Mittwoch, 29. September 2021

Rheinauenweg - Etappe 1/9 - Weil am Rhein bis Bad Bellingen

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Am 25. September haben wir unser neues Projekt gestartet. Unser erster Fernwanderweg! Der Rheinauenweg hat 160 km und führt von Weil am Rhein (schweizer Grenze) bis nach Kehl (bei Strasbourg, Frankreich).

Wir haben uns extra diesen Weg ausgesucht, denn die Etappen sind von Freiburg aus sehr gut mit dem ÖPNV erreichbar. So sind keine Übernachtungen nötig und wir MÜSSEN nicht zwangsweise am nächsten Tag weiter wandern, auch wenn wir vielleicht nicht mehr können sollten. 

Offiziell hat er laut Schwarzwaldverein 7 Etappen. Kein Problem, wenn man wirklich 7 Tage am Stück wandert und übernachtet. Aber da wir nach der Wanderung immer wieder nach Hause fahren werden, habe ich die Etappen anders gestückelt - passend zum ÖPNV Angebot - was gerade oben in der Ortenau mehr als mies ist - und so ergaben sich für uns halt 9 Etappen. Ist ja auch wurscht. Hauptsache, wir kommen am Ende in Kehl an :-D

An diesem Samstag, haben wir die erste Etappe absolviert - 24 km von Weil am Rhein an der schweizer Grenze bis nach Bad Bellingen.
Etappe 1 vom Rheinauenweg, Karte von Komoot
Da die Fahrt von Freiburg bis nach Weil rund 80 Minuten mit der Bahn dauert, sind wir schon um 5:30 Uhr aufgestanden. Denn der liebste Morgenmuffel braucht ja gelegentlich eine Ewigkeit, bis er tatsächlich abmarschbereit ist ;-) Und je früher wir loskommen, desto gemütlicher können wir wandern.
Das Aufstehen fiel uns allerdings beiden schwer nach der langen Arbeitswoche. Aber ich muss sagen, Schatz kam wirklich fix in Wallung, so dass wir sogar einen Zug früher geschafft haben. Um 8:00 Uhr sind wir Zuhause los, denn um 8:20 Uhr fuhr die S-Bahn zum Hauptbahnhof.
Dort haben wir den Regional-Express nach Basel bestiegen und sind am vorletzten Halt, in Weil am Rhein ausgestiegen.
 
