Dienstag, 31. August 2021

Sauerland-Urlaub 2021 - Tag 5 (Dreiherrenstein-Route im Nationalpark Kellerwald)

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Am 13. August haben wir dann nochmal ausgeschlafen. Eigentlich wollten wir an diesem Tag den Medebacher-Bucht-Rundweg wandern (25 km). Dafür hätten wir aber um 6 Uhr aufstehen müssen. Da der Tag mit Heidi allerdings so schön und schön lang gewesen ist, und wir erst nach Mitternacht im Bettchen lagen, kam die lange Tour nicht in Frage.
Dreiherrenstein-Route, Karte von Komoot
Stattdessen ging's rüber nach Hessen. Wir hatten uns als Alternative eine kleinere Runde im Nationalpark Kellerwald ausgesucht. Mit dem Auto erreichten wir Frebershausen bei Bad Wildungen in gut 45 Minuten.
Der Wanderparkplatz dort war klein, aber schön schattig. Witzigerweise parkte dort noch genau ein anderes Auto - auch aus Baden-Württemberg :-D
Ausgesucht hatten wir uns die Dreiherrenstein-Route. Die war nicht allzu lang, aber auch nicht zu kurz. Ein paar Höhenmeter und viele Pfade sollte es geben. Genau das Richtige.
Ein Stückchen ging es über einen asphaltierten Wirtschaftsweg hinauf. Aber schon bald erreichten wir einen Waldweg - und dort lila schimmernde Pilze. Sowelche habe ich noch nie gesehen! Kennt sich von euch eine(r) damit aus?
Es ging steil hinauf, bald waren wir am schnaufen. Dafür konnten wir aber auch einen schönen Blick in die Landschaft erhaschen.

Die "Werbung" mit den vielen Pfaden stimmte. Wir wurden nicht enttäuscht. Der Aufstieg (wir sind die Runde im Uhrzeigersinn gewandert) verlief zu fast 100 % über schmale Pfade, die teilweise auch ordentlich zugewuchert waren.

Knapp 2 km schafften wir, bis ich die erste Zecke auf Wanderschaft entdeckte. An einer nicht so stark bewachsenen Stelle kam dann doch das Anti-Zecken-Spray zum Einsatz. Die restliche Wanderung blieb ich dann von Krabbelviechern unbehelligt :-)
Oben angelangt ging es durch idyllischen Buchenwald weiter. Das gefällt mir am besten am Kellerwald. Die vielen Laubbäume. Die Trockenheit der letzten Jahre hat hier zwar auch Spuren hinterlassen, aber die Schäden sind nicht allzu deutlich sichtbar, wie in den reinen Nadelwäldern.

An den lichten Stellen im Wald fanden wir blühende Heide. Die ist dieses Jahr etwas später dran als üblich, denn für gewöhnlich verpassen wir die Heideblüte immer, wenn wir um diese Zeit im Sauerland unterwegs sind.

Direkt daneben werden inversive Arten ausgemerzt. Dieser Teil des Kellerwaldes liegt echt am Hintern der Welt. Unfassbar, dass sich eingeschleppte Arten (Neophyten) bis hier hin ausgebreitet haben und die heimische Pflanzenwelt verdrängen.


Hat man erstmal den höchsten Punkt erreicht, geht es ein ganzes Stückchen auf fast ebenen Pfaden über den Berg. Hier oben gibt es dann auch wieder ein paar mehr Nadelbäume. Viele davon tot. In herabgefallenen Rindenstücken kann man die Brutsysteme des Borkenkäfers bereits erkennen.
Toter Wald neben dem Wanderweg

Dann erreichten wir endlich den Namensgeber der Wanderroute, den Dreiherrenstein. Der Stein markiert die Stelle, an der einst drei Ländergrenzen zusammenstießen. Der Grenzstein wurde 1590 gesetzt.


Bald darauf kamen wir aus dem Wald heraus auf eine große Lichtung. Hier haben wir die Hälfte unserer Tour erreicht, es gibt reichlich Rastmöglichkeiten und die kleine Quernstkapelle. In der Kapelle ist ein herrliches Licht, weil die Sonne durch die bunten Fenster scheint.

Blick Richtung NRW zum Rothaargebirge

Im Schatten der Kapelle rasten wir schließlich. Wir haben den weiten Blick Richtung Willingen und Kahler Asten. Ein Paar andere Wanderer gingen gerade, als wir ankamen. Vorher hatten wir den kompletten Weg für uns alleine. Und auch auf der zweiten Hälfte des Weges werden uns nur 2 Menschen entgegen kommen. Wir haben den Kellerwald für uns alleine.


Nach der Rast geht es über einen breiten Waldweg weiter. Die Steigung sieht nicht sehr steil aus, geht aber doch unglaublich in die Beine.

