Donnerstag, 16. Juli 2020

Spontane Runde um den Titisee

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Am Samstag sind wir schon um 5:30 Uhr aufgestanden. Der liebste Morgenmuffel ist bekanntlich ja morgens oft etwas trödelig unterwegs. Da wir aber - das erste Mal seit Corona - mit dem Zug in den Schwarzwald fahren wollten zum wandern, sind wir extra drei Stunden vor Abfahrt aufgestanden!

Die Verbindung hatte ich am Abend vorher schon rausgesucht und gespeichert. Wie befürchtet war Schatz am Samstag früh schneckenmäßig unterwegs. Es war also gut, dass wir zeitig aufgestanden sind.

Er hat gefrühstückt (ich hab Tee getrunken). Dann hab ich den Abwasch erledigt und irgenwann meinte Schatz dann, dass wir langsam los müssten. Ich guck auf die Uhr: Mist! Schon so spät? Also einen Zahn zugelegt und raus zur Straßenbahn - die uns vor der Nase weggefahren ist. Hä? Was soll denn der Sch...?! Ich hatte doch extra die Verbindung am Abend vorher rausgesucht! Die hätten wir doch noch erwischen müssen!

Hektisch hin und her überlegt. Aber selbst, wenn wir jetzt drei Haltestellen die Straßen runter rennen und dort die andere Bahn zum Bahnhof erwischen würden, hätten wir mit der unseren Zug auch nicht mehr erreicht.

Ich war total enttäuscht. All die Planung und dann sowas. Wir sind also mit der nächsten Bahn einfach zum Bahnhof gefahren. Nochmal für ne halbe Stunde nach Hause war uns jetzt auch zu blöd.

In der Straßenbahn linse ich so auf die Haltestellenanzeige und auf die dort befindliche Uhr. Kann das sein?! Ja, tatsächlich. Kein Wunder, dass uns die Bahn vor der Nase weggefahren ist. Wir waren eine Stunde früher unterwegs als geplant! Zuhause ist uns beiden nicht aufgefallen, dass wir erst 7:30 statt 8:30 Uhr hatten :-D Mensch, sind wir blöd!

Aber was nun? Ne Stunde am Bahnhof rumhängen, um dann doch den geplanten Zug zum Schluchsee zu erwischen? Oder einfach den nächsten Zug nehmen, und schonmal bis zum Titisee fahren, und da nur ne halbe Stunde auf den Zug zum Schluchsee warten?

Wir entschieden, erstmal in den nächsten Zug einzusteigen. Der stand schon am Gleis. Und weil er zu so früher Stunde reichlich leer war, hatten wir freie Platzwahl :-)
Das erste Mal seit Corona in der Höllentalbahn

Blick aus dem Zug ins Dreisamtal

Während wir durchs Höllental Richtung Titisee fuhren meinte Schatz, dass wir doch einfach auch in Titisee ne Runde wandern könnten. Dann hätten wir die nochmals 30 Minuten Wartezeit nicht. Ja, wieso eigentlich nicht?
Blick aus dem Zug ins Höllental

Smartphone sei dank hatte er noch während der Fahrt eine 8 km Runde rausgesucht. Statt des Jägersteigs am Schluchsee, haben wir also den Seerundweg in und um den Titisee gemacht :-)
Seerundweg Titisee, Karte von Komoot

Starten tut der am Bahnhof und führt dann die "Einkaufsmeile" zum See hinab. Wir waren ewig nicht in Titisee und waren erstaunt, wie sehr sich rund um den Bahnhof alles geändert hat. Das alte Bahnhofsgebäude ist nämlich nun ein Hotel - samt neuem Anbau!
Der neue Anbau vom Hotel am Bahnhof

Kleiner Park am Bahnhof in Titisee

Die Einkaufsmeile war ein Anblick, den ich noch nie hatte. Es war alles wie ausgestorben. Die Geschäfte hatten zu, kaum ein Mensch unterwegs. Diese Ruhe! So kannte ich Titisee bisher gar nicht. Gut, ich war auch noch nie so früh am Tag dort oben :-D

Unten am See wurden die Tret- und Ruderboote vom Morgentau trocken geputzt. Der See lag still vor uns. Hinter uns stand ein Riesenrad!

Kontakt mit einem "Einheimischen" :-D

Über den schönen Seeuferweg ging es dann Richtung Campingplatz.



