Dienstag, 10. November 2020

Der Belchensteig (ein Schwarzwälder Genießerpfad)

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Wir hatten im Oktober eine Woche Urlaub. Schatz hatte Geburtstag. Wir haben eine Pandemie. Geburtstagsfeier fiel also flach. Das Geburtstagskind wünschte eine Wanderung statt Geburtstagsfeier. Sehr gerne :-) Da bin ich dabei. Aber wohin? Es sollte schönes Wetter geben - aber nicht überall. Unsere Wunschliste ist inzwischen ellenlang. Also verglichen wir die möglichen Wanderorte mit der Wetter App. Am Ende entschieden wir uns für einen weiteren der über 50 Schwarzwälder Genießerpfade: den Belchensteig.

Der Belchensteig wurde zum schönsten Wanderweg Deutschlands 2020 gewählt. Kein Wunder, dass wir in den letzten Monaten immer wieder hörten, wie überfüllt es da oben zugehen sollte. Wege mit dem Wort "Steig" im Namen genieße ich immer mit Vorsicht. Dort mal am Wochenende - wenn alle Zeit haben - zu wandern und möglicherweise die schmalen Pfade zu blockieren kam daher bisher nie in Frage.

Aber jetzt hatten wir ja Urlaub und die Gelegenheit, außerhalb der Ferien mal unter der Woche dort vorbei zu gucken. Schön blöd, wer das nicht ausnutzt. Also, klingelte uns der Wecker um 6:15 Uhr aus dem Bett. Während wir beim Frühstück saßen, ging langsam die Sonne auf.
Im Internet hatte ich schon gesehen (allerdings nur kurz), dass eine Strecke zum Belchen rauf gerade wegen Straßensanierung gesperrt ist. Die andere Route sollte aber auch nur eine Stunde Fahrzeit verschlingen. Alles klar. Navi programmiert. Das ist ja erst die Tage geupdatet worden. Die Baustelle ist dort schon über ein Jahr. Passt. Dachte ich!
 
Unsere Niffi lotste uns zielstrebig direkt zur gesperrten Straße. Wozu mache ich denn Updates, wenn eine seit einem Jahr gesperrte Straße dann trotzdem noch im Navi auftaucht?! Ich war stinkig. Wir folgten der Umleitung und Niffi rechnete los und meldete dann eine gefühlte viertel Stunde "Bitte wenden!" Irgendwann war ich so genervt von der Trulla, dass ich sie ausschaltete und einfach stur weiter der Umleitung folgte. Irgendwann landeten wir in Münstertal. Dort gab es dann die nächste Umleitung. Wir folgten. Münstertal liegt direkt unterhalb vom Belchen. Wir mussten also ganz in der Nähe sein. Am Ende von Münstertal dann ein niegelnagelneuer Kreisverkehr. Kein Umleitungsschild mehr. Ja, und nun? Wo geht es weiter? Ich stellte Niffi wieder an. Sie zeigte uns den Weg durch ein Wohngebiet und lotste uns promt in die nächste Sperrung. 
 
Jetzt reichte es aber! Niffi wurde wieder abgestellt. Die blöde Bitch! Kriegt regelmäßige Updates und kennt sich trotzdem nicht aus?! Das darf doch wohl nicht wahr sein. Der Belchen wollte uns nicht haben. Ich war kurz vorm heulen. Wir waren schon etwas über eine Stunde unterwegs und noch immer unten im Tal, obwohl wir schon längst hätten los wandern sollen.
 
Ich maulte Schatz an, er solle doch mal die Google Else am Smartphone anstellen. Die hatte mir zumindest auf den ersten Blick am PC die gesperrte Straße angezeigt und umfahren. Vielleicht ist Else ja schlauer als Niffi. Schatz zückte also das Smartphone, befragte die Google Else und die berechnete uns eine Route ohne Sperrungen bis zum gewünschten Wanderparkplatz am Wiedener Eck. Fahrzeit von unserem derzeitigen Standort: 55 Minuten! Meine Laune war im Keller...ich wäre am liebsten umgedreht und heim gefahren. 
 