In Weil ist der Bahnhof und das Gelände drum herum gerade eine mega Baustelle :-/ Wir hatten ein paar Orientierungsschwierigkeiten. Und wie schon im Netz gelesen ist die Ausschilderung des Wanderweges direkt in Weil ziemlich bescheiden. Eigentlich gar nicht vorhanden.
Über die Friedensbrücke ging es hinüber. Von dort oben ein Blick auf den Umschlagbahnhof vor der Grenze und auf die Skyline von Basel. Ich hatte die Etappen mit Komoot geplant und mich an einer groben Wegbeschreibung eines anderen Wanderers orientiert. Daher sind wir direkt nach der Brücke links einen kleinen Pfad hinunter, unter der Brücke hindurch und wollten dann über einen Schleichweg links hinüber auf den Weiherweg. Blöderweise gab es diesen Schleichweg nicht mehr. Und einfach Querfeldein ging wegen eines Bauzauns und später wegen eines steilen Abhangs auch nicht mehr.
Nun saßen wir auf der auf der Straße Am Umschlagbahnhof quasi fest. Bei bevorstehenden 24 km hatten wir keinen Bock, noch ewig durch die Gegend zu latschen, um den richtigen Weg zu suchen. Ein Blick in die Karte verriet, die Straße Am Umschlagbahnhof verläuft 100 % parallel zum Weiherweg. Also gehen wir die halt vor. Die Wege würden sich ja weiter hinten eh wieder treffen. Spätestens da wären wir richtig. Nun war auf unserer Straße allerdings kein Gehweg oder Radweg, auf dem man als Fußgäger hätte gut und gefahrlos laufen können. Und auf der Straße waren für Autos 70 km/h erlaubt! Uns war schon etwas mulmig und wir waren mehr als froh, dass uns nicht ein einziges Auto begegnet ist. Erst daheim haben wir gesehen, wo wir eigentlich lang gemusst hätten. Knapp daneben ist halt doch vorbei :-D
Blau: unser Weg / Rot: der richtige Weg
Und dann hatten wir diese seltsame Straße geschafft, trafen auf die besagte Kreuzung und fanden das allererste Wegezeichen dieses Fernwanderwegs. Die weiße Raute mit den blauen Wellen sollte uns nun führen.
Die ersten paar hundert Meter dieses Weges hatten es in sich. Ging es erst noch gemütlich über einen Radweg, mussten wir uns kurze Zeit später auf einen halb verwachsenen Pfad seitlich und unterhalb der Bundesstraße begeben. Und dann ging es steil und rutschig bergab!
Unten erwartete uns ein langer, dunkler Tunnel. Reste einer Party oder eines Obdachlosenlagers erwarteten uns dort. Überall Kippen, Müll und leere Bier- und Schnapsflaschen. Keine Lampen im Tunnel, leichter Uringeruch. Nicht sehr einladend. Eher unheimlich! Und am anderen Ende des Tunnels lungerte eine kaum erkennbare Gestalt herum. Uns gefiel das nicht. Daher brachten wir die Unterführung schnellen Schrittes hinter uns. Die Gestalt entpuppte sich als Mann mit Fahrrad. Wieso der da so rum stand, wussten wir nicht. Wir haben gemacht das wir weiter kommen. Wenn man da überfallen würde, würde das keine Sau mitbekommen! Wir haben uns auf dem Stück wirklich nicht wohl gefühlt, obwohl wir zu zweit waren.
 
Bemerkung am Rande: Drei Tage nachdem wir durch diesen unheimlichen, gruseligen Tunnel gegangen sind, brachten sie in den Nachrichten, dass ein paar Stunden vorher (in der Nacht auf Samstag), dort eine junge Frau während einer Rave-Party vergewaltigt wurde. Also doch kein Obdachlosenlager, sondern Dreck und Müll eines Raves - und wir haben uns ganz berechtigt dort unten so extrem unwohl gefühlt! Ich finde es immer noch erschreckend!
Wie dem auch sei, wir ließen diesen gruseligen Tunnel unbeschadet hinter uns und bogen links ins Krebsbachtal ab. Da fühlten wir uns deutlich wohler. Hell, Wald, Bach und sowohl Radfahrer als auch Hunde-Menschen waren hier unterwegs.
Am Ende des Krebsbachtals ging es wieder links nach Haltingen hinein. Dort ging es zuerst einmal durch das Industriegebiet - völlig öde. Und dann über die A5 hinüber. Die A5 wird uns auf dieser ersten Etappe wie ein roter Faden begleiten, denn am Ende werden wir sie öfters gesehen haben als den Rhein. Eigentlich läuft man wohl den Weg von Kehl nach Weil. Aber weil diese Etappe scheinbar am ätzendsten ist, habe ich sie als erste auserkoren ;-) Dann haben wir sie hinter uns. Von der Brücke aus konnten wir das Ende des Staus an der Grenze zur Schweiz sehen. In diesem Stau haben wir auch schon ein paar Mal gestanden. Gut, dass wir nun zufuß unterwegs waren.
Auf der anderen Seite der Autobahn immer noch Industriegebiet. Der Rhein ist schon ganz nahe, aber sehen können wir ihn noch nicht. Vorbei an einer Mauer, die aussieht wie aus Legosteinen gebaut und an tausenden von Containern am Container Terminal des Rheinhafens.
Der Weg führt uns total unromantisch zwischen Gleisen und Straße weiter. Obwohl diese Seite für Fußgänger "reserviert" ist und der Radweg auf der anderen Straßenseite verläuft, müssen wir zig Radfahren ausweichen auf dem schmalen Weg. Wir sind leicht genervt.
 