Die Kirschen hingen unerreichbar hoch

Zwischendurch hatten wir immer wieder tolle Blicke über den See zum Strand und zum anderen Ufer. Aber je näher wir dem Campingplatz kamen, umso belebter wurde der Waldweg.
junge Haselnüsse




Blick zurück Richtung Einkaufsmeile




Den Campingplatz galt es zu durchqueren. Wir trauten unseren Augen nicht. Der Platz war voll. Richtig VOLL! Zelte, Wohnmobile und Wohnwagen dicht an dicht.
Nee, dass wäre ja gar nichts für mich. So viele Menschen auf einem Haufen, kaum Privatsphäre, Gemeinschaftsduschen und -toiletten und schon so früh am Morgen so ein Geräuschpegel...Auf keinen Fall! Dann lieber in ein Hotel - da hat man wenigstens dicke Wände und sein eigenes Bad - oder in eine Ferienwohnung.

Blick über die dichtgedrängten Wohnwagen

Irgendwo auf dem Campingplatz sind wir falsch abgebogen. Es ging ein gutes Stück den Hang hinauf und dann über einen halb zugewuchterten Wiesenweg weiter. Laut Karte konnten wir so verkehrt nicht sein. Aber ich hatte ja meine Klamotten für den Jägersteig (ohne hohes Gras) gewählt und kam mir mit meinen nackten Beinen im hohen Gras nicht so toll vor. Zecken!
Schatz guckt mal, ob es da hinten weiter geht

Am Ende kletterten wir über einen umgestürzten Baum, hatten wieder einen Waldweg unter den Sohlen und nur 2 kleine Zecken musste ich mir von der Wade wischen. Glück gehabt! Als wir das Ende des Weges erreichten, hielt uns ein rot-weißes Absperrband auf. Während der Weg von oben kommend nicht gesperrt war, war er es von unten. Wahrscheinlich wegen des umgestürzten Baums. Tja, egal. Nun waren wir ihn ja eh schon gegangen :-D

Kurze Kletterpartie

endlich wieder sowas wie ein Weg

Unten hatten wir dann wieder die Straße vor uns, auf der wir eigentlich hätten rauskommen sollen, wenn wir auf dem Campingplatz nicht falsch abgebogen wären :-) Der abenteuerliche Wiesenweg war dann am Ende wohl doch besser als die öde Teerstraße ;-) Denn den Asphalt unter den Füßen sollten wir nun behalten bis wir zurück in Titisee wären.
Auf der Straße ging es dann weiter zum nächtsten Campingplatz. Den streiften wir aber nur am Rande. Auch dieser war gut besucht.
Dann ging es hinauf zur Landstraße. Dort, an einer kleinen Kapelle, haben wir dann Rast gemacht. Für den kleinen Rundweg um den Titisee hatten wir viel zu viel dabei. Aber der Jägersteig wäre halt etwas weiter und anspruchsvoller gewesen. Geschmeckt hat es uns trotzdem :-D

Neben der Kapelle war noch das Museum für alte Landtechnik. Hätte es offen gehabt, wären wir vielleicht mal rein gegangen (Maskenpflicht hin oder her). Aber leider hatte es am Samstag nicht geöffnet.
Über einen breiten Fuß- und Radweg ging es dann wieder in den Ort Titisee hinein. Von da oben haben wir den See leider nicht wirklich sehen können. Dafür war der wilde Blumenstreifen am Wegesrand sehr schön anzusehen und ein paar Insekten haben wir auf den Blüten auch entdeckt.
Fasziniert hat mich ein Falter, den ich zuvor noch nie gesehen hatte. Er hatte V-förmige Flügel, wenn man von der Seite schaute. Später fand ich über Google heraus, dass es sich um den Dickkopffalter handelt. Der ist scheinbar recht verbreitet. Aber bewusst gesehen, habe ich ihn am Wochenende zum ersten Mal.




Auch an der Straße nach Titisee fanden wir ein Tor ins Nichts. Ein wunderschönes, altes schmiedeeisernes Tor mit einer ausgetretenen Treppe davor, halb zugewuchert, oberhalb des Fuß- und Radweges und dahinter: Nichts! Nur Büsche. Wie das Haus zu dem tollen Tor wohl mal ausgesehen hat?

Der öde Rad- und Fußweg

Um wenigstens ein paar Meter Asphalt auszusparen, sind wir kurz nach dem Ortsschild rechts in den Kurpark abgebogen und durch diesen wieder ganz in den Ort gelaufen.

