Nachdem wir am Dienstag in unserem Urlaub abends noch dachten, wir würden uns nie wieder bewegen können, fühlten wir uns nach einer Mütze Schlaf am Mittwoch erstaunlicherweise topfit! Naja, zumindest teilweise. Wir wollten wandern. Unbedingt. Aber bitte mit möglichst wenigen Höhenmetern. Und 18 km müssten es ja auch nicht direkt wieder sein. Etwas kürzer, etwas platter. Das war der Plan. Gar nicht so leicht, wenn man in einem Mittelgebirge wohnt, was flaches zu finden :-D
Nach dem Frühstück konsultierten wir also diverse Quellen und beschlossen, spontan noch eine Runde aus dem Buch "Wandern für die Seele in und um Freiburg" zu machen.
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Unser Rundweg, Karte von Komoot
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Und so fuhren wir am 13. April kurz vor Mittag mit dem Auto kurz entschlossen an den Rhein. Genauer gesagt, nach Kappel-Grafenhausen. Das sind 30 Minuten Fahrt über die A5 und somit nicht sehr weit.
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Parkplatz an der Rheinfähre
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Geparkt haben wir auf dem Parkplatz an der Rheinfähre Rhinau. Da war an diesem Mittwoch fast gar nichts los. Wie es dort am Wochenende aussieht, wissen wir allerdings nicht.
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| Altrhein |
Zu Beginn ging es erstmal ein Stückchen zurück an der Straße entlang, über die wir mit dem Auto gekommen waren. Auf dem Fuß- und Radweg fanden wir eine große Weinbergschnecke.
Und am Wegesrand, kurz vor dem hinteren Rheindamm eine historische Pegelstation. Außerdem fanden wir dort ein Bauwerk, das aussah, wie ein Fluttor.
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Historische Pegelstation
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Ob es sich aber tatsächlich um eines handelt, konnten wir nicht
herausfinden. Würde aber Sinn machen, da die Straße dort den landeinwärtigen
Damm durchbricht. An der Betonwand des Dammes waren auch historische Hochwasserpegel markiert. Unglaublich, wie weit der Fluss ins Landesinnere kam, wo doch der Rhein an dieser Stelle schon fast einen halben Kilometer entfernt war!
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Hochwassermarken am 2. Hochwasserdamm mit Fluttor (?)
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Hinter dem Hochwasserdamm bogen wir rechts ein und folgten dem Damm dann für einen halben Kilometer, wo wir schließlich auf den vorderen Rheindamm - direkt am Fluss - trafen.
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Blüten auf dem Hochwasserdamm
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Unten am Damm entlang ging es knapp 3 Kilometer weit fast schnurgerade. Abwechslung boten die vielen Seitenarme des Altrheins, der hier noch in seinem ursprünglichen Auenwald vor sich hin mäandern darf.
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Kanadagänse auf dem Altrhein
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Das ganze Gebiet dort oben nennt sich
Taubergießen. Das Naturschutzgebiet wurde 1979 gegründet und ist etwa 17 Quadratkilometer groß.
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| Kanadagans |
Kanadagänse waren die ersten Wasservögel, die wir an diesem Tag zu sehen bekamen. Ihr lautes Trompeten hörten wir schon von weitem.
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Blüten entlang des Rheindamms
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Etwa nach der Hälfte der Strecke wechselten wir an einer Stelle vom unteren Weg, der parallel zum Damm verläuft, auf den Weg direkt auf der Dammkrone. Von dort oben bot sich ein ganz anderer Blick. Wir entdeckten sogar einen großen Feldhasen. Leider war er viel zu schnell im Gebüsch verschwunden, als das ich ein Foto hätte machen können.
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Weiter geht es oben auf dem Damm
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Schon bald kam der
Europapark in Sicht. Im Februar hatten wir schonmal Kontakt mit einem Teil des Europaparks. Nämlich als wir
von Waldkirch nach Freiburg wanderten und in Waldkirch an der "Achterbahn-Schmiede" des Europaparkts vorbei liefen.
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Die Silverstar Achterbahn (Europapark) vom Rheindamm aus gesehen
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Von der Krone des Rheindamms aus, hatten wir einen tollen Blick auf die Silverstar Achterbahn, mit der ich auch ein einziges Mal gefahren bin - und nie wieder. Ich fahre zwar gerne Achterbahn, aber die war mir dann doch etwas zu viel :-D Das Kreischen der Leute wurde vom Wind bis zu uns getragen. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie nah der meistbesuchte Freizeitpark im deutschsprachigen Raum, an einem Naturschutzgebiet steht.
