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Am Samstag wollten wir wandern. Also: Wohin? Die Frage war eigentlich schnell geklärt, denn seit Wochen juckt es mich schon, diesen einen Weg zu gehen, den wir im Februar angefangen hatten und dann wegen des Sturms nach nur 3 km abbrechen mussten. Jetzt war diese Tour natürlich im Kaiserstuhl und am Samstag waren dort sehr hohe Temperaturen gemeldet. Aus Erfahrung wissen wir, dass Wanderungen bei Hitze im Kaiserstuhl sehr anstrengend sein können (es gibt kaum Schatten). Daher haben wir den Wecker auf 5 Uhr gestellt.
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| Kurz nach 5 Uhr am Samstagmorgen |
Gegen 8 Uhr sind wir dann die knapp 30 Minuten bis nach Schelingen gefahren. Dort haben wir auf dem kleinen Parkplatz an der Sonnenuhr noch eine Lücke gefunden und los ging's.
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| Unser Rundweg, Karte von Komoot |
| Parken in Schelingen |
Wir folgten der Beschilderung hinauf auf den Weinberg und weiter Richtung Eichelspitze. Vorbei an Gärten mit tollen Blüten bei noch angenehmen 18 Grad.
Als wir oben in den Reben waren, war der Anblick schon ein ganz anderer als Ende Februar. Alles Grün, die Reben voller Trauben. Richtig toll. Im Februar war es zwar von den Temperaturen her etwas angenehmer, aber da ist halt die Landschaft noch kahl und braun und trostlos.
Und während sich im Schwarzwald und in Freiburg die Insekten dieses Jahr irgendwie rar machen, hatten wir am frühen Samstag Morgen im Kaiserstuhl ein wahres Gewimmel. So viele verschiedene Schmetterlinge auf einem Haufen habe ich dieses Jahr sonst noch nirgendwo gesehen. Streifenwanzen waren allerdings die erste tierische Entdeckung, die wir an diesem Morgen machten.
Nur ein paar hundert Meter den Weinberg hinauf und schon hatte man die erste tolle Aussicht. Es sollte nicht die letzte an diesem Tag gewesen sein. Ein Blick hinab auf das Örtchen Schelingen zwischen den Terrassen des Kaiserstuhls.
An einer Ecke des Weges war ein ganzer Schwarm verschiedener Schmetterlinge zugange. Ablichten ließ sich dort allerings nur das Große Ochsenauge.
Immer höher ging es auf dem asphaltierten Wirtschaftsweg durch die Reben. Selbst so früh am Morgen war es dort in der Sonne schon unheimlich warm und mir lief die Brühe nur so runter.
| Letzten Samstag... |
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| ...und zum Vergleich am 23.02.2020 |
Dann lief ich an einer Pflanze vorbei...war da nicht was?....nochmal zurück. Tatsächlich. Weiß auf weiß hockte dort eine veränderliche Krabbenspinne auf der Blüte. Diese Spinne habe ich auch schon in giftgrün und zitronengelb gesehen.
Weiter oben, an einem strohig-trockenen Wiesenweg, flatterten Bläulinge um unsere Beine. Sie steuerten gezielt die wenigen Blüten an, die dort oben auf der Höhe noch nicht verbrannt waren.
Hier auf diesem Höhenweg entschlossen wir uns damals, die Tour aus Sicherheitsgründen abzubrechen. Man konnte damals kaum atmen, so stürmisch war es. Am Samstag ging dort oben kaum ein Lüftchen und die Aussicht war wunderbar.
| Blick zum Totenkopf |
| Hier haben wir im Februar abgebrochen... |
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| ...denn so sah es am 23.02.2020 aus! |
Der Blick zurück über diese Höhen, den trockenen Wisenweg, hatte irgendwie ein bisschen was von Mondlandschaft - wäre da nicht hinten dran der Blick ins Rheintal. Bis zum Grand Ballon in den französischen Vogesen konnten wir sehen. Gegenüber auf dem Hügel entdeckten wir das Dach unseres zweiten Ziels an diesem Tag - die Katharinenkapelle.
| Blick hinüber zum Katharinenberg |
Oben, am höchsten Punkt des Wiesenweges begrüßte uns der Baum der Elemente. In dem Wäldchen dahinter kampierten ein paar Leute. Wir glauben nicht, dass es Obdachlose waren, denn die Schuhe, die neben den Hängematten standen, sahen sehr hochwertig und neu aus.
Da die Leute direkt neben dem kleinen Rastplatz schliefen, haben wir uns dort nicht niedergelassen. Wir sind 200 m weiter zu einer anderen Bank gegangen und haben dort kurz gerastet und was getrunken. Auf dem Weg dorthin haben wir Unmengen an Grashüpfern aufgeschreckt. Manche hatten saphirblaue Flügel. Andere hatten feuerrote Flügel. Nachdem wir was getrunken hatten, ging es durch einen schattigen Wald weiter hinauf bis auf die Eichelspitze.
In dem Wäldchen haben wir sogar einen Pilz entdeckt. Es sollte der einzige auf dieser Tour bleiben. Hier unten ist kein Pilz-Wetter. Zu heiß, zu trocken.
Die Eichelspitze ist mit 521 m die zweithöchste Erhebung im Kaiserstuhl. Wenn man dort oben ankommt, sieht man als erstes die durch eine Lage oberirdischer Granitblöcke nachgebildeten Strukturen einer spätmittelalterlichen Eremiten-Einsiedelei, das sogenannte Bruderhäusle.