Aber auch das ist, wenn man so darüber nachdenkt, Teil des Weges. Denn da, wo durch die tulla'sche Begradigung des Rheins und die Besiedlung der Gegend keine Rheinauen mehr zu finden sind, führt der Weg halt durch die "Alternative". Denn gaaaaanz früher, wären hier ja die Rheinauen gewesen...Schön ist dennoch anders. Und dann...endlich!...sind wir am Rhein!
Wir stehen vor einem kleinen Yachthafen. Es ist unheimlich laut, denn ein seltsames Gefährt mit Raupenketten dümpelt im Hafenbecken herum und scheint Dreck oder Schlamm vom Boden aufzusaugen. Es klingt wie ein Trecker auf dem Acker.
Nun geht es stetig nach Norden. Wir sind froh, als wir "den Trecker" hinter uns lassen und es endlich etwas leiser wird. Wir sehen duzende Wasservögel, der Weg wird ruhiger, weniger Leute sind unterwegs. Wir wandern entspannt weiter.
Kurz vor Märkt ist die Stelle, wo sich der Rhein teilt. Rechts bleibt er der Rhein und Bildet die natürliche Grenze zwischen Frankreich und Deutschland. Links wird er zum Grand Canal d'Alsace oder auf Deutsch, dem Rheinseitenkanal.
Hier teilt sich der Kanal vom Rhein ab
Bei Märkt fanden wir dann das Stauwehr, welches 1932 fertiggestellt wurde und heute ein Fuß- und Radweg zur Rheininsel ist. Dadurch ist es automatisch auch ein Grenzübergang, denn die Rheininsel gehört schon zu Frankreich.
 
Direkt neben dem Stauwehr stand ein alter Betonklotz. Auf einer Gedenktafel war zu lesen, dass es sich hierbei um einen 1938 gebauten Bunker handelt. Er war einer von 59 Bauten des "Westwalls" allein im Gebiet um Weil am Rhein. Wie furchtbar muss es damals hier ausgesehen haben!?
Das Stauwehr wurde 1944 von den Briten bombardiert, die Flugzeuge im Gegenzug von den Deutschen abgeschossen. Nur vier Briten überlebten und retteten sich mit einem Schauchboot flussabwärts.
Heute ist das hier ein sehr idyllischer Ort. Es gibt einen kleinen Park. Im Schatten der Bäume laden Bänke zum sitzen und verweilen ein. Und weil es hier so schön - und geschichtsträchtig - ist, fand ich es einen guten Platz, um den im Sommer gefundenen Sauerland-Stone hier auszusetzen, damit andere ihre Freude an ihm haben :-)
Weil wir eh schon 24 km geplant hatten, konnte uns der Grenzübergang nicht locken. Sonst machen wir uns immer gerne einen Spaß daraus, "mal eben ins Nachbarland" zu spazieren. Aber nicht an diesem Samstag. Keine extra Schritte, wenn möglich ;-)
Hinter dem Stauwehr ging es auf einem schönen Weg gemütlich weiter. Immer wieder standen Infotafeln am Wegesrand - aber auch Warnschilder.


Die folgenden 1,5 km ging es herrlich am Rhein entlang. Ich hatte leichtes Urlaubsfeeling, durch den ständigen Blick auf's Wasser und die vielen Vögel. Aber dann, an einem kleinen Rastplatz an der Mündung der Kander in den Rhein, kurz vor Efringen-Kirchen, verließen wir den Weg am Wasser.