Aber die Google Else führte uns zielstrebig immer weiter hinauf. Nur noch eine Abbiegung und wir hätten das Ziel endlich erreicht. Und dann bogen wir, wie gewünscht links ab und standen vor einem Schild das besagte, dass wir den Wanderparkplatz über diese Straße aber nicht erreichen würden. Straßenbauarbeiten! BITTE?! Jetzt hätte ich am liebsten irgendwas kurz und klein geschlagen. 
 
War da nicht noch ein Umleitungsschild zur Belchenbahn? Da läuft der Wanderweg doch direkt dran vorbei. Parken wir halt dort und laufen von dort los. Also folgten wir mal wieder einer Umleitung. Nach einigen Kurven stand da plötzlich auf der rechten Seite das Hotel am Wiedener Eck. Wiedener Eck? Da wollten wir doch hin!
 
Nach 2 Stunden und 15 Minuten waren wir endlich angekommen! Ich hätte vor Freude gleich wieder losheulen können...wenn ich nicht gesehen hätte, dass nun der Wanderparkplatz komplett voll gewesen ist. Nein!!! Dann entdeckten wir weiter oben an der Straße noch einen weiteren Parkplatz. Der gehört zu einem kleinen Skigebiet. Da stellten wir uns einfach zu den paar weiteren Autos. ENDLICH!
Der Belchensteig, Karte von Komoot
 
Nachdem ich, halb im Kofferraum sitzend, die Wanderstiefel angezogen hatte (mit denen kann ich nicht Auto fahren!), genossen wir die bombastische Aussicht vom Parkplatz und liefen dann die knapp 100 m zum Wiedener Eck hinab und begannen dort endlich unsere Wanderung :-D Was lange währt...
Aussicht vom Parkplatz

Blöde Umleitungen!

Start und Ziel des Belchensteigs ist das Wiedener Eck Tor vom berühmten Westweg. Von hier aus ging es links herum hinauf Richtung Belchen.

Der Weg begann schön und mit nur mäßiger Steigung. Wir wanderten überhalb unseres geparkten Autos vorbei.
Die Aussicht war jetzt schon klasse, dabei waren wir gerade erst los gelaufen. Auch auf dem weiteren Weg war der Anstieg gar nicht so schlimm, wie ich erwartet hatte. Sollte ich mich geirrt haben und der BelchenSTEIG gar nicht sooo schlimm sein?


Nicht falsch verstehen. Es ging schon ordentlich hinauf. Aber es war nicht schlimmer, als wenn wir bei uns daheim auf unseren Hausberg wandern. Das haben wir schon zig Mal gemacht. Kein Problem. Ich war freudiger Dinge, dass nach der katastrophalen Anfahrt jetzt wenigestens eine richtig "gemütliche" Wanderung vor mir läge. Der Weg jedenfalls wurde mit jedem zurückgelegten Kilometer schöner.


Einen "Landschafts-Rahmen" haben wir gesehen, kurz bevor es wieder in den Wald ging. Ab hier wurde der Weg dann etwas uriger mit großen Steinen und Wurzeln. Aber er ließ sich immer noch hervorragend wandern und auch die Steigung war nur moderat.
Hier und da entdeckten wir ein paar Pilze. Nur die Sonne ließ sich nicht - wie angekündigt - dauerhaft blicken. Die Wolken gewannen den Kampf am Himmel. Schön war es trotzdem.
Wir näherten uns einem Hof und die "Landluft" wurde immer intensiver. Irgendwann brannte es richtig in der Nase, als würde man mitten im Kuhstall stehen. Nach einer Weile ging mir dann auf, dass die Schatten da oben am Hang, gar keine Schatten waren. Es war frisch verteilte Gülle. Kein Wunder, dass die "Landluft" hier besonders stark war :-D


Als wir an dem Hof vorbei waren, wurde es etwas besser. Über einen schmalen Pfad mit einer "alpinen" Treppe ging es weiter hinauf und dann auf einem breiten Waldweg weiter hinauf.
Dort oben entdeckten wir einen gigantischen Regenwurm. So ein großes Expemplar habe ich wahrlich noch nie gesehen. Wir waren schwer beeindruckt.

