Mittwoch, 18. September 2019

Der Hochschwarzwälder Hirtenpfad (ein Schwarzwälder Genießerpfad)

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Am Samstag sind wir um 7 Uhr aufgestanden und nach einem leckeren Frühstück mit dem Auto in den Schwarzwald gefahren. Nach einer knappen Stunde erreichten wir Raitenbuch, eine kleine Bauernsiedlung zwischen dem Windgfällweiher und Lenzkirch.
Der Hirtenpfad, Karte von Komoot
Dort ist ein Wanderparkplatz hinter einer kleinen Kapelle und der Einstieg in den Hochschwarzwälder Hirtenpfad, der uns von unserer Nachbarin Frau K empfohlen wurde :-)
Wanderparkplatz an der Raitenbucher Höhe
Der Hirtenpfad ist einer der Schwarzwälder Genießerpfade und wie alle Genießerpfade, die wir bisher gewandert sind, super ausgeschildert. Direkt hinter dem Wanderparkplatz geht es rechts auf einen schmalen Pfad und leicht hinab.



Infotafeln am Wegesrand erzählen die Geschichte der Hirtenkinder, die auch hier im Hochschwarzwald jahrhundertelang die Viehherden gehütet haben.


Als Hirtenbuben kamen überwiegend Jungen auf die Schwarzwaldhöfe, weil ihre eigenen, kinderreichen Familien froh um jedes Maul weniger waren, was sie stopfen mussten. Sie waren 7 bis 14 Jahre alt und arbeiteten und lernten 12 bis 15 Stunden täglich, fern ihrer Familie. Heute unvorstellbar!
Fliegenpilz

Bei Wind und Wetter waren sie unterwegs, meist barfuß. Gewärmt wurden die kalten Füße im frisch hinterlassenen Kuhfladen. Kindheiten, von Entbehrungen und harter Arbeit geprägt, wie wir sie - zumindest in Europa - nicht mehr erleben müssen.

Das bäuerliche Leben auf dem „hohen Wald“ vor 1960 war bescheiden und hart und noch kein Ort, „wo andere Urlaub machen“.

Erst mit dem Einzug des Elektrozaunes und einem veränderten Bewusstsein in Deutschland für die Bedeutung von Kindheit, hörte diese Form der Kinderarbeit hier um 1965 auf.

Der Hochschwarzwälder Hirtenpfad folgt den Pfaden der Hirtenbuben entlang der Hochweiden und die Erzählungen ehemaliger Hirtenjungen hinterlassen unterwegs ihre Spur (über die vielen Infotafeln).

Der Hirtenpfad verläuft überwiegend auf schmalen Pfaden, was uns wirklich gut gefallen hat :-) Gerade im ersten Abschnitt fanden wir ziemlich viele Pilze, von orange-gelben Korallen über Fliegenpilze bis hin zu tellergroßen Schirmpilzen. Viele Heidelbeersträucher am Wegesrand und dicke Wurzeln auf dem Weg gaben dem Pfad einen richtig urigen Charakter.
Warnschild am Eingang zur Viehweide

Wanderweg quer über die Viehweide

Weiter führt der Weg über eine Viehweide. Unten im Tal hörten wir die Kuhglocken läuten (die definitiv nicht vom Band kamen).  Hier oben auf der Weide waren allerdings keine Kühe mehr anwesend und das Warnschild am Eingang zur Weide konnte ignoriert werden ;-) Das hatten wir vor einigen Jahren auf einer Tour schon anders, als die Kuhherde direkt vor dem Schlupf im Zaun lag und wir da durch mussten :-)
Riesige Schirmpilze


Goldgelbe Koralle

Sacht aber stetig führte uns der Pfad hinab ins Tal. Über Wiesen und am Waldrand entlang. Nur ein paar Meter geht es über einen asphaltierten Weg, der zu einem Hof führt. Am Wegesrand liegen Kühe in der Sonne.



