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Donnerstag, 29. Juli 2021

Kaiserstuhl-Rundweg zwischen Oberrotweil und Achkarren

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Am 18.07.2021 haben wir diese Tour bereits gemacht. Weil ich den Samstag zuvor ja mit den Mädels in Ludwigshafen war, hatten wir ausgemacht, dafür am Sonntag zu wandern. Weil ich aber auch ausschlafen wollte, haben wir uns für eine kleinere Tour im Kaiserstuhl entschieden. Zwischen Oberrotweil und Achkarren waren wir noch nie unterwegs, da sollte es hingehen.
Unser Rundweg, Karte von Komoot
Das Örtchen war mit nur 30 Minuten Fahrt schnell erreicht. In Oberrotweil haben wir auf dem kleinen Wanderparkplatz hinter der Turn- und Festhalle einen schattigen Platz gefunden und das Auto abgestellt. In großen Teilen - aber nicht komplett - sind wir von dort dem "Kulinarischen Weinwanderweg" gefolgt.
Für den Sonntag waren rund 23 Grad im Kaiserstuhl angekündigt. Natürlich war es deutlich wärmer. Und Hitze kann ich ja eigentlich gar nicht ab. Den Trauben hingegen gefällt das Klima dort sehr. Sie wachsen sehr gut. Der Kaiserstuhl ist ja bekannt als Weingegend.
Anfangs kam ich noch gut mit. Es war zwar warm, aber noch erträglich. Die Steigungen hielten sich in Grenzen. Alles kein Problem. Eine dicke Schicht Sonnencreme und luftige Kleidung machten es möglich.
Wir kamen ein Stückchen durch Oberrotweil hindurch. Das ist ein Ortsteil von Vogtsburg im Kaiserstuhl. Oberrotweil hat nur rund 1.600 Einwohner und ist als Weindorf bekannt.
Kleine Kapelle in Oberrotweil

Bahnhof Oberrotweil
Kurz hinter dem kleinen Bahnhof von Oberrotweil hatten wir dann schon den ersten bombastischen Ausblick. Über ein stillgelegtes Gleis ging es auf einem schmalen Trampelpfad die Reben hinauf und von oben sahen wir dann hinüber nach Burkheim (wo wir auch schon gewandert sind --> klick HIER). Das Burkheimer Schloss aus einer völlig anderen Perspektive und direkt hinten dran, halb im Dunst verborgen, die Hochkönigsburg im französischen Elsass.
Das Burkheimer Schloss mit der Hochkönigsburg


Blick auf Niederrotweil
Über einen halb zugewachsenen Wiesenweg am Rande des Kirchbergs, erreichten wir die Kirche St. Pantaleon oberhalb von Niederrotweil. Hier ist es mir das erste Mal gelungen, so ein zappeliges Schachbrett abzulichten. Bisher waren die immer schneller wieder weg, als die Kamera bereit war.
Schachbrett (Schmetterling)