Und dann kam plötzlich nach einer Biegung das Hotel an der Belchenbahn in Sicht. Echt? Schon so weit gewandert? Bis hier her war der Weg echt super zu wandern und nur ein bisschen anstrengend. Bevor es die letzten 2-3 km zum Gipfel hinauf ging, haben wir nahe der Talstation unsere erste Rast eingelegt.
Belchenbahn Talstation
 
Über uns gondelten die Tagesgäste hinauf, wir hatten eine schöne Bank unter einer Tanne ergattert. Schatz bekam Geburtstagskuchen in Form eines Mini-Rührkuchens (gekauft, nicht selbst gebacken). Wir ließen es uns gut gehen.

Der Parkplatz der Talstation war total voll. Das hatten wir außerhalb der Ferien und mitten in der Woche nicht erwartet. Von oben kamen zahlreiche Wanderer hinab. Hoffentlich würden die restlichen Wege nicht zu voll werden. Denn bis hier her hielten sich die Begegnungen mit anderen Wanderern doch gut in Grenzen. Wir waren zwar nicht alleine unterwegs, aber eine wahre Völkerwanderung erlebten wir auch nicht :-)
Über einen Wiesenweg ging es dann weiter hinauf Richtung Gipfel.  Und obwohl die Wege breit und weich waren, kam ich ziemlich schnell an die Grenzen meiner körperlichen Belastbarkeit. Die unteren 1,5 km des Weges waren mörderisch steil.
Ich nutzte jeden Fitzel am Wegesrand zum fotographieren - die beste Ausrede ever, um mal kurz stehen zu bleiben ;-)
Sind wir schon da?! Keuch...
 
Die nächsten 1,5 km waren dann auch steil, aber nicht sooooo steil, wie unten ab der Talstation. Es ging mir schnell besser. Auch wenn Schatz mir immer noch davon wanderte.


Wir querten die Belchenbahn mehrfach auf den Serpentinen und fanden hier und da auch schöne Pilze und tolle Aussichten.
Und dann lugte plötzlich hinter einer Tanne die Bergstation hervor. Juchuuuu!!!! Gleich sind wir oben!
Das beflügelte mich sehr und ich legte einen Zahn zu. Dass ich Schatz überholte lag aber nur daran, dass er zum knipsen irgendwo stehengeblieben war :-D
Und dann waren wir nur noch hundert Meter von der Bergstation entfernt. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie sehr ich mich gefreut habe. Nach der verkorksten Anfahrt und der zum Schluss doch fast mörderischen Steigung endlich oben! Zu fuß! Aus eigener Kraft. Ich war stolz wie Bolle :-)
Belchenbahn Bergstation

Oben nochmal ein Landschaftsrahmen und eine geniale Aussicht. Und erschreckend viele Leute! Dann traf mich plötzlich die Erkenntnis, dass wir ja immer noch nicht ganz oben waren. Bis zum Gipfel waren es von hier nochmal ein halber Kilometer. Aber den packe ich jetzt auch noch. Basta! Jetzt bin ich so weit gekommen, da sind die letzten 500 m doch ein Witz. Haha!

Der Spazierweg zum Gipfel ist touristisch breit und mit feinem und festem Kies bereitet. Es geht zwar hoch, aber der Aufstieg zum Gipfel ist ab der Bergstation auch für völlig unsportliche Menschen gut zu schaffen, denke ich :-)
Alpensicht

Blick über den Süd-Schwarzwald
 
Oben auf dem Gipfel hatten wir dann unverstellte 360 Grad Rundumsicht über den Schwarzwald, ins Rheintal bis zu den Vogesen und sogar die Schweizer Alpen schälten sich aus dem leichten Dunst.