Der Wanderweg bog ein Stückchen nach rechts und die folgenden 3 km marschierten wir durch den neu entstandenen Hochwasserrückhalteraum. Mal auf Sand, dann auf Kies aber auch auf den großen Rheinkieseln, auf denen es sich besonders mühsam lief.
Die letzten Aufnahmen vor der Hochwasserzone
Ja, auch der gehört zum Rhein. Aber durch die dichte Vegetation war der Fluss an sich gar nicht mehr zu sehen. Das Bild war geprägt von niedrigen Büschen und Pflanzen, die uns unbekannt waren. In den Büschen noch Reste des letzten Hochwassers - Plastikfetzen wie Fähnchen in den Ästen.
Die verschiedenen Untergründe auf dieser Etappe
In dieser Hochwasserschutz-Zone habe ich so gut wie keine Bilder gemacht. Sie war recht öde anzusehen und das einzige Highlight, ein Grünspecht, wollte sich partout nicht knipsen lassen :-/
Die Isteiner Schwellen
Ich war heilfroh, als wir die Isteiner Schwellen erreichten. Endlich wieder Blick auf den Rhein, etwas Wasserrauschen und Abwechslung für's Auge :-) Außerdem hatten wir inzwischen Hunger. Es war Mittagszeit und das Frühstück schon ewig her. Wir besetzten den letzten freien Picknick-Tisch und ließen es uns gut gehen :-)
Die 2 km von den Isteiner Schwellen flussabwärts waren wunderschön zu laufen. Immer wieder der Blick auf's Wasser und am Himmel die startenden und landenden Flugzeuge vom nahegelegenen EuroAirport.
Es gab viele verschiedene Blüten und Pflanzen, sogar Sanddorn wuchs hier in unglaublichen Mengen. An manchen Stellen war der Rhein so türkis wie das karibische Meer.
Beim Isteiner Klotz führte der Weg dann leider wieder deutlich näher an die Autobahn A5 heran. An einer Stelle hätte man mit nur ein paar Schritten einfach auf die Autobahn laufen können. Kein Zaun, keine Leitplanke. Quasi "freie Fahrt" bis zur Mittelleitplanke. Natürlich haben wir das nicht ausprobiert. Aber mir kamen die Meldungen aus dem Verkehrsfunk in den Sinn, wo oft mal vor Hunden auf der Fahrbahn gewarnt wird. Wenn auf unserem Wanderweg ein Hund ausbüchst, ist er hier sehr schnell auf der Autobahn und eine Verkehrsmeldung wert!
Na, wer möchte mal auf die Autobahn spazieren?
Der Wanderweg führte uns nicht nur wieder näher an die Autobahn, sondern auch durch den nächsten Hochwasserschutz-Bereich. Wir sahen etwas, das aussah wie eine kleine Insel. Mit Schlamm verkrustete Steine, Bäume und ein paar Wasserpfützen. In den sandigen Abschnitten des Weges sahen wir Ansammlungen von Wildbienen, die hier scheinbar den Sand ableckten. Vielleicht gab es dort für sie irgendwelche wichtigen Mineralien? Jedenfalls ein faszinierendes Schauspiel
Bis auf Höhe von Kleinkems wanderten wir durch diesen Rückhalteraum. Immer näher an der Autobahn als am Fluss.
Erst ab Kleinkems führte der Wanderweg wieder näher zum Wasser und in einem Bogen weg von der Autobahn. Die seitlichen Rasenstreifen waren gemäht. Das gemähte Gras als kleiner Wall am Wegesrand aufgetürmt. Und in den Haufen trockenen Grases hunderte von kleinen Schnecken. Sowas hab ich auch noch nie gesehen. Leider fanden wir auch Knochen. Form und Größe lassen auf ein Rehkitz schließen. Ob das beim Mähen passiert ist?
 