Die kleine Kirche ist jedes Jahr Ziel einer speziellen Wallfahrt. Erbaut wurde sie 1741 und an diesem Sonntag war sie leider verschlossen.
Entlang der Bahngleise passierten wir Niederrotweil mit seiner rostbraunen St. Michaels Kirche, in der Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert freigelegt wurden. Da wir aber nur über einen größeren Umweg dort hätten hinüber gelangen können, haben wir diese Kirche auch nicht von innen besichtigt.
Von weiter oben am Rebberg blickten wir wieder hinüber ins Elsass. Im Dunst des Rheintals konnten wir gerade so die drei Burgen bei Ribeauvillé ausmachen. Da würden wir auch so gerne mal die 3-Burgen Wanderung machen. Aber aktuell expoldieren die Corona-Zahlen in Frankreich wieder und wir bleiben lieber diesseits des Rheins.
Ulrichsburg, Burg Giersberg u. Hohrappoltstein bei Ribeauvillé im Elsass
Diese Ecke vom Kaiserstuhl kannten wir noch nicht. Dass hier viel Wein wächst, war uns klar. Aber dieses "grüne Meer" - Wein, soweit das Auge reicht! - hat uns doch ziemlich beeindruckt.
Immer wieder ging es mal über kürzere Abschnitte bergauf. Während ich auf den ebenen Strecken die Hitze kaum spürte, merkte ich sie bei jeder noch so kleinen Steigung. Mal wieder hatte ich die Hitze auf den sonnigen Terrassen ziemlich unterschätzt :-/
Blick auf Burkheim
Eine schattige Bank am Waldrand des Büchsenberges war gerne für eine kurze Rast genommen, nachdem ich mich dort hinauf gequält hatte. Ich war froh, dass ich den schweren Rucksack nicht mitgeschleppt hatte. Da wir ja nur eine "kurze Tour" gehen wollten, hatten wir die Rucksäcke Zuhause gelassen und nur jeder eine kleine Flasche Wasser mitgenommen.
Der kleine Rundweg um den Büchsenberg herum war weniger schattig als erhofft und zugewachsener als erwartet. Sofort ärgerte ich mich, dass ich den schweren Rucksack nicht dabei hatte, denn ich sah mich schon von Zecken überrannt - da wusste ich nicht, was noch auf uns zukommen sollte... In dem Rucksack hätte ich sowohl Zeckenspray als auch die Zeckenkarte gehabt.
Auf der zum Rhein hin gelegenen Seite des Büchsenbergs gibt es einen Steinbruch. Erkennen konnte man ihn durch das dichte Buschwerk nicht wirklich. Wir wussten nur, dass wir an seiner oberen Kante entlang wandern, weil alle paar Meter ein Warnschild auftauchte. Erst kurz vor Ende der Abbruchkante erlaubte eine Lücke im Grün den Blick nach unten.
Endlich konnten wir auch den Ursprung dieses seltsamen Summens ausmachen, das wir schon eine Weile hörten - irgendwie Elektrisch. Unten war eine Solar-Plantage (oder wie man das auch immer nennt) gebaut worden. Die erzeugte neben Solar-Strom auch dieses komische Sirren :-)
Blick auf Breisach
Abseits des Steinbruchs ist eine kleine baumfreie Einkerbung im Wald. Von dieser aus hatten wir den weiten Blick ins Rheintal und entdeckten sogleich die Stadt Breisach, die direkt am Rhein liegt. Unverkennbar ragt der Breisacher Münsterberg wie eine kleine Insel aus dem flachen Rheintal heraus.

Weiter ging es auf breiten Wegen und schmalen Pfaden immer am Waldrand entlang. Und dann kam der Abzweig zum Schlossberg von Achkarren. Auf einem Wegweiser entdecken wir den Hinweis zu einer Burgruine. Damit hatten wir im Kaiserstuhl mal so gar nicht gerechnet. Weil die genau in der Richtung lag, in die wir eh wollten, kam uns das natürlich sehr gelegen :-)
Wo ist der Weg?
Der Weg wurde zum Pfad, der Pfad zum Trampelpfad und dieser immer zugewucherter. Teilweise war er kaum zu erkennen. (Zecken-Alarm!) Und es ging bergauf. Steil bergauf! Der Schweiß rann in Strömen, ich keuchte wie eine alte Dampflok. Was hatte ich mir nur für eine blöde Strecke ausgesucht! :-/
Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit - ich war kurz vorm Kollabieren - hörte ich Stimmen. Echte! Ich hatte keine Halluzinationen ;-) Es waren ein paar Wanderer, die wir dank des neugierigen Schäferhundes direkt wiedererkannten. Die hatten uns schon passiert, als wir vorher auf der Bank eine kurze Verschnaufpause eingelegt hatten. Und die wollten da runter, wo wir raufgekommen waren! So ätzend und anstrengend diese Kraxelei auch gewesen war, ich war heilfroh, dass ich dort rauf musste und nicht runter sollte! Und herrlich zu sehen, dass das Grüppchen auf einem breiten Weg stand. Endlich!
Die mussten eine andere Route gewählt haben. Wir hatten einen ausgewiesenen Wanderweg benutzt. Aber es war der am miesesten gepflegte Wanderweg, den ich vom Schwarzwaldverein jemals benutzt habe! Der schöne breite Weg oben führte entlang eines weiteren Steinbruchs.
Aus diesem Steinbruch wurden Steine für die Burg Höhingen geschlagen, die wir nun besichtigen wollten und zum Teil stammen auch die Steine vom Breisacher St. Stephans Münster von hier oben.
 