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Oben: Silverstar mit Rheindamm / Unten: Blue Fire u. Wodan
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Auch die Blue Fire (meine Liebste) und die Holzachterbahn Wodan (auf die ich es noch nicht geschafft habe), waren von einer anderen Stelle des Rheindamms aus sehr gut zu sehen.
Als wir quasi mittig auf Höhe des Europaparks waren, bogen wir nach rechts in den Auenwald ein und weg vom Gekreische der Vergnügunssüchtigen ;-) Wir waren kaum 100 m in den Auenwald hinein gegangen, da hörte man den riesigen Freizeitpark schon nicht mehr. Unglaublich, wie viele Geräusche die Natur so verschluckt. Nun waren wir mitten im Naturschutzgebiet Taubergießen.
Wir hatten schon um die 6 km zurückgelegt und waren noch nicht lange im Auwald unterwegs, da fanden wir eine Bank an einer Brücke über den Neuen Graben. Weil wir nicht wussten, wann wir wieder so eine herrliche Sitzgelegenheit geboten bekämen, ließen wir uns im Halbschatten nieder.
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Rast am Neuen Graben
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Apfel und Kiwi aus dem Schüsselchen wurden verputzt und wir lauschten dem leisen Plätschern des Wassers und dem Zwitschern der Vögel. Es war soooo toll. Nur ganz gelegentlich, wenn der Wind drehte, hörten wir noch leise das Kreischen von den Achterbahnen.
Nachdem wir genug pausiert hatten, machten wir uns weiter auf unserem Weg durch den Auenwald. Immer wieder überquerten wir Arme des Altrheins. Auf dieser Tour zum Glück immer über Brücken. Wir haben aber vor 3 Jahren
schonmal eine Tour im Taubergießen gemacht, da mussten wir durchs eiskalte Rheinwasser waten :-D Das war ein Spaß...zumindest für mich. Der Liebste fand das damals nicht so dolle.
An einer Stelle war eine Schranke im Wald. Dahinter lag
Rhinau (Frankreich). Rhinau hat ein gemeindefreies Gebiet auf der rechten Seite des Rheins. Somit handelt es sich hier im Taubergießen um ein kleines Stückchen Frankreich mitten in Deutschland :-)
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Wasserläufer am Altrhein
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Weiter ging es einmal quer durch das Naturschutzgebiet und den Auenwald. Es war so wunderschön, wenn das Grün immer wieder durch die natürlichen Gewässer unterbrochen war. So wie hier sah es vor der tulla'schen Begradigung des Rheins überall entlang des Flusses aus. Auf den
ersten Etappen des Rheinauenwegs, die wir bereits gemeistert haben, konnten wir den krassen Unterschied von damals zu heute bereits erleben.
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Brücke am Dornskopf
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An manchen Stellen brodelte die Wasseroberfläche von Wasserläufern. An anderen Stellen waren die Insekten gar nicht zu sehen. Zum Glück war noch keine Mückenzeit!
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Blüten am Wegesrand im Taubergießen
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Die unterschiedlichen Färbungen des Wassers haben mich auch fasziniert.
Manchmal schimmerte es in einem satten Grün, dann war es wieder eher
bläulich oder bräunlich. Einmal sogar fast türkis. Man konnte sich gar
nicht satt sehen.
Nach gut 2 km hatten wir das Naturschutzgebiet einmal in der Breite durchquert und fanden uns direkt am Rhein wieder. Hier ging es dann reichliche 4 km immer gerade aus über den Rheindamm direkt am Fluss.
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verwachsene Reste eine Bunkers aus dem 2. Weltkrieg
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Und obwohl es wie stumpfes geradeaus latschen anmuten mag, gab es doch so einiges zu sehen und zu entdecken. Zum Beispiel diverse, mehrsprachige Warntafeln oder einen halb zugewucherten Rest eines alten Weltkriegsbunkers.
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Rheindamm und Rhein
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Auch der Rheindamm an sich war nicht allzu öde. Mal gab es Bäume beiderseits des Weges, mal nur auf der flussabgewandten Seite. Ein Wechsel aus Licht und Schatten sorgte dafür, dass wir auch die unterschiedlichsten Tiere zu sehen bekamen. Leider war ich nicht schnell genug, um sie alle auf ein Bild zu bannen. Die Eidechsen in der Stadt sind z. B. deutlich weniger scheu und schneller zu entdecken als die, die sich hier am Wegesrand tarnten ;-)
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Rheindamm direkt am Rhein
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Dafür konnte ich ein paar Schwäne ablichten und ein Tagpfauenauge posierte ebenfalls für die Kamera.
