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Am Samstag sind wir schon um 5:30 Uhr aufgestanden. Der liebste Morgenmuffel ist bekanntlich ja morgens oft etwas trödelig unterwegs. Da wir aber - das erste Mal seit Corona - mit dem Zug in den Schwarzwald fahren wollten zum wandern, sind wir extra drei Stunden vor Abfahrt aufgestanden!
Die Verbindung hatte ich am Abend vorher schon rausgesucht und gespeichert. Wie befürchtet war Schatz am Samstag früh schneckenmäßig unterwegs. Es war also gut, dass wir zeitig aufgestanden sind.
Er hat gefrühstückt (ich hab Tee getrunken). Dann hab ich den Abwasch erledigt und irgenwann meinte Schatz dann, dass wir langsam los müssten. Ich guck auf die Uhr: Mist! Schon so spät? Also einen Zahn zugelegt und raus zur Straßenbahn - die uns vor der Nase weggefahren ist. Hä? Was soll denn der Sch...?! Ich hatte doch extra die Verbindung am Abend vorher rausgesucht! Die hätten wir doch noch erwischen müssen!
Hektisch hin und her überlegt. Aber selbst, wenn wir jetzt drei Haltestellen die Straßen runter rennen und dort die andere Bahn zum Bahnhof erwischen würden, hätten wir mit der unseren Zug auch nicht mehr erreicht.
Ich war total enttäuscht. All die Planung und dann sowas. Wir sind also mit der nächsten Bahn einfach zum Bahnhof gefahren. Nochmal für ne halbe Stunde nach Hause war uns jetzt auch zu blöd.
In der Straßenbahn linse ich so auf die Haltestellenanzeige und auf die dort befindliche Uhr. Kann das sein?! Ja, tatsächlich. Kein Wunder, dass uns die Bahn vor der Nase weggefahren ist. Wir waren eine Stunde früher unterwegs als geplant! Zuhause ist uns beiden nicht aufgefallen, dass wir erst 7:30 statt 8:30 Uhr hatten :-D Mensch, sind wir blöd!
Aber was nun? Ne Stunde am Bahnhof rumhängen, um dann doch den geplanten Zug zum Schluchsee zu erwischen? Oder einfach den nächsten Zug nehmen, und schonmal bis zum Titisee fahren, und da nur ne halbe Stunde auf den Zug zum Schluchsee warten?
Wir entschieden, erstmal in den nächsten Zug einzusteigen. Der stand schon am Gleis. Und weil er zu so früher Stunde reichlich leer war, hatten wir freie Platzwahl :-)
| Das erste Mal seit Corona in der Höllentalbahn |
| Blick aus dem Zug ins Dreisamtal |
Während wir durchs Höllental Richtung Titisee fuhren meinte Schatz, dass wir doch einfach auch in Titisee ne Runde wandern könnten. Dann hätten wir die nochmals 30 Minuten Wartezeit nicht. Ja, wieso eigentlich nicht?
| Blick aus dem Zug ins Höllental |
Smartphone sei dank hatte er noch während der Fahrt eine 8 km Runde rausgesucht. Statt des Jägersteigs am Schluchsee, haben wir also den Seerundweg in und um den Titisee gemacht :-)
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| Seerundweg Titisee, Karte von Komoot |
Starten tut der am Bahnhof und führt dann die "Einkaufsmeile" zum See hinab. Wir waren ewig nicht in Titisee und waren erstaunt, wie sehr sich rund um den Bahnhof alles geändert hat. Das alte Bahnhofsgebäude ist nämlich nun ein Hotel - samt neuem Anbau!
| Der neue Anbau vom Hotel am Bahnhof |
| Kleiner Park am Bahnhof in Titisee |
Die Einkaufsmeile war ein Anblick, den ich noch nie hatte. Es war alles wie ausgestorben. Die Geschäfte hatten zu, kaum ein Mensch unterwegs. Diese Ruhe! So kannte ich Titisee bisher gar nicht. Gut, ich war auch noch nie so früh am Tag dort oben :-D
Unten am See wurden die Tret- und Ruderboote vom Morgentau trocken geputzt. Der See lag still vor uns. Hinter uns stand ein Riesenrad!
| Kontakt mit einem "Einheimischen" :-D |
Zwischendurch hatten wir immer wieder tolle Blicke über den See zum Strand und zum anderen Ufer. Aber je näher wir dem Campingplatz kamen, umso belebter wurde der Waldweg.
| junge Haselnüsse |
Den Campingplatz galt es zu durchqueren. Wir trauten unseren Augen nicht. Der Platz war voll. Richtig VOLL! Zelte, Wohnmobile und Wohnwagen dicht an dicht.
Nee, dass wäre ja gar nichts für mich. So viele Menschen auf einem Haufen, kaum Privatsphäre, Gemeinschaftsduschen und -toiletten und schon so früh am Morgen so ein Geräuschpegel...Auf keinen Fall! Dann lieber in ein Hotel - da hat man wenigstens dicke Wände und sein eigenes Bad - oder in eine Ferienwohnung.