Bald war dann auch klar, dass die Burg und der Aussichtspunkt, den wir ursprünglich angesteuert hatten, ein und dasselbe Ziel waren. Schlossberg! Wir hätten auch eher drauf kommen können ;-)
 
Auf einer weiteren schattigen Bank musste ich nochmal eine Rast einlegen. Die Hitze und der steile Aufstieg über den zugewachsenen Pfad hatten mich mehr geschlaucht, als ich gedacht hätte. Und als ich dann sah, dass der weitere Weg schon wieder ziemlich Steil bergauf führte, hätte ich am liebsten das Heulen angefangen. Wieso hab ich diese Tour nicht für den kühleren Herbst aufgehoben?!
Der Schlossberg bei Achkarren
Als wir um eine Kurve bogen hatten wir dann das erste Mal den Blick hinauf zum Ziel. Der Schlossberg mit Pavillon und Aussicht - und scheinbar auch mit Burgresten! Von dort, wo wir standen sah es aus, als müssten wir noch ewig weit den Berg hinauf schnaufen. Auch bei Schatz lief die Brühe inzwischen in Strömen.
Achkarren
Zum Umkehren waren wir zu weit gekommen. Mich packte der Ehrgeiz. Nochmal einen kurzen Blick zurück: Schön! Da ist Achkarren :-) Stöhn... Und dann weiter hinauf. Erst über einen Wiesenweg an den Reben entlang. Dann über einen Waldweg zum Pavillon hinauf. Oben angekommen fanden wir den belegten Pavillion, zwei belegte Waldsofas und eine etwas "ältliche" Bank. Selbst wenn wir da oben alleine gewesen wären, hätte ich die wackelige Bank gewählt. Die war als einzige im Schatten der Bäume :-D ICH WAR FERITG!!!
Eine ganze Weile saß ich da, alle Viere von mir gestreckt. Wartete, dass sich mein Kreislauf wieder beruhigte, nippte am Rest meines inzwischen pisswarmen Wassers und atmete...einfach atmen...
Als sich nicht mehr alles vor meinen Augen drehte, habe ich mich aufgerafft und mir unser Ziel mal genauer angesehen. Tatsächlich. Hier stand wohl mal eine Burg. Viel übrig geblieben ist davon leider nicht.
Die Burg Höhingen war über Jahrhunderte eine wichtige Burg, die nur etwa 7 Kilometer von der stark umkämpften und strategisch wichtigen Festung Breisach entfernt war. Erstmals schriftlich erwähnt wurde die Burg im Jahre 1064.
1633 erfolgte ein Angriff von Breisach aus. Die kaiserlich-katholischen Truppen eroberten die von den Schweden gehaltene Burg und plünderten sie. Die Beute betrug nach damaligen Aufzeichnungen unter anderem rund 15.000 Liter Wein. In der Burg gelagertes Eigentum Ihringer Bürger ging ebenfalls verloren. Es wird sogar vom Verlust von 200 Pferden und 300 Stück Vieh berichtet, was Rückschlüsse auf die Ausmaße der Anlage zulässt. 1638 wurde die Burg schließlich zerstört. Heute sind nur noch ein paar wenige Mauerreste auf dem Schlossberg zu sehen.
Das liegt vielleicht auch daran, dass Markgraf Friedrich VI. von Baden-Durlach die Steine der Ruine 1671 an das Königreich Frankreich verkaufte, das u. a. damit durch Vauban die Festung in Neu-Breisach erbauen ließ. In Neuf-Brisach waren wir auch schonmal. Niemals hätten wir gedacht, dass dort Steine einer uns unbekannten und doch in der Vergangenheit so wichtigen Burg aus dem Kaiserstuhl verbaut sind. Ich mag Geschichte :-)
Lourdes-Grotte am Schlossberg
Natürlich machten wir uns auch wieder an den Abstieg vom Schlossberg. Immerhin mussten wir ja auch wieder zurück zum Auto. An einer etwas versteckten Lourdes-Grotte vorbei, ging es durch den Wald hinab und wieder in die offene - heiße! - Terrassenlandschaft des Kaiserstuhls.
Kein Schatten weit und breit. Aber immerhin auch kaum noch neue Steigungen. Das kam meinem immer noch leicht angeschlagenen Kreislauf zu Gute. Kurz vor dem Wald auf dem Steingrubenberg entdeckten wir nochmal einen Aussichtspavillon. Das Vogesen-Panorama war allerdings durch das diesige Rheintal etwas getrübt.
Dafür hatten wir einen Blick zurück auf den "mörderischen" Schlossberg, der von hier hinten gar nicht mehr so schlimm aussah.
Blick zurück zum Schlossberg
Wir folgten dem breiten Weg entlang des Waldrandes, um den Steingrubenberg herum. Bald schon konnten wir schon wieder Oberrotweil sehen. Das Ende unserer Wanderung war endlich in Sicht.
Oberrotweil ist wieder in Sicht
Nur noch gut 2 km über bequeme Wege wieder hinab und wir waren wieder am Auto - das dankenswerterweise immer noch halb im Schatten stand :-D
Am Ende dieses Weges ist unser Auto :-D
Die Hitze im Kaiserstuhl hatte ich mal wieder völlig unterschätzt. Trotzdem war es eine richtig tolle Tour. Wir haben viel Neues gesehen und über viel bedeutungsvolle Geschichte gestaunt, die wir hier gar nicht erwartet hatten. Unsere Runde hatte ca. 10,5 km und wir hatten 2,5 Stunden reine Gehzeit - wobei wir tatsächlich etwas über 4 Stunden unterwegs waren. Aber die nächste Tour im Kaiserstuhl machen wir erst wieder, wenn es dort unter 20 Grad hat :-D

