufrisch, aber der Feuchtigkeitsgrad seines Shirts sprach Bände ;-)
Wir hatten den höchsten Punkt unserer Wanderung erreicht: das Streckereck. Das bequeme Waldsofa war natürlich belegt, als wir ankamen. Daher haben wir es uns in der Schutzhütte gemütlich gemacht, um hier das zweite Mal zu rasten. Es gab einen "Baden Burger". Den hatten wir in unserer Bäckerei erworben. Das ist ein Laugenbrötchen mit einer Frikadelle drin, Burgersoße und Röstzwiebeln, Salat und Tomate. Einfach nur mega! Und redlich verdient, nach der Plackerei :-D
Rast am Streckereck
Nach der Rast haben wir die gigantische Aussicht von hier oben noch ein bisschen genossen, bevor wir uns wieder an den Abstieg machten. Einfach nur bergab bis zur Bushaltestelle ging es allerdings nicht - das hatte ich bei der Planung irgendwie übersehen.
Aussicht vom Streckereck

Blühende Weide am Wegesrand
Das Streckereck war quasi nur ein Abstecher auf unserem Rundweg. Es ging also erstmal ein kleines Stück auf dem Weg zurück, den wir gekommen waren. Erst an der zweiten Kreuzung hielten wir uns dann rechts, statt links und wanderten einen anderen Weg weiter.
Durch den Wald und am Waldrand entlang führte der Weg erstmal gemächlich bergab. Die Kräfte kehrten wieder - oder zumindest fühlten wir uns nicht völlig K.O. Bis hier her hatten wir immerhin schon knapp 9 km zurückgelegt.
Marienkäfer und Schmetterlingsraupe auf dem Weg
Auf dem Waldweg entdeckten wir einen Marienkäfer und eine Schmetterlingsraupe, von der wir glauben, es könnte sich um einen roten Apollo handeln. Sicher sind wir uns allerdings nicht. Der Weg führte uns weiter Richtung Föhrental hinab. Das ist ein Ortsteil von Glottertal. Dort im Wald ging es dann tatsächlich nochmal ein Stückchen bergauf - und das merkten wir sofort! Dabei war der Anstieg dort gar nicht sooo steil. Aber wir waren von den vielen Höhenmetern zuvor schon ziemlich ausgelaugt.
Blick über Föhrental hinweg zum Wildtalereck
Glücklicherweise war der Anstieg nur sehr kurz. Dann bog der Weg wieder auf einen schmalen Pfad ab, der schnell in einen Wiesenweg quer über die Viehweiden mündete. Hier ging es dann bis in den Ort nur noch bergab. Von den Weidewegen aus hatten wir eine tolle Aussicht. Auch hinüber zum Wildtalereck, wo wir unsere erste Rast gemacht hatten...und wo wir nun schon wieder hinauf mussten!
Der Wiesenweg über die Viehweiden von Föhrental
Der Weg über die Viehweiden hat mir von der Tour - mal abgesehen von den vielen tollen Aussichtspunkten - am besten gefallen. Vorbei an blühenden Obstbäumen mit weichem Gras unter den Wanderstiefeln...herrlich!
Über die Weiden von Föhrental
Unten in Föhrental angekommen, war der Spaß dann aber erstmal wieder vorbei. Wir überquerten die Straße und folgten den Wanderschildern geradeaus weiter, über einen Hof mit Kuhstall und offener Miste. Es duftete nach Heimat - zumindest für mich. Der Liebste rümpfte etwas die Nase ;-) Stadtkind halt.
 