An einem kleinen Rastplatz fanden wir Bänke im Schatten. Wir machten nochmal eine kurze Rast und aßen die Reste unseres Vespers.
Auf Höhe von Rheinweiler führte der Rheinauenweg wieder zur Autobahn. Kaum 100 m trennen dort den Fluss von der A5. Das dauernde Brummen und rauschen der Autos auf der Autobahn übertönte das seichte Plätschern des Wassers. Wir waren zum Glück fast am Ziel.
Dann sahen wir rechterhand einen hohen Zaun. Dahinter viele Lastwagen. Der Autobahn-Rastplatz bei Rheinweiler. Das Tor im Zaun stand offen. Wir sahen eine Art Infotafel. Was könnte das sein? Wir nahmen den kleinen Trampelpfad das Ufer hinauf und siehe da: Ein Myriameterstein!
Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich zufuß auf einem Autobahn-Rastplatz war :-D Die LKW-Fahrer in Sichtweite haben uns ziemlich blöde angeglotzt. Unser Ziel kam kurze Zeit später in Sicht. Wir sahen den Kirchturm von Bad Bellingen. Bald haben wir es geschafft.
Kurz vor Bad Bellingen dann eine weitere Gedenktafel an der Wand der Autobahn-Mauer. Bis hier her kamen die überlebenden Flieger 1944, deren Flugzeug beim Stauwehr Märkt abgeschossen wurde. Nachdem sie erst in Gefangenschaft gerieten, wurden sie kurze Zeit später von den Nazis hinterrücks erschossen. Hoffen wir, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Solche Zeiten braucht niemand jemals wieder.
Inzwischen tat mir jeder Schritt weh. Die Sohlen meiner 3 Jahre alten Trekkingschuhe war an den beanspruchten Stellen wohl schon so dünn, dass selbst die Anti-Blasen-Socken nicht mehr halfen. Am rechten Fuß habe ich mir eine richtig fiese Blase gelaufen. Jedes Auftreten fühlte sich an, als würde ich auf einen Nagel treten. Noch knapp 2 km bis zum Bahnhof in Bad Bellingen. Ich biss die Zähne zusammen und lief langsam weiter.
Blick zum Gipfel des Hochblauen
Dann kamen wir endlich zu der Unterführung. Vom Rheinufer aus, führt sie unter der A5 hindurch direkt in den Kurpark von Bad Bellingen. Am Rheinufer noch eine schöne Aussichtsplattform und outdoor Fitness. Richtig nett :-)
Lange aufgehalten haben wir uns aber nicht. Wir unterquerten die Autobahn und fanden uns tatsächlich mitten im Kurpark wieder. Der ist richtig schön und durch die vielen Bäume war das Rauschen der Autobahn bald nicht mehr zu hören.
Wir hätten Lust gehabt, uns jetzt noch in ein schönes Eiscafé zu setzen. Aber mir schmerzte jeder Schritt und ich war nicht gewillt, für die Suche nach einem Eiscafé noch extra Schritte zu machen. Auf dem Weg zum Bahnhof kamen wir nur an einem Restaurant vorbei und an einem Minigolf Platz. Eis am Stiel hatten wir auch noch daheim :-/
Also ging es nur vom Kurpark aus, an der Balinea Therme vorbei in die Oberstadt und dort direkt zum Bahnhof.
Auf den Zug haben wir gut 20 Minuten gewartet. Ich war fertig. Mental vom Lärm der Autobahn, körperlich von der langen Wanderung und vor allem von der Blase, die mich die letzten 3 km so arg drangsaliert hatte. Ich wollte nur noch nach Hause...und der Mann mault mich an, weil wir nicht noch nach einem Eiscafé gesucht haben. Ich hätte ihm eine knallen können! Ehrlich...ich liebe den Mann, aber in dem Moment...
Als wir endlich im Zug saßen, und ich die Beine etwas lang machen konnte, um die Fußsohlen zu entlasten, war ich so froh. Bis mir - kurz vor Freiburg - aufging, dass wir am falschen Ende des Zuges eingestiegen waren. Ich war extra ganz vorne eingestiegen, damit wir näher an der Stadtbahnbrücke und der dort befindlichen Rolltreppe wären. Ich wollte keinen unnötigen Schritt mehr tun! Aber an diesem Samstag kamen wir ja von Süden. Und so saßen wir an dem Ende des Zuges, das am weitesten von der Rolltreppe weg war. :-/

Von der Stadtbahnbrücke konnten wir noch den beginnenden Sonnenuntergang sehen. Als wir endlich daheim waren, machte ich 3 Kreuze. Als ich endlich die Schuhe ausziehen konnte, hätte ich laut jubeln können.