Und wider aller Befürchtungen, hatte ich nicht eine einzige Zecke am Körper! Wahrscheinlich war es den Biestern dort auch zu heiß :-D

Dienstag, 28. Juli 2020

Wanderung zur Eichelspitze und Katharinenkapelle im Kaiserstuhl

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Am Samstag wollten wir wandern. Also: Wohin? Die Frage war eigentlich schnell geklärt, denn seit Wochen juckt es mich schon, diesen einen Weg zu gehen, den wir im Februar angefangen hatten und dann wegen des Sturms nach nur 3 km abbrechen mussten. Jetzt war diese Tour natürlich im Kaiserstuhl und am Samstag waren dort sehr hohe Temperaturen gemeldet. Aus Erfahrung wissen wir, dass Wanderungen bei Hitze im Kaiserstuhl sehr anstrengend sein können (es gibt kaum Schatten). Daher haben wir den Wecker auf 5 Uhr gestellt.
Kurz nach 5 Uhr am Samstagmorgen

Gegen 8 Uhr sind wir dann die knapp 30 Minuten bis nach Schelingen gefahren. Dort haben wir auf dem kleinen Parkplatz an der Sonnenuhr noch eine Lücke gefunden und los ging's.
Unser Rundweg, Karte von Komoot

Parken in Schelingen

Wir folgten der Beschilderung hinauf auf den Weinberg und weiter Richtung Eichelspitze. Vorbei an Gärten mit tollen Blüten bei noch angenehmen 18 Grad.