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Schutzhütte am Rhein
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Wir passierten eine Schutzhütte, in der wir hätten rasten können. Die war allerdings gerade belegt und wir wollten lieber weiter. Die letzte Rast war noch nicht so lange her. Auch einen
Myriameterstein fand sich hier. So einen hatten wir schon auf einer der Etappen des Rheinauenwegs (auf einem Autobahnrastplatz direkt am Rhein) entdeckt.
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| Myriameterstein |
An einem Wehr konnten wir Kormorane und einen Haubentaucher beobachten. Der Haubentaucher war schwer auf ein Bild zu bekommen. Immer wenn ich ihn gerade im Sucher gefunden hatte, tauchte er schon wieder ab und kam an einer ganz anderen Stelle wieder hoch :-D
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Kormoran und Haubentaucher am Wehr im Rhein
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Kurz bevor der Weg uns gerade aus ans Ende einer dünnen Landzunge geführt hätte, bogen wir nach rechts wieder in den Auenwald ein. Hier ist der Auenwald allerding nur einen knappen Kilometer breit.
Dafür gibt es unzählige Flussarme. Die Landschaft ist so urwüchsig. Stockenten und Graugänse konnten wir sehen, kleine Inseln und dann lagen dort am Ufer plötzlich Stocherkähne. Auf diesen Booten kann man
Rundfahrten im Taubergießen machen und das Naturschutzgebiet mal von der Wasserseite aus erkunden. Irgendwann müssen wir uns zu sowas auch mal anmelden. Das interessiert mich brennend :-)
Wir gelangten an die Stelle, an der wir auf dem Hinweg unten am Damm entlang gelaufen waren. Da wir nun einen knappen Kilometer quasi den gleichen Weg gehen mussten, den wir zu Beginn schon gewandert waren, haben wir uns dieses Mal für den Weg auf dem Damm entschieden, statt wieder unten entlang zu laufen.
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Auf dem Rheindamm
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Kurz vor dem Ende der schmalen Landzunge zu unserer Linken, liefen wir dieses Mal geradeaus weiter und kamen so wieder direkt an den Rhein. Auf einer gegenüberliegenden Wiese konnten wir Störche bei der Futtersuche beobachten und im Wasser schwamm ein größeres Tier. Erst dachten wir, es könnte vielleicht ein Biber gewesen sein. Aber nach etwas Recherche daheim und Bildervergleich war es wohl definitiv kein Biber, sondern ein Nutria.
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Storch, Nutria und ein vergammeltes Boot
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Inzwischen war es so spät, das auch von dem hier angesiedelten Kieswerk/Betonwerk kein Lärm mehr ausging. Das hatten wir nämlich zu Beginn unserer Wanderung noch unangenehm in den Ohren gehabt.
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Kieswerk/Betonwerk im Rhein
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Gänse im Flug und das Ende der schmalen Landzunge
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Als wir das Ende der schmalen Landzunge hinter uns erblickten, konnten wir voraus auch schon die Rheinfähre sehen. In ein paar Minuten wären wir schon wieder am Auto.
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Rheinfähre Rhinau - Kappel-Grafenhausen
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Wir haben noch kurz an der Fähre gestanden und gesehen wie Autos ab- und wieder aufgeladen wurden. Dann sind wir aber zum Parkplatz runter und haben gemacht, dass wir heim kamen. Es war schon nach 18 Uhr und wir hatten nun echt Hunger :-)
Eine Tour ohne Höhenmeter zu wandern, hat an diesem Tag perfekt geklappt. Die mickrigen 20 Höhenmeter resultieren vom Auf- und Abstieg auf den Rheindamm :-D
Deutlich weniger als 18 km zu wandern...hat nicht ganz geklappt. Am Ende hatten wir doch wieder 16 km auf dem Tacho (bzw. in der App aufgezeichnet). Nur 2 km weniger als am Tag zuvor. Und trotzdem noch keine Anzeichen von Muskelkater! Wir waren fast 5 Stunden unterwegs, hatten aber nur 3 Stunden reine Gehzeit. Da sieht man mal, wie oft wir stehen geblieben sind, um einfach nur zu gucken und zu genießen :-D