Die Blase wurde gleich nach dem Duschen mit einem Blasenpflaster versorgt. Aber auf Grund ihrer Größe, würde ich damit noch eine ganze Weile "Freude" haben :-(
 
Am Ende hatten wir knapp 24 km aufgezeichnet. Die App bescheinigt eine reine Gehzeit von exakt 5 Stunden. Tatsächlich unterwegs waren wir fast 8 Stunden!

Fazit: Die Etappe war anstrengend und das nicht nur wegen der vielen Kilometer. Vor allem das Dröhnen der viel zu nahen Autobahn war furchtbar. Die öden Abschnitte in den Hochwasserschutz-Zonen und die vielen ätzenden Industriegebiete ganz am Anfang, machten den Wanderweg in großen Abschnitten nicht sonderlich attracktiv. Ja, die Etappe gehört dazu. Aber wir hoffen, die nächsten 8 Etappen werden schöner :-) Aber die gehen wir erst an, wenn mein Fuß wieder in Ordnung ist und ich neue Trekkingschuhe habe :-D Muskelkater hatte ich keinen. Nur 2 Tage lang müde/schwere Beine. Wenn nicht die Blase gewesen wäre (die übrigens auch heute noch ziemlich schmerzt!), hätte ich die Tour ohne nennenswerten Blessuren überstanden, was mich persönlich mega freut :-)

Und auch, dass wir nach jeder Etappe erstmal heim fahren können, um uns zu erholen, scheint eine gute Idee gewesen zu sein. Einfach in Bad Bellingen übernachten, um am nächsten Tag die zweite Etappe zu starten, wäre in meinem Zustand utopisch gewesen.

Donnerstag, 23. September 2021

Seelenwanderung - Auszeittour Nr. 4 (Höchster Baum Deutschlands u. WaldMenschen)

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Am 3. September hatte ich spontan DIESES Buch gekauft, nachdem mir die Straßenbahn vor der Nase weggefahren war.  Beim ersten durchblättern waren wir schon schwer angetan, denn da waren einige Touren dabei, die wir noch gar nicht kannten.
 
Die erste Wanderung aus diesem Buch haben wir schließlich am 12. September gemacht. Eine schöne Halbtagstour ohne große Anfahrt. Perfekt, wenn man morgens ausschlafen will :-)
Unser Rundweg, Karte von Komoot
Auf Grund der Bequemlichkeit sind wir allerdings nicht am vorgegebenen Startpunkt losgelaufen, sondern an der Haltestelle Holbeinstraße, beim Holbein-Pferd. Da lief der Weg eh dran vorbei. Wieso also nicht diese Haltestelle als Start und Ziel nehmen?
Das Holbein-Pferdle ist aktuell ein pinkes Einhorn!
Durch einen Teil des Stadtteils Wiehre haben wir die Runde dann, wie im Buch beschrieben, gestartet. Die vielen alten Villen waren zwar nett anzusehen, aber wir waren froh, als wir das "Urbane" hinter uns lassen konnten.
Lediglich das schmucke Holzhaus am unteren Ende des Berglewegs fanden wir sehr interessant. Leider konnte man dort nicht näher heran, um die vielen Schnitzereien von nahem zu bestaunen.