Als wir oben in den Reben waren, war der Anblick schon ein ganz anderer als Ende Februar. Alles Grün, die Reben voller Trauben. Richtig toll. Im Februar war es zwar von den Temperaturen her etwas angenehmer, aber da ist halt die Landschaft noch kahl und braun und trostlos.

Und während sich im Schwarzwald und in Freiburg die Insekten dieses Jahr irgendwie rar machen, hatten wir am frühen Samstag Morgen im Kaiserstuhl ein wahres Gewimmel. So viele verschiedene Schmetterlinge auf einem Haufen habe ich dieses Jahr sonst noch nirgendwo gesehen. Streifenwanzen waren allerdings die erste tierische Entdeckung, die wir an diesem Morgen machten.
Nur ein paar hundert Meter den Weinberg hinauf und schon hatte man die erste tolle Aussicht. Es sollte nicht die letzte an diesem Tag gewesen sein. Ein Blick hinab auf das Örtchen Schelingen zwischen den Terrassen des Kaiserstuhls.
An einer Ecke des Weges war ein ganzer Schwarm verschiedener Schmetterlinge zugange. Ablichten ließ sich dort allerings nur das Große Ochsenauge.
Immer höher ging es auf dem asphaltierten Wirtschaftsweg durch die Reben. Selbst so früh am Morgen war es dort in der Sonne schon unheimlich warm und mir lief die Brühe nur so runter.
Letzten Samstag...

...und zum Vergleich am 23.02.2020

Dann lief ich an einer Pflanze vorbei...war da nicht was?....nochmal zurück. Tatsächlich. Weiß auf weiß hockte dort eine veränderliche Krabbenspinne auf der Blüte. Diese Spinne habe ich auch schon in giftgrün und zitronengelb gesehen.

Weiter oben, an einem strohig-trockenen Wiesenweg, flatterten Bläulinge um unsere Beine. Sie steuerten gezielt die wenigen Blüten an, die dort oben auf der Höhe noch nicht verbrannt waren.
Hier auf diesem Höhenweg entschlossen wir uns damals, die Tour aus Sicherheitsgründen abzubrechen. Man konnte damals kaum atmen, so stürmisch war es. Am Samstag ging dort oben kaum ein Lüftchen und die Aussicht war wunderbar.
Blick zum Totenkopf


Hier haben wir im Februar abgebrochen...

...denn so sah es am 23.02.2020 aus!

Der Blick zurück über diese Höhen, den trockenen Wisenweg, hatte irgendwie ein bisschen was von Mondlandschaft - wäre da nicht hinten dran der Blick ins Rheintal. Bis zum Grand Ballon in den französischen Vogesen konnten wir sehen. Gegenüber auf dem Hügel entdeckten wir das Dach unseres zweiten Ziels an diesem Tag - die Katharinenkapelle.
Blick hinüber zum Katharinenberg

Oben, am höchsten Punkt des Wiesenweges begrüßte uns der Baum der Elemente. In dem Wäldchen dahinter kampierten ein paar Leute. Wir glauben nicht, dass es Obdachlose waren, denn die Schuhe, die neben den Hängematten standen, sahen sehr hochwertig und neu aus.
Da die Leute direkt neben dem kleinen Rastplatz schliefen, haben wir uns dort nicht niedergelassen. Wir sind 200 m weiter zu einer anderen Bank gegangen und haben dort kurz gerastet und was getrunken. Auf dem Weg dorthin haben wir Unmengen an Grashüpfern aufgeschreckt. Manche hatten saphirblaue Flügel. Andere hatten feuerrote Flügel.
Nachdem wir was getrunken hatten, ging es durch einen schattigen Wald weiter hinauf bis auf die Eichelspitze.
In dem Wäldchen haben wir sogar einen Pilz entdeckt. Es sollte der einzige auf dieser Tour bleiben. Hier unten ist kein Pilz-Wetter. Zu heiß, zu trocken.