Blick auf Münstertal und ins Rheintal
 
Von oben konnten wir dann nach Münstertal hinab sehen, wo wir zuvor am Kreisverkehr völlig orientierungslos waren, weil plötzlich keine Umleitung mehr war.
Kaiserstuhl (ca. Bildmitte)
 
Im Rheintal erhob sich der Kaiserstuhl, der von hier oben regelrecht winzig wirkte. Und auch ein Teil Freiburgs war zu sehen.
Freiburg
 
Aus der Alpenkette erkannte ich nur drei Gipfel. Eiger, Mönch und Jungfrau. Eine Fahrt zum Jungfraujoch steht auch noch auf meinem Wunschzettel, aber die Fahrt dort hinauf ist - wie alles in der Schweiz - unverschämt teuer.
Eiger, Mönch u. Jungfrau


Nahe dem Gipfelkreuz haben wir dann nochmal eine Rast gemacht und dabei die herrliche Aussicht genossen. Leider zog sich der Himmel immer mehr zu und ohne Sonne war es da oben doch reichlich kühl.
Gipfelkreuz auf dem Belchen
 
Bis hier her war die Wanderung zum größten Teil ein Klacks. Die Wege breit, die Pfade nicht zu schmal und alles gut begehbar. Nur die letzten 2-3 km zum Gipfel hatten es tierisch in sich. Aber auch die waren zu schaffen. Wir erinnerten uns an einen Zeitungsartikel von vor einigen Jahren, wo es hieß, ein Mann sei am Belchen in den Tod gestürzt. Wir konnten uns selbst jetzt noch nicht vorstellen, wie man das da oben schaffen kann...
...und dann folgten wir dem Belchensteig weiter und machten uns an den Abstieg. Auf dieser Seite des Berges waren wir noch nie. Die Wege wurden felsiger und immer schmaler. Links und rechts nur der mit niedrigem Gras bewachsene Hang. Freie Sicht nach unten. Holla die Waldfee!
Aber die ersten hundert Meter ging auch das noch. Immerhin hatten aber die Wege hier den Namen "Steig" deutlich verdient. Ich war sogar noch sicher genug, um ein paar Bilder zu machen. Auch wenn es deutlich weniger wurden. Freie Sicht nach unten ist einfach nicht meins. Höhenangst und so ;-)
Und dann kamen wir zu diesem Schild. Alpiner Bergpfad. Absturzgefahr! Au Backe...
Am Anfang hab ich noch Bilder gemacht. Aber irgendwann war das einfach nicht mehr möglich. Es war steil, extrem schmal, felsig, wurzelig, rutschig und hangabwärts nichts, was dich bremsen würde, würdest du stolpern. Mir ging ordentlich die Muffe, wenn ich ehrlich bin.
Im Schneckentempo schlichen wir den alpinen Bergpfad hinab. Immer wenn irgendwo Platz genug war, ließen wir die schnelleren Wanderer hinter uns passieren. Ein Glück war nicht allzuviel los. An einem belebten Wochenende mit Völkerwanderungen hätten wir hier wohl richtig Probleme bekommen.
Und auch, wie man am Belchen in den Tod stürzen kann, war uns nun klar. Hier hinten, auf der zum Rheintal gewandten Seite, auf diesem alpinen Pfad, reicht eine kleine Unachtsamkeit um das zu schaffen. Irgendwann mussten wir uns so auf den Weg konzentrieren und wo wir den nächsten Schritt hinsetzten, dass wir gar keine Bilder mehr gemacht haben. Von der Aussicht habe ich auch nichts mehr mitbekommen, denn ich konnte den Blick kaum vom Weg vor mir abwenden, ohne gleich schwindelig zu werden.
Der alpine Pfad war "nur" ca. 1,5 - 2 km lang, aber er kam uns viel länger vor. Als wir dieses Stück hinter uns hatten und am Hang wieder Bäume wuchsen und der Pfad einen ticken breiter wurde, waren wir wirklich mehr als erleichtert :-)
So ein Abenteuer brauchen wir so schnell nicht wieder. Aber wir sind froh, das wir es gewagt haben.