Der Bergleweg führt als reiner Fußweg recht steil auf den Lorettoberg hinauf. Links findet sich ein Hinweis auf den alten Münstersteinbruch, wo die Sandsteine für das Freiburger Münster unter anderem rausgeschlagen wurden. Durch die vielen Büsche und Bäume sieht man vom Steinbruch heute fast gar nichts mehr.
Blick Richtung Oberwiehre
Oben auf dem Lorettoberg kamen wir direkt zur Lorettokapelle und zum Schloss-Café. Hier war es rappelvoll. Das Café ist immer gut besucht und an der Kapelle fand irgendeine Kunst- und Kultur-Martinee statt.
Lorettokapelle (oben) und Schloss-Café (unten)
Vom Kapellenweg aus hat man immer mal wieder eine bombastische Aussicht ins Rheintal bis um Kaiserstuhl. Die Vogesen wollten sich an diesem Tag leider nicht blicken lassen.
Auch zum Schönberg konnten wir schön sehen. Sogar die kleine Kapelle oberhalb von Merzhausen konnten wir ausmachen. Dort sind wir auch schon vorbei gewandert. Seht ihr sie auch? Diesen ganz kleinen weißen Fleck ziemlich rechts auf halber Höhe? :-)
Blick über Merzhausen zum Schönberg
Wir bogen nach rechts in die Kreuzkopfstraße ein und folgten ihr bis zum Ende. Dort ist ein relativ großer Waldparkplatz, von dem aus man bequem direkt in die Natur des Günterstaler Waldes eintauchen kann.
Dort findet sich dann auch das erste Schild zum höchsten Baum Deutschlands. Dort waren wir schon zwei, drei Mal. Zuletzt im März 2017. Da war die Runde ähnlich, aber doch etwas anders.
Denn dieses Mal haben wir uns nicht an den mit Holztafeln beschilderten Weg zum Baum gehalten. Am Rehbrunnen ging es rechts einen schmalen, steilen Pfad hinauf. Den sind wir gerne gegangen, denn die englisch sprechenden Kinder, die mit Stöcken auf das algige Wasser des Brunnens schlugen, waren furchtbar laut.
Auf dem schmalen Pfad hinauf haben wir gleich zwei "Lehm-Tierchen" an Bäumen entdeckt. Eine lange Schlange und ein glubschäugiges Etwas :-D
Oben stießen wir wieder auf einen breiteren Weg mit einem Gedenkstein. Hier waren wir auch schonmal, kamen aber aus einer anderen Richtung, daher hatten wir den Platz nicht gleich wiedererkannt :-)

Von hier aus ging es noch viel weiter hinauf. Allerdings waren wir inzwischen so hoch oben, dass uns kaum noch andere Wanderer begegneten. Das war wirklich schön für die Seele :-) Herrliche Ruhe hier oben.
Lediglich eine andere Wandersfrau ließ sich blicken, die uns auch rasch überholte. Und ratet was?! Sie hatte auch "unser Buch" dabei und war wohl auf der gleichen Runde unterwegs wie wir :-D
Wir schnauften weiter den Berg hinauf. Das war echt anstrengend, denn hier oben war es durch den nächtlichen Regen recht schwül. Belohnt wurden wir an einer Stelle des Weges mit der wohl tollsten Aussicht auf die Stadt. Sogar den Gibel unserers Hauses konnten wir von hier oben ausmachen!
Martinstor, Schlossbergturm, Schwabentor, Münster u. Herz-Jesu-Kirche mit Stadion
Viel cooler jedoch war, dass wir sogar die ersten zwei Burgen vom Vier-Burgen-Weg mit bloßem Auge als helle Flecken in der Landschaft entdeckten. Zuerst viel uns die Burgruine Landeck bei Emmendingen ins Auge. Dann entdeckten wir auch noch die erste der vier Burgen, die Burg Lichteneck in Hecklingen bei Kenzingen.
Burg Landeck (oben), Burg Lichteneck (unten)

Schon bald verließen wir den ausgeschilderten Wanderweg. Dieser hätte nach Horben hinauf geführt. Wir bogen aber vorher nach links ab und stapften über halb zugewachsene, schmale Pfade wieder bergab.

Weiter unten ging es dann wieder über einen breiten Weg weiter. Dort wurden wir von zwei Reiterinnen im Galopp überholt. Das hat man auch nicht alle Tage. Wir treffen zwar oft Reiter, die sind aber fast immer gemächlich unterwegs :-) Wir hörten die donnernden Hufe schon lange, bevor die Frauen riefen: "Achtung! Wir kommen!"
Zwischen den Bäumen hindurch erhaschten wir einen Blick auf den Kybfelsen. Hier waren wir auch schon oben. Allerdings finde ich immer wieder erstaunlich, wie hoch der Felsen liegt, wenn man ihn von dieser Seite des Tals betrachtet. Durch den Zoom der Kamera war deutlich zu sehen, wie viele Menschen sich da oben tummelten.