Dann geht es allmählich wieder hinauf. Erst leicht, aber wir kommen schon ordentlich ins Schwitzen. Wir erreichen die Landstraße, die von Raitenbuch nach Lenzkirch führt. Diese müssen wir überqueren. Kein Problem, da dort kaum Autos entlang fahren.
Da wo das Haus steht, ist die Landstraße

Auf der anderen Straßenseite finden wir die "Verschauf-Bank". Trotz wenig Verkehr möchten wir allerdings nicht direkt an der Straße in der Sonne sitzen. Aber die Bank ist dort nicht ohne Grund platziert, denn von dort aus geht es ein ganzes Stück sehr steil in Serpentinen hinauf.
Hätten wir mal...




Auf dem Foto wirkt der Weg nicht wie eine senkrechte Wand, aber so kam er uns vor Ort vor :-/
Der Wald ist hier sehr licht und ich bin froh, dass wir nicht andersherum gewandert sind. Ob ich hier - mit freier Sicht nach ganz unten - hätte hinab wandern können, ist eher fraglich. Jedenfalls sind wir froh, das wir hier hinauf müssen, auch wenn es sehr schweißtreibend ist, und nur den Weg vor der Nase haben :-)
Fast am ersehnten Picknickplatz

Eine einsame Digitalisblüte
In der Wanderkarte hatten wir einen schönen Picknickplatz entdeckt, der ganz oben sein sollte. Da wollten wir hin. Er liegt ungefähr auf halber Strecke und sollte für unsere Rast herhalten. Das wäre nach dem steilen Aufstieg genau das Richtige gewesen.

Oben angekommen freuten wir uns also sehr auf eine Pause - und sämtliche Bänke waren bereits belegt! Es ist ein toller Rastplatz, mit Bänken und Tischen im Schatten der Bäume. Die Horde Rentner war allerdings vor uns da und die sahen auch nicht so aus, als würden sie dort so schnell wieder aufbrechen. Schade! Wir hatten bis hierher nur eine Menschenseele unterwegs getroffen und waren entsprechend perplex, hier jetzt so viele andere Wanderer anzutreffen. Damit hatten wir wahrlich nicht gerechnet :-)

Also wanderten wir weiter. Denn es gibt alle 1-2 km eine Bank am Wegesrand - leider nur sehr wenige im Schatten.
noch mehr Fliegenpilze

Allerdings fanden wir bald eine schöne Sitzgelegenheit im Schatten - nachdem die nächste Bank in der prallen Sonne auch belegt war. Zwar keine Bank, aber schöne Baumstämme. Und am Baum hinter uns hing eine Outdoor-Bar :-) Angeboten wurde allerdings nur ein Pflaumenschnaps. Den haben wir links liegen gelassen. Aber ins Wanderbuch haben wir uns gerne eingetragen.
Unser schattiger Rastplatz

Das Schnaps-Kästle am Wegesrand :-D


Von dort oben soll man bei klarem Wetter Sicht bis zu den Alpen haben. Dafür hat es am Samstag leider nicht gereicht. Aber die Aussicht war trotzdem super :-)

Nur 100 m weiter fanden wir dann noch zwei Waldsofas mit Blick ins Tal. Und die Kapelle, hinter der unser Auto stand, war auch schon wieder in Sicht.

Nun ging es immer schön am Waldrand entlang, über teils sandige Pfade. Das Ziel hatten wir ja links unten schon die ganze Zeit im Blick. Umso blöder fand ich es, als es dann kurz vor dem Abstieg nochmal ordentlich bergauf ging. Aber nach der fiesen Steigung ging es dann endlich hinab zur Landstraße, die wir an der Kapelle erneut überquerten.
Hier könnte man die Alpen sehen

Blick auf Lenzkirch
Da unten ist die Tour so gut wie beendet :-)
Einen Blick in die Kapelle konnten wir leider nicht werfen. Die Tür war verschlossen und durch das Fenster sah man nur ein Stückchen weiße Wand, etwas Boden und das gegenüberliegende Fenster. Schade.

Wer hat denn da die 1 hingeklebt? Es sind nämlich nur 3 km bis Altglashütten :-D

Und dann waren wir nach 8 km und 2,5 Stunden reiner Gehzeit (3,5 Stunden insgesamt) wieder am Auto. Eine Stunde hätte uns die Heimfahrt gekostet. Eine Stunde dauerte es auch bis zum nächsten Ziel, das wir spontan unten im Rheintal anfuhren...