Wir dachten, es ging ab nun nur noch bergab bis zum Auto. Der Weg ließ sich nun deutlich leichter begehen und windgeschützt im Wald war es auch ohne Sonne recht angenehm.
Aber eine weitere Steigung mussten wir auch auf dem Abstieg noch erklimmen. Der alpine Pfad hatte mich körperlich und geistig so ausgelaugt, dass mir der winzige Anstieg gewaltig vorkam.
Und immer noch wurden wir von schnelleren Wanderern regelmäßig überholt. An einem Wochenende wären wir sicherlich kaum von der Stelle gekommen, wenn wir immer wieder andere hätten vorbei lassen müssen.
Zum Teil war der Wald hier unten richtig urig. Das hat uns super gefallen. Das der Pfadanteil auf dem Abstieg so groß war natürlich auch. Vor allem, weil sich die Pfade weiter unten deutlich schöner wandern ließen, als die knapp unterhalb vom Gipfel :-) Ich könnte euch aber jetzt nicht sagen, ob ich weniger Probleme mit dem alpinen Pfad gehabt hätte, wenn wir anders herum gelaufen wären. Für gewöhnlich fällt es mir aber leichter, solche Wege rauf statt runter zu laufen.
Kurz bevor wir wieder am Ausgangspunkt waren, öffnete sich der Wald und gab nochmal einen wunderschönen Blick zum Rheintal frei.


Noch zwei drei Biegungen und wir waren wieder am Wiedener Eck Tor, wo wir am Mittag unsere Wanderung gestartet hatten. Reichliche 5,5 Stunden waren wir für diese 15,5 km unterwegs. Davon 4 Stunden reine Gehzeit. Etwa 610 Höhenmeter haben wir dabei bewältigt. Für uns ist das reichlich. Andere werden darüber lachen.
Am Parkplatz dann nochmal ein schöner Blick auf Wieden. Schuhe tauschen und nichts wie ab nach Hause.
Vorsorglich hatten wir dieses Mal auf direkt die Google Else angestellt und ließen uns von ihr nach Freiburg zurück führen.
Interessant war, dass wir genau da rauskamen, wo wir uns das erste Mal verfahren hatten. Statt dem Navi nach Münstertal zu folgen, hätten wir einfach nur geradeaus weiter den Schauinsland rauf gemusst, dann am Todtnauer Wasserfall vorbei und zack, wären wir am Belchen gewesen. Stattdessen sind wir über 1 Stunde durch die Pampa geirrt. Der Rückweg hat dann tatsächlich nur eine Stunde gedauert.

Daheim gab es eine heiße Dusche und Abendessen. Einfach nur noch die Füße hochlegen. Es war eine richtig tolle Tour. Aber wir empfehlen sie, unter der Woche zu wandern, wenn auf dem Belchen nicht so viel los ist wie an schönen Wochenenden.

Samstag, 31. Oktober 2020

Wanderung rund um den Schönberg und durch das NSG Berghauser Matten

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Am 18. Oktober sind wir schon um 7 Uhr aufgestanden. Wir wollten nämlich unseren Urlaub mit einer Wanderung beginnen. 
Rausgesucht hatte ich uns eine Tour am Schönberg. Den konnten wir bequem vom Stadtteil Vauban aus erreichen und Schatz konnte ich an dem Sonntag auf meiner Monatskarte in der Straßenbahn mitnehmen. Es sollte unsere erste Tour über 15 km in diesem Jahr werden! Durch den Lockdown im Frühjahr, wo wir nur kleinere Spaziergänge gegen den Lagerkoller gemacht hatten, waren wir nicht so wirklich in Form und hielten uns dieses Jahr eher an kürzere Touren.
Unser Rundweg, Karte von Komoot
 
Von der Haltestelle "Vauban Mitte" (Linie 3) ging es los. Dort steht direkt schon ein Denkmal für Georg Elsner, der damals mutig versuchte, den ollen Adolf wegzubomben. Hat ja leider nicht geklappt.
An einem Spielplatz vorbei marschierten wir einen Wiesenweg hinauf Richtung Jesuitenschlössle. Der Weg war teilweise etwas matschig, ließ sich aber noch super gehen.
Oben angekommen hatten wir dann über die Reben hinweg einen tollen, aber leicht diesigen Blick auf die Stadt Freiburg.