Die vielen Blumen und Schmetterlinge am Wegesrand sind eine willkommene Ausrede, um mal kurz stehen zu bleiben. Dann erreichen wir die Wolfsgrube. Mit den Wolfskaulen wurde um 1500 versucht, den Wölfen Herr zu werden. Man lockte die Tiere mit Aas in die Gruben, um sie dort zu töten. Nur gut 200 Jahre später, gab es kaum noch Wölfe im Kellerwald. Der letzte Wolf wurde hier im Winter 1819/1820 getötet.
Dieser eine Satz auf der Infotafel gefällt mir sehr: "Damit der Wolf zurückkehren kann, muss er in den Köpfen und Herzen der Menschen ankommen." Der Wolf war vor uns hier. Wir haben ihn ausgerottet! Die Menschen sollten lernen, wieder mit ihm zu leben. Im Gegensatz zu so manch anderem Tier, das man in Deutschland findet, gehört er hier her.

Kurz hinter der Wolfskaule findet sich die große Wegekreuzung "Frankenauer Tor". Hier verlassen wir den breiten Waldweg wieder, um den Abstieg zum Wanderparkplatz anzutreten.
Der Weg wird hier wieder schmaler, ist aber nicht mehr so zugewuchert wie beim Aufstieg. Er lässt sich sehr gut gehen.
Hier, auf der Schattenseite des Berges ist der Boden noch sehr feucht vom vielen Regen der letzten Nächte. Zum Teil ist der Pfad nicht gut zu gehen, da Wildschweine alles umgegraben haben. Außer Schnauzen und Hufabdrücken haben wir von den Tieren aber zum Glück nichts gesehen. Mit Wildsauen ist nicht gut Kirschen essen, vor allem wenn sie Frischlinge dabei haben. Von daher verzichten wir liebendgern auf eine Begegnung :-)

Nicht mehr weit und wir kommen wieder unten an die Straße. Dort ist der kleine Wanderparkplatz. Wir treffen die beiden Wanderer wieder, die gerade gingen, als wir zur Quernstkapelle kamen. Es sind die beiden aus Tauberbischofsheim, die ebenfalls mit uns hier parkten :-D
Unser Auto steht immer noch im Schatten. Trotzdem ist es heiß geworden. Wir reißen alle Fenster auf und machen uns an die Rückfahrt.
Die Dreiherrenstein-Route hatte 8,5 km und wir waren 3,5 Stunden unterwegs. Davon 2 Stunden reine Gehzeit.
 
Zurück bei Papa haben wir uns erstmal unter die Dusche geworfen. Papa kochte uns in der Zeit Abendessen und wir aßen dann gemeinsam diese leckere Ratsherrenpfanne.
 
Den restlichen Abend verbrachten wir wieder gemütlich auf dem Sofa.

Samstag, 28. August 2021

Sauerland-Urlaub 2021 - Tag 3 (Latrop - Schanze - Kyrillpfad - Waldskulpturen - Rundweg)

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Am 11. August haben wir die erste Wanderung in unserem Urlaub gemacht. Nachdem wir ausgeschlafen und gefrühstückt hatten, fuhren wir eine gute Stunde mit dem Auto nach Latrop (bei Schmallenberg).
Unser Rundweg, Karte von Komoot
Auf dem Wanderparkplatz konnten wir unser Auto schön im Schatten abstellen. Die Route hatten wir uns vorab aus einem Wanderführer ausgesucht und in die Online Karte von Komoot übertragen, so dass wir die Wander-App als Navi laufen lassen konnten. Das ist echt bequem, vor allem, wenn die Runde - so wie diese - aus zig verschiedenen Wegezeichen zusammengestückelt ist :-)

Vom Wanderparkplatz aus folgten wir dem Weg Richtung Schanze. Im Wald war es schattig, aber sehr schwül, was ich daran merkte, dass mir ständig die Brille beschlug, sobald ich stehen blieb.

Bei dem feucht-warmen Wetter bekamen wir reichlich Pilze vor die Linse. In der langen Wanderhose schwitze ich mich halb zu Tode, aber bot dafür weniger Angriffsfläche für sämtliche Stechviecher. Man kann halt nicht alles haben.


Über breite Waldwege ging es leicht bergauf. So viele Schmetterlinge wie auf dieser Tour habe ich gefühlt das ganze Jahr über nicht in Freiburg zu sehen bekommen.
Zweimal wollten wir rasten. Und bis zur ersten Rast hatten wir die Wege tatsächlich komplett für uns alleine. Lediglich am Altarstein, der an eine heidnische Opferstätte erinnern soll, begegneten wir zwei anderen Wanderern.
Altarstein Latrop
Als wir das erste Drittel des Weges hinter uns hatten, fanden wir eine Bank an einer Wegekreuzung. Hier machten wir unsere erste Rast. Es war herrlich ruhig im Wald und ein laues Lüftchen trocknete den Schweiß im Gesicht.

Wir hatten unser Brötchen gerade halb gegessen, da hörten wir lautes Gerede und schreiende Kinder. Etwa 10 Minuten später - wir wollten gerade wieder los - kam vom oberen Weg eine Horde Holländer an. Erst ein Mann mit zwei Kindern. Kurz drauf zwei weitere Erwachsene mit Hund. Alle sammelten sich unten auf der Kreuzung und gingen einfach nicht weiter. Wir blieben sitzen. Mit den Sabbelstrippen zusammen weiter zu wandern, kam gar nicht in die Tüte!