Im Kurpark von Titisee


Blick zum Hochfirst


Als wir wieder auf der Einkaufsmeile ankamen, bot sich schon ein ganz anderes Bild. Die Läden hatten geöffnet und es waren massig Menschen (hauptsächlich Touristen) unterwegs. So kenne ich Titisee :-D

Richtig wohl gefühlt haben wir uns in diesen Massen an Leuten allerdings nicht. Corona spukt halt immer noch im Hinterkopf und Abstand war dort nur schwer einzuhalten.

Eine Fahrt im Riesenrad habe ich mir dennoch nicht entgehen lassen - da war nämlich gerade nichts los. Da Schatz keine Lust hatte, musste ich allerdings allein meine Runden drehen. Die Aussicht war allerdings richtig toll. Von oben bekommt man den Titisee auch nicht alle Tage zu Gesicht :-)

Ausblicke aus der Gondel

Als die Fahrt vorbei war, haben wir uns schnell Richtung Bahnhof aufgemacht. Unterwegs an einem Stand vom Bauernhof, haben wir noch ein leckeres Steinofenbrot gekauft und sind dann mit dem Zug - der um die Mittagszeit Richtung Freiburg auch wie ausgestorben war - wieder gemütlich nach Hause gefahren.
Hier gab's leckeres Steinofenbrot

In der Zeitung las ich am nächsten Tag, dass sich Fahrgäste über die Höllentalbahn beschwert hätten, weil die Züge so überfüllt wären am Wochenende (kein Abstand möglich!). Zu den "unüblichen" Zeiten, zu denen wir am Samstag unterwegs waren, hatten wir dahingehend absolut keine Probleme.

Der Rundweg um den Titisee hat gemütliche 8 km. Wenn man sich nicht - wie wir - verläuft, ist der Rundweg auch kaum anspruchsvoll und gut zu gehen. Eine Stunde und 40 Minuten waren wir (reine Gehzeit!) unterwegs.

Sonntag, 12. Juli 2020

Hochschwarzwälder Hirtenpfad - die Zweite

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Diesen Weg sind wir bereits im September 2019 zum ersten Mal gewandert. Er hat uns damals auf den Hochschwarzwälder Wanderpass aufmerksam gemacht, den Schatz uns ein paar Tage später besorgte. Wir haben damals schon gesagt, dass wir diesen Weg irgendwann mal wieder gehen werden, allein um uns den Stempel für unseren Wanderpass zu besorgen. Letztes Wochenende war es dann soweit.
Der Hochschwarzwälder Hirtenpfad, Karte von Komoot

Während wir letzten Herbst kaum eine Menschenseele auf dem Weg getroffen haben, zeichnete sich dieses Mal bereits am Wanderparkplatz ein Massenansturm ab.
Blick auf Raitenbuch

Wir sind den Weg - wie im Herbst - gegen den Uhrzeigersinn gelaufen, damit wir diesen steilen Berg nicht hinab mussten. Alles in allem hat uns der Hirtenpfad auch im Sommer sehr gut gefallen.


Aber auch letzten Sonntag hatten wir Glück und auf der Weide, über die der Wanderweg führt, waren gerade keine Kühe unterwegs und wir konnten "unbehelligt" passieren :-)



Geflecktes Knabenkraut

Weil allerdings jetzt im Sommer nicht so viele Pilze herumstanden, die bestaunt und geknipst werden wollten, haben wir die Runde satte 30 Minuten schneller geschafft als letztes Jahr im September :-D Verrückt!




Ganz generell kam mir die Tour nicht so anstrengend vor, wie ich sie in Erinnerung hatte. Ja, der steile Berg trieb mir wieder den Schweiß auf die Stirn, aber ich war nicht so erledigt, wie beim ersten Mal. Scheinbar bin ich jetzt fitter als Ende letzten Jahres. Liegt vielleicht daran, dass wir im letzten Hitzesommer kaum wandern konnten. Bisher haben wir ja einen eher normalen Sommer und waren zwischendurch immer wieder unterwegs.


Da wir ja vom letzten Jahr wussten, wie begehrt der tolle Rastplatz oben auf dem Berg ist, haben wir - wohlweißlich - dieses Mal wirklich unsere Rast auf dem "Verschnufer-Bänkli" gemacht, bevor es den steilen Berg hinauf ging.



sahen zwar schon gut aus, waren aber noch sauer

Und was soll ich sagen? Es war genau die richtige Entscheidung, denn der Rastplatz war wieder komplett belegt.
Auf dem Weg fanden wir ein riesiges geflügeltes Insekt. Es sah aus wie eine Mischung aus riesiger Biene und Zikade. Weiß einer von euch, was das für ein Tier ist? Ich hab sowas noch nie gesehen und bin auch online bisher noch nicht fündig geworden.
Was ist das?