Das Weinlaub ist inzwischen schon deutlich mehr verfärbt, als es noch 2 Wochen zuvor in Malterdingen war. Am Ende der Straße erreichten wir dann das Jesuitenschlössle. Sonst steppt da immer der Bär. Dieses Mal war kaum was los. Ob es an der frühen Uhrzeit lag und/oder an Corona, wissen wir nicht.
Durch das Schloss hindurch wanderten wir weiter Richtung Schönberg. Direkt hinter dem Schloss fanden wir einen Strauch mit sehr interessanten Blüten. Sowas hatte ich bisher noch nicht gesehen.
Von weiter oben auf dem Weg hatten wir dann eine richtig tolle Sicht auf den Schwarzwald. Der lag in Dunst und Wolken. Richtig mystisch.

In die andere Richtung dann der Blick auf die Freiburger Altstadt samt Münster und Martinstor. Wäre es nicht so neblig gewesen, hätte man sicherlich noch mehr erkennen können.

Über einen breiten Feldweg ging es weiter unterhalb des Schönberges vorbei. Da unsere geplante Tour immerhin 18 km haben sollte, wollten wir etwas an den Höhenmetern sparen :-)

Aber irgendwann ging es dann doch etwas hoch. Eine gepflasterte Straße hatten wir da oben irgendwie nicht erwartet. Aber diese ging es, zwischen Weiden, hinauf und wieder in den Wald.

Dort fanden wir dann direkt am Waldrand die ersten Pilze. Inzwischen schießen sie an vielen Orten aus dem Boden. Sogar bei uns im Stadtteil an der Hauptstraße habe ich schon welche auf kleinen Grünflächen entdeckt.
Wirklich an Wanderwege haben wir uns zu Beginn der Tour nicht gehalten. Denn ich hatte den Weg vorab online geplant und nun ließen wir uns von der Navi-Tante in der App leiten. Wir waren schon so lange nicht mehr auf dem Schönberg, dass wir dort unbedingt mal wieder hin wollten.

Aber nicht die gleichen Wege, die wir sonst immer dort oben wandern. Auf der Wanderkarte entdeckte ich daheim dann das Naturschutzgebiet Berghauser Matten. Da waren wir noch nicht und es liegt direkt am Fuße des Schönbergs.


Wir erreichten das Naturschutzgebiet dann über den Evielibuck, wo sich vor dem ersten Weltkrieg (1914 - 1918) die Menschen aus den unten gelegenen Dörfern Wittnau und Ebringen immer an Himmelfahrt zum beten trafen.
Das Naturschutzgebiet Berghauser Matten wurde 1996 eingerichtet und gehört zum Markgräfler Hügelland. Es besteht aus Streuobstwiesen, Feuchtgebieten und Halbtrockenrasen. Seltene Tiere und Pflanzen sind hier zu finden. Wir fanden erstmal nur ein paar Herbstzeitlose und noch mehr Pilze.

Aber auch einen trüben Blick zum Staufener Burgberg konnten wir erhaschen, als wir auf dem Weg hinab ins Tal waren.


Unten ging es wieder in einen Wald hinein. Über breite Waldwege ging es weiter hinab. Auch hier wieder unzählige Pilze. Und wir allein auf weiter Flur. Hier unten im Wald waren wir echt total alleine unterwegs.