Samstag, 24. August 2019

Sauerland-Urlaub 2019 - Tag 9 (Kleinbahnwanderweg, Etappe 2)

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Nachdem wir den kaputten Zeh nun mehrere Tage gepflegt und geschont hatten, entschied Schatz, dass es Zeit wäre, nun doch die 2. Etappe vom Kleinbahnwanderweg Medebach-Steinhelle zu begehen.

Mit der gekauften 4er Karte, auf der noch 2 Fahrten drauf waren, ging es nach Küstelberg, wo wir Etappe 1 beendeten.
Da unsere Wanderkarten alle spätestens in Niedersfeld geendet hätten und der Weg bis Küstelberg ja so super ausgeschildert war, haben wir vertrauensvoll die Wanderkarten daheim gelassen.
Aber schon in Küstelberg war es gar nicht so leicht, den richtigen weiteren Weg zu finden. Denn von dort, wo wir kamen führte der Weg über den Alten Pferdemarkt. Weitere Wegezeichen fanden wir aber erst in der Straße Zum Hufeisen.
Dort waren wir scheinbar richtig, denn es folgten weitere Wegezeichen. Wieso dann nicht vorher schonmal ein Wegweiser dort hin zeigte, sondern in die darüber liegende Straße, ist uns ein Rätsel.

Vom Hufeisen ging es gleich auf einem Feldweg weiter. Ein ganzes Stück, immer geradeaus.
Am Wegesrand schöne Blüten, Kühe, Landschaft und sogar wilden Hopfen haben wir gesehen.



Dann kam eine Wegekreuzung und der Wegweiser zeigte geradeaus. Ein kurzer Blick in die online Wanderkarte der Wander-App verriet: Geradeaus endet der Weg in einer Weide. Da wir nicht zurück wollten, denn da kamen wir ja her, blieb nur noch links abbiegen. Nach gut 200 m dann wieder ein Wanderzeichen. Wir sind richtig.
Über weitere Feld- und Wiesenwege ging es immer schön Richtung Hildfeld, das auch schon bald am Horizont auftauchte.

Blick auf Hildfeld
Kurz vor Hildfeld waren plötzlich unsere Wegweiser verschwunden. Kein einziger war mehr zu finden. Aber da es keine Möglichkeit gab, das wir hätten irgendwo abbiegen können, waren wir wohl noch richtig.
Dann wieder eine Wegkreuzung. Wo geht's lang? Die online Wanderkarte war nicht hilfreich, weil da ja die einzelnen Wege nicht benannt sind. Rechts den schmalen "Dorfpfad" oder gerade aus den breiten Waldweg weiter? Kein Kleinbahnschild weit und breit. Getreu dem Motto, wenn nichts weiter da steht, geht's geradeaus weiter (hat ja bisher immer funktioniert!) liefen wir den breiten Weg weiter.
Da hinten bei dem Haus hätten wir rauskommen sollen
Und waren promt falsch. Wir kamen gut 100 m zu früh unten an der Straße heraus und mussten so in dieser gefährlichen Kurve an der Straße lang wandern, bis wir wieder auf einen für Wanderer geeigneten Weg stießen. Das war sehr unschön. Also, solltet ihr den Weg mal gehen: Auf jeden Fall rechts hinab dem Dorfpfad folgen ;-)

Beim ehem. Bahnhof Grönebach-Hildfeld dann auch wieder unsere Wegweiser und ein paar Infos zur alten Kleinbahnstrecke.
Links der Straße ging es über einen schmalen Weg weiter bis zum Hillebachsee bei Niedersfeld.

Dort konnten wir einem Wasserski-Fan beim "surfen" zusehen. Der war echt gut und hat sich lange auf dem Brett gehalten.

In Niedersfeld war die Beschilderung dann auch wieder recht gut. Aber da geht es halt die ganze Zeit entlang der Hauptstraße entlang und vorbei an der alten Posthalterei, wo in früher Vorzeit mal die Postkutschen hielten.