In einem Waldstück fanden wir eine Stechmücke, die im Baumharz festklebte. Ich hab noch zu Schatz gesagt, die Stelle müssten wir uns merken. Denn wenn wir nur ein paar Millionen Jahre warten, dann haben wir dort eine Mücke in Bernstein :-D
Man muss genau hinsehen, Mücke auf Baumharz

Unterwegs haben wir - zu meiner Freude - wieder sehr viel Fingerhut gefunden. Sogar weißen!

Die 6-er Gruppe vor uns

Und wir sollten mit unserer Befürchtung recht behalten. Der Weg war ziemlich überlaufen am letzten Wochenende. Wir haben versucht, immer zwischen zwei größeren Gruppen zu bleiben. Aber mit einer 6-köpfigen Gruppe vor uns, die alle Tiere verscheuchte, haben wir kaum Schmetterlinge und Co. zu Gesicht bekommen.


Oben bei den Waldsofas haben wir dann auch den ersehnten Stempel für unseren Wanderpass bekommen. Jetzt haben wir schon drei. Weitere werden folgen :-)


Vom Stempel aus waren es dann auch nur noch 2-3 km bis zurück zum Auto. Am Wegesrand fanden wir ein Schild, dass wir die letzten Wochen schon öfters an Wanderwegen gesehen haben: Weidetiere statt Raubtiere. Ich glaube, dass bezieht sich auf die Rückkehr der Wölfe. Denn inzwischen ist sicher, dass sich ein Wolfsrüde dauerhaft am Schluchsee (nicht weit weg vom Hirtenpfad) angesiedelt hat. Irgendwie kann ich die Bauern verstehen. Sie machen sich sorgen um ihre Weidetiere und wollen nicht, dass diese gerissen werden. Immerhin verdienen sie mit diesen Tieren ihr Geld.
Andererseits war der Wolf vor dem Menschen da. Der Mensch hatte ihn in Deutschland quasi ausgerottet. Jetzt kommt er wieder und der Mensch hat verlernt, mit dem Räuber zu leben und will ihn wieder weg haben. Ich hoffe, man findet eine Lösung für eine Co-Existenz. Ich persönlich fände es nämlich schade, wenn sich die Geschichte wiederholen würde. Vor dem Wolf haben wir keine Angst. So ziemlich alle Ängste, die die Menschen heutzutage vor dem Wolf haben, beruhen auf Ammenmärchen. Klar, er ist ein Raubtier. Er kann dem Menschen gefährlich werden. Wir müssen einfach wieder lernen, mit ihnen zu leben. Und sie vor allem als das sehen, was sie sind. Als Raubtiere - keine Schoßhunde. Ich renne ja auch nicht einfach auf einen Luchs oder einen Hirsch zu, wenn ich einen sehe ;-)

Alpensicht hatten wir auf dem Hirtenpfad leider auch dieses Mal nicht. Obwohl ich mir ja gelegentlich eingebildet habe, ich hätte sie schemenhaft durch den Dunst blitzen sehen. Auf den Fotos, die ich gemacht habe, war allerdings absout gar nichts zu erkennen. Einbildung ist bekanntlich auch eine Bildung :-D


Blick auf Lenzkirch

Wieder am Wanderparkplatz haben wir am Auto erstmal alles aufgerissen, um die Hitze rauszulassen. Denn obwohl es letzten Sonntag hier oben nur 23 Grad warm war - nicht zu vergleichen mit der Hitze in Freiburg! - hatte sich das Auto in der Sonne ordentlich aufgeheizt.
Dieses Mal haben wir für die 8 km 2 Stunden gebraucht. Danach ging es dann wieder durchs Höllental nach Hause.

Als ich im September das erste Mal von diesem Pfad berichtete, wurde mir in den Kommentaren von der lieben Anni der Film "Schwabenkinder" empfohlen, der sich auch mit dem Thema beschäftigt. Diesen Film konnte ich mir zwischenzeitlich tatsächlich auch einmal ansehen. Ein beeindruckendes - und trauriges - Werk über die damaligen Verhältnisse. Ich bin froh, dass den Kindern dieses Schicksal heute erspart bleibt - zumindest hier in Europa.