Irgendwo auf dem Campingplatz sind wir falsch abgebogen. Es ging ein gutes Stück den Hang hinauf und dann über einen halb zugewuchterten Wiesenweg weiter. Laut Karte konnten wir so verkehrt nicht sein. Aber ich hatte ja meine Klamotten für den Jägersteig (ohne hohes Gras) gewählt und kam mir mit meinen nackten Beinen im hohen Gras nicht so toll vor. Zecken!
| Schatz guckt mal, ob es da hinten weiter geht |
Am Ende kletterten wir über einen umgestürzten Baum, hatten wieder einen Waldweg unter den Sohlen und nur 2 kleine Zecken musste ich mir von der Wade wischen. Glück gehabt! Als wir das Ende des Weges erreichten, hielt uns ein rot-weißes Absperrband auf. Während der Weg von oben kommend nicht gesperrt war, war er es von unten. Wahrscheinlich wegen des umgestürzten Baums. Tja, egal. Nun waren wir ihn ja eh schon gegangen :-D
Unten hatten wir dann wieder die Straße vor uns, auf der wir eigentlich hätten rauskommen sollen, wenn wir auf dem Campingplatz nicht falsch abgebogen wären :-) Der abenteuerliche Wiesenweg war dann am Ende wohl doch besser als die öde Teerstraße ;-) Denn den Asphalt unter den Füßen sollten wir nun behalten bis wir zurück in Titisee wären.Auf der Straße ging es dann weiter zum nächtsten Campingplatz. Den streiften wir aber nur am Rande. Auch dieser war gut besucht.
Dann ging es hinauf zur Landstraße. Dort, an einer kleinen Kapelle, haben wir dann Rast gemacht. Für den kleinen Rundweg um den Titisee hatten wir viel zu viel dabei. Aber der Jägersteig wäre halt etwas weiter und anspruchsvoller gewesen. Geschmeckt hat es uns trotzdem :-DNeben der Kapelle war noch das Museum für alte Landtechnik. Hätte es offen gehabt, wären wir vielleicht mal rein gegangen (Maskenpflicht hin oder her). Aber leider hatte es am Samstag nicht geöffnet.
Über einen breiten Fuß- und Radweg ging es dann wieder in den Ort Titisee hinein. Von da oben haben wir den See leider nicht wirklich sehen können. Dafür war der wilde Blumenstreifen am Wegesrand sehr schön anzusehen und ein paar Insekten haben wir auf den Blüten auch entdeckt.Fasziniert hat mich ein Falter, den ich zuvor noch nie gesehen hatte. Er hatte V-förmige Flügel, wenn man von der Seite schaute. Später fand ich über Google heraus, dass es sich um den Dickkopffalter handelt. Der ist scheinbar recht verbreitet. Aber bewusst gesehen, habe ich ihn am Wochenende zum ersten Mal.
Auch an der Straße nach Titisee fanden wir ein Tor ins Nichts. Ein wunderschönes, altes schmiedeeisernes Tor mit einer ausgetretenen Treppe davor, halb zugewuchert, oberhalb des Fuß- und Radweges und dahinter: Nichts! Nur Büsche. Wie das Haus zu dem tollen Tor wohl mal ausgesehen hat?
Um wenigstens ein paar Meter Asphalt auszusparen, sind wir kurz nach dem Ortsschild rechts in den Kurpark abgebogen und durch diesen wieder ganz in den Ort gelaufen.
| Im Kurpark von Titisee |
| Blick zum Hochfirst |
Als wir wieder auf der Einkaufsmeile ankamen, bot sich schon ein ganz anderes Bild. Die Läden hatten geöffnet und es waren massig Menschen (hauptsächlich Touristen) unterwegs. So kenne ich Titisee :-D
Richtig wohl gefühlt haben wir uns in diesen Massen an Leuten allerdings nicht. Corona spukt halt immer noch im Hinterkopf und Abstand war dort nur schwer einzuhalten.
Eine Fahrt im Riesenrad habe ich mir dennoch nicht entgehen lassen - da war nämlich gerade nichts los. Da Schatz keine Lust hatte, musste ich allerdings allein meine Runden drehen. Die Aussicht war allerdings richtig toll. Von oben bekommt man den Titisee auch nicht alle Tage zu Gesicht :-)
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| Ausblicke aus der Gondel |
Als die Fahrt vorbei war, haben wir uns schnell Richtung Bahnhof aufgemacht. Unterwegs an einem Stand vom Bauernhof, haben wir noch ein leckeres Steinofenbrot gekauft und sind dann mit dem Zug - der um die Mittagszeit Richtung Freiburg auch wie ausgestorben war - wieder gemütlich nach Hause gefahren.
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| Hier gab's leckeres Steinofenbrot |
In der Zeitung las ich am nächsten Tag, dass sich Fahrgäste über die Höllentalbahn beschwert hätten, weil die Züge so überfüllt wären am Wochenende (kein Abstand möglich!). Zu den "unüblichen" Zeiten, zu denen wir am Samstag unterwegs waren, hatten wir dahingehend absolut keine Probleme.
Der Rundweg um den Titisee hat gemütliche 8 km. Wenn man sich nicht - wie wir - verläuft, ist der Rundweg auch kaum anspruchsvoll und gut zu gehen. Eine Stunde und 40 Minuten waren wir (reine Gehzeit!) unterwegs.