An einer Stelle mussten wir die Route abändern. Denn der geplante Weg war zum Schutz der Waldbewohner für Wanderer gesperrt. Sowas sieht man auf Wanderkarten halt vorher nicht. Es gab aber einen parallel führenden Weg, den wir alternativ eingeschlagen haben. Dort kamen wir an einem halb trockenen Bach entlang und entdeckten ein paar Marienkäfer in einem seltsamen Gewächs, dass wir auch noch nie zuvor gesehen hatten. Spätere Recherche ergab, dass es sich bei der Pflanze um einen riesen Schachtelhalm handelt. Der ist auf der Nordhalbkugel scheinbar weit verbreitet. Uns war er zuvor halt nicht so wirklich begegnet oder aufgefallen.
Das wir den ursprünglich geplanten weg wegen der Sperrung nicht gehen konnten, war am Ende sogar ein Glücksfall, denn der Pfad, den wir eigentlich gehen wollten und den man gelegentlich vom parallelen Weg aus sehen konnte, war total zugewuchert und kaum begehbar.
 
Am Ende des breiten Waldweges ging es dann über einen schmalen Pfad wieder hinauf. Am unteren Ende war der Pfad richtig toll und auch sehr gut begehbar.
Je höher wir kamen, desto matschiger wurde er. Ausgefahren von unzähligen Mountainbikern. Die letzten 200 Meter ließen sich kaum noch gescheit laufen. Der Schlamm war rutschig und zäh zugleich. Wenn man keinen festen Stand fand, rutschte man gleich weg. Fand man einen festen Stand, bekam man die Schuhe kaum noch aus dem Schmodder gezogen. Es war ätzend.
Und so kam es, wie es kommen musste. Der Liebste wurde plötzlich richtig übellaunig. Schimpfte auf das Wetter, die blöden Mountainbiker und mich, weil ich "Dorfkind" zügiger auf dem Schmodder vorankam als er - das "Stadtkind" :-/ Als wir oben endlich wieder auf den breiten und trockenen Weg trafen, haben wir gleich die Bank in Sichtweite besetzt und unsere Rast eingelegt. Denn wir hatten schon mehr als die Hälfte der Tour geschafft und bisher keine einzige Rastmöglichkeit entdeckt.
An Helmut's Ruh haben wir unser belegtes Brötchen verdrückt und die verschlammten Füße hochgelegt, bevor es weiter ging. Wieder hinauf auf den Schönberg.
Wir kamen an der Stelle raus, wo wir kurz zuvor das Naturschutzgebiet verlassen hatten und betraten es wieder, etwas weiter unten an der Straße.
Über einen herrlichen Wiesenweg, ging es durch die Streuobstwiesen weiter hinauf. Endlich bekamen wir auch etwas Sonne ab. Unten im Wald schaffte sie es ja nicht durch die Bäume.

Immer weiter ging es hinauf. Bis kurz unterhalb der Schneeburg wanderten wir. Da wir im Zoom der Kamera aber schon sehen konnten, dass da oben die Hölle los war, haben wir auf einen Besuch der Ruine verzichtet und sind unterhalb der Burg weiter gewandert.
Bevor es wieder hinab Richtung Freiburg ging, hatten wir nochmal einen richtig tollen Blick auf die Stadt. Aber dann traten wir den Abstieg an. Die Tour war fast geschafft - und wir auch ;-)
Am Mösleschacht vorbei - einer alten Eisenerzgrube - ging es hinab in den Stadtteil St. Georgen. Während wir unterwegs kaum einer Menschenseele begegneten, war hier eine kleine Völkerwanderung.
Und natürlich - wie wir auch - alle auf dem Rückweg. Zwischen den Gruppen zu bleiben, war echt anstrengend.
Am Schützenhaus vorbei führte uns der Weg dann am Rande von St. Georgen vorbei und wieder in den Stadtteil Vauban, wo wir an der Endhaltestelle wieder in die Straßenbahn stiegen.
Als wir daheim ankamen, wurde es schon dunkel. Der Rundweg hatte 18,5 km und wir haben etwas über 4 Stunden reine Gehzeit benötigt. Der Weg war schön. Aber auch sehr anstrengend. Ich glaube, es war bei weitem die längste Tour, die wir dieses Jahr gemacht haben.