Die Eichelspitze ist mit 521 m die zweithöchste Erhebung im Kaiserstuhl. Wenn man dort oben ankommt, sieht man als erstes die durch eine Lage oberirdischer Granitblöcke nachgebildeten Strukturen einer spätmittelalterlichen Eremiten-Einsiedelei, das sogenannte Bruderhäusle.

Direkt daneben steht der 2006 eröffnete Eichelspitzturm. Er ist 42,5 m hoch. Von der Aussichtsplattform in 28 m Höhe hat man eine viel bessere Aussicht, als von dem kleineren Neunlindenturm auf dem Totenkopf.

Auf den Gedanken, dass man dank Corona ja auch auf dem beengten Aussichtsturm Maske tragen müsste, sind wir natürlich so spontan gar nicht gekommen. Weil wir aber so früh unterwegs waren, hatten wir den Turm ganz für uns alleine. Da hat es niemanden gestört, dass wir keine Masken dabei hatten :-D Hoch bin ich eh alleine - Schatz will seine Höhenangst nicht bezwingen, während ich mit meiner Konfrontationstherapie in den letzten 15 Jahren schon große Fortschritte gemacht habe :-)
Nachdem ich die 127 Stufen hochgestiefelt war - mit nur einer kurzen Panikattacke kurz vor dem Ziel - wurde ich sofort mit einem bombastischen Blick belohnt.
Blick vom Eichelspitzturm Richtung Rheintal u. Vogesen

Hinter dem Rheintal, dort wo die Vogesen beginnen, konnte ich das Chateau du Haut-Koenigsbourg ausmachen. Dort waren wir auch schon zweimal und die alte Burg ist wirklich sehenswert und sehr zu empfehlen.
Blick zur Haut-Koenigsbourg

Schatz wirkte unten auf seiner Bank klein wie eine Ameise. Mit Blick zum Schwarzwald konnte ich den Blauen und den Feldberg ausmachen und unseren Hausberg, den Rosskopf.


Blick Richtung Schwarzwald

Da ich auch den Schlossberg erkannt habe, konnte ich ungefähr ahnen, wo sich Freiburg befindet. Aber mit bloßem Auge ließ es sich an diesem Tag nicht erkennen. Da hing zu viel Dunst im Tal. Auf dem etwas bearbeiteten Bild kann man allerdings ein paar Häuser sehen und, wenn man ganz genau hinschaut, auch den Münsterturm :-)
Freiburg im Dunst

Nachdem ich die Aussicht ausgiebig genossen hatte, bin ich wieder runter. Und weil wir immer noch ganz alleine waren, haben wir auf den Bänken neben dem Bruderhäusle ausgiebig Rast gemacht.
Da wir eine Zeit lang ganz ruhig da saßen und einfach nur die Stille genossen, traute sich ein Buchfink ganz in unsere Nähe und störte sich nicht weiter an unserer Anwesenheit.

Ein Stalagtit aus Baumharz :-)

Zurück zu der Bank, an der wir vorher schon zum Trinken Halt gemacht hatten, ging es über einen anderen Waldweg. Dort konnten wir einige Kaisermäntel beobachten.
Wieder auf dem vertrockneten Wiesenweg angekommen, huschte eine kleine Eidechse vor meinen Füßen herum. Als sie mich bemerkte und sah, dass sie nirgendwo hin flüchten konnte, erstarrte sie zur Salzsäule und rührte sich nicht mehr. Zeit genug, ein Foto zu machen ;-)
Ein Stückchen ging es nun weiter über den Wiesenweg mit tollen Weitsichten über die Rebterrassen bis ins Rheintal und zu den Vogesen.
Dann wechselten wir von der offenen Landschaft wieder in einen Mischwald. Von dort wieder in eine offene Landschaft und schließlich wieder in den Wald vom Katharinenberg.