Nochmal etwa 10 Minuten später kam dann noch ein älterer Herr und weit abgeschlagen eine jüngere und eine ältere Frau. Als alle wieder beisammen standen, wurde kurz beratschlagt und dann liefen sie weiter - genau den Weg, den wir auch gehen wollten. Stöhn...
Brutsystem des Buchdruckers
Wir warteten noch ab, bis die Horde außer Sicht- und Hörweite war und liefen dann ganz langsam auch wieder los. Zum größten Teil wanderten wir über den Rothaarsteig (ein 157 km langer Fernwanderweg im Rothaargebirge).

Unterkiefer eines Rehs am Wegesrand entdeckt
Etwa 3 km nach unserem ersten Rastplatz überholten wir die inzwischen wieder weit abgeschlagenen holländischen Frauen. Kurz darauf den alten Herrn. Vom Mann mit den Kindern war weit und breit nichts zu sehen.
Erst als wir den nächsten Wanderparkplatz (nahe dem Kyrillpfad) erreichten, fanden wir auch diese wieder. Scheinbar hatten die dort geparkt. Wir hatten sie also ab jetzt "los" :-)

Gedenkstein für Kriegsopfer
Über den Kyrillpfad führte unsere Wanderung weiter. Hier hatte der Orkan Kyrill im Januar 2007 erhebliche Schäden angerichtet. Seither ist diese Fläche sich selbst überlassen. Lediglich ein paar Pfade, Brücken und Stege werden freigehalten und gepflegt.

Ich fand es erstaunlich, wie die Natur in den paar Jahren wieder nachgewachsen ist. In welcher Vielfalt und wie sie die Landschaft verändert hat, die vorher Fichte-Monokultur war.
Vom Kyrillpfad ging es über einen fast schnurgeraden Waldweg weiter. Der WaldSkulpturenWeg ist eigentlich 23 km lang. Wir sind ihm nur wenige Kilometer gefolgt und bekamen 3 von 11 Kunstwerken zu sehen.



Nachdem wir die dritte und für uns letzte Skulptur passiert hatten, bogen wir über einen Steg nach rechts ab.


Nur noch einen knappen Kilometer bis zur Hängebrücke. Von der hatten wir im Wanderführer gelesen. Dass es sowas hier gibt, wussten wir vorher auch nicht.
Und dann erreichten wir sie. Wir hatten sie uns etwas anders vorgestellt. Man kann sie passieren, muss es aber nicht. Sie ist nicht direkt Teil des Wanderweges, sondern nur als "Attraktion" dort hingebaut. Wenn man nicht schwindelfrei ist oder das Gewackel nicht verträgt, kann man auch gemütlich auf breiten Wegen drum herum laufen.
Natürlich sind wir einmal drüber spaziert :-) Es war ein kurzes, aber schönes Erlebnis. Die meisten Hängeseilbrücken machen mir nichts mehr aus, seit ich auf der Rückfahrt von unserem Allgäu-Urlaub über die Brücke im österreichischen Holzgau gelatscht bin :-D Da hieß es tatsächlich: Rüber oder zurück zum Auto!
Hier hatten wir das zweite Drittel unseres Weges geschafft und waren nun auf der Suche nach einer gescheiten Rastmöglichkeit. Direkt an der Brücke hätte es was gegeben. Aber dort war natürlich schon alles belegt.
Und wie so oft schon fanden wir keine! Während auf den ersten zwei Dritteln des Weges mehr Rastmöglichkeiten waren, als wir uns wünschen konnten, fand sich auf dem letzten Drittel tatsächlich ewig lange nichts.
Stele am Grenzweg
Da es zusätzlich auch nochmal kurz, aber richtig steil bergauf ging, war ich quasi von jetzt auf gleich mit meinen Kräften am Ende. Ich kam nur noch im Schneckentempo voran. Erst 3 km vor unserem Ziel kam dann endlich mal ein Rastplatz in Sicht. Zum Glück keiner da. Nichts wie hin. Hier haben wir dann unsere zweite Pause gemacht. Ich hatte sie wirklich dringend notwendig.
Rastplatz am Zinses Eck
Über schmale und breite Wege ging es von hier aus nur noch bergab. Bald erreichten wir einen Bach, dem wir hinab ins Tal folgten.
Und dort wo der Bach sich mit einem anderen vereint, ist der Wanderparkplatz mit unserem Auto :-)
Dieser Rundweg hatte 18 km. Wir waren 5,5 Stunden unterwegs, davon etwas über 4 Stunden reine Gehzeit.

Die Tour hat uns super gefallen, weil sie so abwechslungsreich war. Aber man sollte die 400 Höhenmeter und die Länge der Runde nicht unterschätzen.

Wieder Zuhause angekommen, ging es nur noch unter die Dusche. Zum Glück hat Papa gekocht. Frisch geduscht konnten wir quasi direkt losspachteln :-)

Den Abend verbrachten wir gemütlich auf der Couch.