Hinter dem Hof ging es direkt auf einem Waldweg weiter - und sehr steil bergauf. Klar kriegt man so schnell diverse Höhenmeter geschafft. Aber hier hatten wir bereits 12 km Wegstrecke und gefühlt eine Million Höhenmeter zurückgelegt. Meine Beine wollten einfach nicht mehr. Die Alternative wäre gewesen, um den Berg herum zu wandern...auch keine Option da dreimal so weit wie der Weg hinüber :-/ Also, Zähne zusammenbeißen und langsam weiter bergauf schnaufen. Und wenn ich sage langsam, dann meine ich Schneckentempo. Schatz wurde schon leicht knütterig, weil ich nicht herbei kam. Aber ich hab echt so schnell gemacht wie es ging - und das war halt nicht sehr schnell :-D
Wieder am Wildtalereck
Irgendwann hatte auch ich - mit hochrotem Haupt - den Kamm erreicht. Vor uns lag das Wildtalereck nun schon zum zweiten Mal an diesem Tag. Ich sah, wie eine andere Wanderin gerade die einzige Bank da oben freimachte und schickte "Rudi Rüssel" los, um die Bank direkt wieder zu okkupieren :-D Wenn man schon so ein Rennschwein dabei hat, muss man das ja auch ausnutzen. Ich zockelte langsam, nach Luft schnappend hinterher und sank dann völlig erledigt auf dem hölzernen Sitzmöbel zusammen. PAUSE!!!
Verschnaufen am Wildtalereck - Vol. 2
Zu futtern hatten wir zwar nichts mehr dabei. Aber der Rest aus meiner Wasserflasche wurde dankbar weg geext. Danach nur noch sitzen, runter kommen, Luft schnappen, Atmen, Aussicht nochmal genießen...
Blick auf Wildtal (links die Talstraße), im Hintergrund die Rheinebene
Von hier aus ging es jetzt aber wirklich nur noch bergab bis zur Bushaltestelle :-) Den ersten Kilometer auf dem Rückweg nahmen wir den, den wir ganz zu beginn auch hier hoch gekommen waren. Aber dann hielten wir uns an der Kreuzung links statt rechts und folgten einem schmalen Pfad über einen Rebhang oberhalb der Talstraße. Am Waldrand entlang führte der Weg später weiter. Hier gab es eine tolle Schaukel am Wegesrand, die wir nicht bildlich festgehalten haben, weil dort gerade ein Mann hockte.
Dafür gab es eine Seltenheit zu sehen, die noch viel cooler war, als die Schaukel im Wald. Eine Holzbiene! Die hab ich in meinem Leben erst das dritte Mal gesehen und das erste Mal kam ich schnell und nah genug heran, um von dem scheuen, riesigen Insekt ein Bild zu machen :-)
Blick zurück zum Rosskopf
Als wir aus dem Wald wieder heraustraten, fanden wir uns in Sichtweite vom Leheneck wieder, wo wir ganz zu Beginn auch schon vorbei gekommen waren. Statt rechts zum Leheneck zu wandern, hielten wir uns links und folgten dem Weg durch die offene Landschaft weiter hinab nach Wildtal und über den Heuweiler Weg zurück zur Bushaltestelle, wo wir am Morgen auch losmarschiert waren.
Total geschafft im Bus nach Hause
Mit dem Bus - in dem immer noch Maskenpflicht herrscht - ging es dann zurück nach Freiburg und nach Hause.

Ich muss sagen, die Anzahl der gelaufenen Kilometer in Kombination mit den absolvierten Höhenmetern habe ich total unterschätzt! Ich war dermaßen am Allerwertesten, als wir daheim ankamen, dass ich dachte, ich könnte den restlichen Urlaub nicht einen Schritt mehr tun. Andererseits war ich stolz wie Bolle, dass ich es trotz allem doch geschafft hatte. Andere mit meinem Gewicht hätten es vielleicht nicht mal auf den Rebberg geschafft.

Jedenfalls hatte diese Runde am Ende 18 km. Wir waren 6,5 Stunden unterwegs und davon waren 4,75 Stunden reine Gehzeit. Auf den 18 km absolvierten wir zusätzlich auch noch 650 Höhenmeter. Für andere ist das vielleicht ein Klacks. Aber schleppt ihr mal 30 kg zu viel mit euch rum ;-)