Hinter Niedersfeld geht es auf einem Radweg weiter. An der Vogelstange haben wir kurz Pause gemacht und sind dann weiter gewandert.
Wir hatten die Ruhr immer zur Rechten. Hier steckt sie noch in den Kinderschuhen und ist flach und schmal. Kein Vergleich zu dem riesigen Fluss, den man im Ruhrgebiet kennt.

Der Ruhrtalradweg - der auch der Kleinbahnwanderweg ist - scheint ein Paradies für Schmetterlinge zu sein. Jedenfalls haben wir so einige der bunten Flattermänner vor die Linse bekommen.

Einmal mussten wir die B480 überqueren und ab jetzt hatten wir bis zum Ende fast nur noch Asphalt unter den Füßen. Der Radweg führt parallel zur Bundesstraße erstmal nach Wiemeringhausen hinein.

Dort findet sich auch heute noch der ehem. Güterbahnhof der Kleinbahn Medebach-Steinhelle.

Bald schon lassen wir das Dörfchen Wiemeringhausen hinter uns. Sehr lange laufen wir nicht, bis wir schon den nächsten Ort in der Ferne ausmachen können. Assinghausen voraus!

Assinghausen ist das "Rosendorf". Viele Rosen haben wir allerdings nicht gesehen. Vielleicht haben sie die lange Hitze nicht gut verkraftet. Nur hier und da blüht es.
Der Weg führt uns am Grimme-Denkmal vorbei. Der Herr Grimme ist ein sauerländer Dichter und wurde 1827 hier in Assinghausen geboren.



Wir kommen an vielen Fachwerkhäuschen vorbei und finden einen alten Eiskeller, in dem früher das Bier kalt gehalten wurde.


Hinter Assinghausen ging es dann wieder auf den Ruhrtalradweg, der uns bis zur Steinhelle brachte. Weitere Kühe und Schafe am Wegesrand. Es ging zum Glück auf der schattigen Seite vom Berg weiter, denn inzwischen war es sogar hier ordentlich warm geworden.



Blick zurück ins Ruhrtal
Kurz vor der Steinhelle fanden wir die Heimat der Gummibärenbande. Und ich dachte immer, die wohnen unter einem großen Baum ;-D

Dann, ganz sang und klanglos, eine große Infotafel wie wir sie schon am Anfang in Medebach entdeckten. Hier ist das Ende des Kleinbahn-Wanderwegs.

Das fanden wir etwas enttäuschend. So mitten im Nichts, direkt an der Landstraße. Es ging nichtmal bis zum ehem. Bahnhof Steinhelle weiter. Echt doof. Aber was will man machen.
ehem. Bahnhof Steinhelle von oben gesehen
Da wir von dort auch nicht wieder weg kamen, blieb uns nichts anderes übrig, als noch an den Bahngleisen entlang bis nach Olsberg rein zu laufen. Also auf, denn langsam wurden die Beine schwer.

Unter der neuen Umgehungsstraße hindurch ging es zum kleinen Stausee am Ortseingang von Olsberg.
Der war total versifft mit Algen, sah gar nicht schön aus. Aber die vielen Wasservögel schien es zu gefallen :-)

Um den See herum ging es an die Straße. Der Bus war gerade weg und an der Haltestelle gab es keine Sitzmöglichkeit. Außerdem war dort pralle Sonne. Das war doof.

So wanderten wir noch ein Stückchen weiter, an diversen Kneipp-Figuren vorbei bis in die Ruhrstraße. Dort war eine weitere Haltestelle und eine Eisdiele.
Mit einem leckeren Eis vertrieben wir uns die Wartezeit auf den nächsten Bus, mit dem es dann zurück nach Medebach ging.

Am Ende des Tages hatten wir fast 22 km erwandert und dafür inkl. Pausen fast 6 Stunden gebraucht. Zuhause hatte Papa uns Essen vom örtlichen Metzger besorgt, das wir uns nur noch schnell warm machen mussten :-) Lecker war's - auch wenn ich vorab irgendwie überlesen hatte, dass da "grüne Pupsbällchen" dabei waren.
Schatz' Zeh hat die Wanderung auch recht gut überstanden. Trotzdem bleibt es die letzte in diesem Urlaub. Die nächsten Tage wird noch Fußschonung betrieben.