Auf dem Weg zur Katharinenkapelle kamen uns unheimlich viele Leute entgegen. Familien, Senioren und eine (wahrscheinlich chinesische) Touristengruppe. Letztere war mit Keschern im Naturschutzgebiet unterwegs. Die Sprachbarriere verhinderte, dass wir was sagen konnten.
Oben an der Katharinenkapelle angekommen, hatten wir mit einem Menschenauflauf gerechnet. Immerhin war inzwischen kurz vor Mittag und nach all den Leuten, die uns von dort entgegen kamen, hätte es uns nicht gewundert. Aber wir waren mit zwei Mountainbikern und zwei kleineren Gruppen alleine dort oben.
Unter einer großen Kastanie haben wir nochmal gerastet. Die Kapelle hat - wegen Corona - immer noch geschlossen. Daher war eine Besichtigung nicht möglich. Auch der kleine Kiosk/Imbiss dort oben, ist aktuell nicht - wie sonst um diese Zeit üblich - bewirtschaftet. Das sorgte für den Unmut einiger älterer Herrschaften, die sich scheinbar nur für ein Bierchen und eine Wurst im Brötchen den Berg hinauf begeben hatten. Wir hatten unser Vesper natürlich selbst mitgebracht ;-)
Von der Katharinenkapelle ging es dann durch den Wald wieder hinab. Am Weg fanden wir alle paar Meter historische Grenzsteine.
Der Blick öffnete sich kurz und wir konnten zurück blicken. Dort hinten kamen wir her. Vor dem Wäldchen im linken Bildrand befindet sich der Baum der Elemente und rechts ist die Eichelspitze mit Aussichtsturm.
Wieder wechselten sich offene Landschaften und Waldwege ab. Je näher wir den Terrassen kamen, desto "sandiger" wurde der Untergrund. Es handelte sich allerdings nicht wirklich um Sand, sondern um Löss.
Löss-Hohlweg am Kaiserstuhl


Durch eine Viehweide ging es nun hindurch und wieder hinab Richtung Schelingen. Der Weg, den wir hier eigentlich gehen wollten, existierte allerdings nicht mehr, oder der Einstieg war so versteckt, dass wir ihn übersehen haben. So sind wir weiterhin den Wegweisern des Schwarzwaldvereins gefolgt.
Unten im Tal kamen wir an einem kleinen Bauernhof vorbei, bei dem Strauße auf der Wiese waren. Die hatten wir im Februar schon weiter oben auf der Wiese entdeckt und waren erstaunt, dass Strauße im Kaiserstuhl gehalten werden.
Direkt vor dem Hof auf dem Weg gackerten ein paar Hühner wie wild und rannten dann aufgescheucht rüber zur Scheune. Wir haben zuerste gedacht, sie hätten uns bemerkt und wir hätten sie verschreckt. Aber nicht wir waren die "Erschrecker". Denn als wir um die Biegung kamen, sahen wir den Pfau mit aufgestellten Federn. Der muss die Hühner verjagt haben :-)
Nachdem wir den Hof passiert hatten, wurde der Waldweg wieder zu einem asphaltierten Wirtschaftsweg. In der prallen Sonne hatte sich der Weg bereits ordentlich aufgeheizt, so dass die letzten 1-2 km wirklich anstrengend wurden, da wir nun die Hitze von oben und unten abbekamen.
Auf den letzten paar hundert Metern nach Schelingen, kamen wir an diversen Obstbäumen vorbei. Birnen, Zwetschgen und Äpfel trugen reichlich Früchte.



Direkt am Parkplatz konnte ich dann noch einen letzten Schmetterling in einem Garten ablichten, einen Admiral. Dann haben wir am Auto Fenster und Türen aufgerissen, um die Hitze hinaus zu lassen.
Schwitzend ging es wieder ab nach Hause, wo wir gegen 14:00 Uhr ankamen. Unterwegs waren wir fast 5 Stunden! Die reine Gehzeit betrug allerdings nur gute 3 Stunden. Zurückgelegt haben wir 12 km. Die Tour war echt schön, aber sobald das Thermometer über 20 Grad steigt, wird es für so hitzeempfindliche Menschen wie mich, ziemlich unangenehm im Kaiserstuhl.