Wir verließen nochmal den offiziellen Wanderweg und schlugen uns über einen zugewachsenen Pfad weiter nach unten durch. Heraus kamen wir dann nur ein paar hundert Meter von Deutschlands höchstem Baum entfernt.

Als wir den Baum Namens "Waldtraut vom Mühlwald" erreichten, staunten wir nicht schlecht. Das neue Schild hatten wir ja 2017 schon entdeckt. Damals lag dort aber noch ein als Liege zurechtgeschnitzter Baumstamm vor der Douglasie. Inzwischen wurde dieser durch ein breites Waldsofa ausgetauscht, so dass man jetzt noch viel bequemer im Liegen in die Krone des Baumes blicken kann.
Auf dem Waldsofa machten wir dann auch eine kleine Rast. Viel mitgenommen hatten wir ja nicht. Eine kleine Flasche mit Wasser und einen Müsliriegel. Aber wir waren völlig alleine hier oben - und das an einem sonnigen Sonntag! - sodass wir die Ruhe einfach noch etwas genossen.
Wir gingen los, als ein anderes Wanderpärchen ankam. Sollten die den Platz nun für sich alleine haben :-) Über den offiziell ausgeschilderten Weg ging es hinab Richtung Wonnhalde. Auch hier im Wald liegt viel geschlagenes Holz am Wegesrand. Kaum ein Wald, der die letzten Hitzesommer unbeschadet überstanden hat.

Am Marxenweiher konnten wir an diesem Tag nur ein paar Schnecken am Schilf finden. Der Weiher an sich war so zugewachsen, dass man kaum das Wasser erkennen konnte. Als wir hier im Frühjahr zuletzt waren, haben wir sogar Molche gesichtet.
Auch von diesem Weg wieder ein toller Blick, über Günterstal hinweg, bis zum Kybfelsen. Weiter rechts, hinter den Bäumen wäre dann theoretisch der Schauinsland zu sehen.

Bevor es hinab zur Wonnhalde ging, führte uns das Buch noch über einen schmalen Pfad hinab zu den WaldMenschen.
Uns haben die vielen unterschiedlichen, freundlichen, lustigen und unheimlichen Figuren aus knorrigen alten Holzstämmen sehr gut gefallen.
Wer sich nur für die Figuren interessiert, kann auch mit der Straßenbahn zur Haltestelle Wonnhalde fahren und dann einen kurzen, ca. 10-15 minütigen Spaziergang hier her machen. Der Skulpturenpfad beginnt direkt am Waldhaus.

Wir kamen auf unserem Weg am Waldhaus heraus, ließen es aber schnell hinter uns zurück. Eigentlich sollte der Weg nun an der großen Wiese entlang zu den Schrebergärten führen. Da dieser Weg aber noch länger gesperrt sein wird, wegen der Bauarbeiten am neuen Rückhaltebecken, sind wir der schmalen Straße zu den Gärten gefolgt.
Durch herrlich bunte Schrebergärten ging es nun zurück zum Holbein-Pferd und zum Start unserer Runde. Wir haben sie wirklich sehr genossen. Die Wege wurden selbst an einem sonnigen Sonntag nicht stark frequentiert so dass man wirklich von einer Wanderung für die Seele sprechen konnte.

Für mich war es allerdings auch eine richtig sportliche Veranstaltung, denn bei dem bergauf Teil bin ich schon ordentlich ins Schwitzen gekommen :-) Den kurzen Abschnitt durch das wiehremer Villenviertel hätten wir nicht unbedingt gebraucht. Aber nun gut.

Die Runde hatte knapp 13 km und unsere App hat eine reine Gehzeit von etwas über 3 Stunden aufgezeichnet. Auf jeden Fall empfehlenswert :-)