Direkt daneben steht der 2006 eröffnete Eichelspitzturm. Er ist 42,5 m hoch. Von der Aussichtsplattform in 28 m Höhe hat man eine viel bessere Aussicht, als von dem kleineren Neunlindenturm auf dem Totenkopf.
Auf den Gedanken, dass man dank Corona ja auch auf dem beengten Aussichtsturm Maske tragen müsste, sind wir natürlich so spontan gar nicht gekommen. Weil wir aber so früh unterwegs waren, hatten wir den Turm ganz für uns alleine. Da hat es niemanden gestört, dass wir keine Masken dabei hatten :-D Hoch bin ich eh alleine - Schatz will seine Höhenangst nicht bezwingen, während ich mit meiner Konfrontationstherapie in den letzten 15 Jahren schon große Fortschritte gemacht habe :-)
Nachdem ich die 127 Stufen hochgestiefelt war - mit nur einer kurzen Panikattacke kurz vor dem Ziel - wurde ich sofort mit einem bombastischen Blick belohnt.
| Blick vom Eichelspitzturm Richtung Rheintal u. Vogesen |
Hinter dem Rheintal, dort wo die Vogesen beginnen, konnte ich das Chateau du Haut-Koenigsbourg ausmachen. Dort waren wir auch schon zweimal und die alte Burg ist wirklich sehenswert und sehr zu empfehlen.
| Blick zur Haut-Koenigsbourg |
Schatz wirkte unten auf seiner Bank klein wie eine Ameise. Mit Blick zum Schwarzwald konnte ich den Blauen und den Feldberg ausmachen und unseren Hausberg, den Rosskopf.
| Blick Richtung Schwarzwald |
Da ich auch den Schlossberg erkannt habe, konnte ich ungefähr ahnen, wo sich Freiburg befindet. Aber mit bloßem Auge ließ es sich an diesem Tag nicht erkennen. Da hing zu viel Dunst im Tal. Auf dem etwas bearbeiteten Bild kann man allerdings ein paar Häuser sehen und, wenn man ganz genau hinschaut, auch den Münsterturm :-)
| Freiburg im Dunst |
Nachdem ich die Aussicht ausgiebig genossen hatte, bin ich wieder runter. Und weil wir immer noch ganz alleine waren, haben wir auf den Bänken neben dem Bruderhäusle ausgiebig Rast gemacht.
Da wir eine Zeit lang ganz ruhig da saßen und einfach nur die Stille genossen, traute sich ein Buchfink ganz in unsere Nähe und störte sich nicht weiter an unserer Anwesenheit.| Ein Stalagtit aus Baumharz :-) |
Zurück zu der Bank, an der wir vorher schon zum Trinken Halt gemacht hatten, ging es über einen anderen Waldweg. Dort konnten wir einige Kaisermäntel beobachten.
Wieder auf dem vertrockneten Wiesenweg angekommen, huschte eine kleine Eidechse vor meinen Füßen herum. Als sie mich bemerkte und sah, dass sie nirgendwo hin flüchten konnte, erstarrte sie zur Salzsäule und rührte sich nicht mehr. Zeit genug, ein Foto zu machen ;-)Ein Stückchen ging es nun weiter über den Wiesenweg mit tollen Weitsichten über die Rebterrassen bis ins Rheintal und zu den Vogesen.
Dann wechselten wir von der offenen Landschaft wieder in einen Mischwald. Von dort wieder in eine offene Landschaft und schließlich wieder in den Wald vom Katharinenberg.
Auf dem Weg zur Katharinenkapelle kamen uns unheimlich viele Leute entgegen. Familien, Senioren und eine (wahrscheinlich chinesische) Touristengruppe. Letztere war mit Keschern im Naturschutzgebiet unterwegs. Die Sprachbarriere verhinderte, dass wir was sagen konnten.
Oben an der Katharinenkapelle angekommen, hatten wir mit einem Menschenauflauf gerechnet. Immerhin war inzwischen kurz vor Mittag und nach all den Leuten, die uns von dort entgegen kamen, hätte es uns nicht gewundert. Aber wir waren mit zwei Mountainbikern und zwei kleineren Gruppen alleine dort oben.
Unter einer großen Kastanie haben wir nochmal gerastet. Die Kapelle hat - wegen Corona - immer noch geschlossen. Daher war eine Besichtigung nicht möglich. Auch der kleine Kiosk/Imbiss dort oben, ist aktuell nicht - wie sonst um diese Zeit üblich - bewirtschaftet. Das sorgte für den Unmut einiger älterer Herrschaften, die sich scheinbar nur für ein Bierchen und eine Wurst im Brötchen den Berg hinauf begeben hatten. Wir hatten unser Vesper natürlich selbst mitgebracht ;-)
Von der Katharinenkapelle ging es dann durch den Wald wieder hinab. Am Weg fanden wir alle paar Meter historische Grenzsteine.
Der Blick öffnete sich kurz und wir konnten zurück blicken. Dort hinten kamen wir her. Vor dem Wäldchen im linken Bildrand befindet sich der Baum der Elemente und rechts ist die Eichelspitze mit Aussichtsturm.
Wieder wechselten sich offene Landschaften und Waldwege ab. Je näher wir den Terrassen kamen, desto "sandiger" wurde der Untergrund. Es handelte sich allerdings nicht wirklich um Sand, sondern um Löss.
| Löss-Hohlweg am Kaiserstuhl |
Durch eine Viehweide ging es nun hindurch und wieder hinab Richtung Schelingen. Der Weg, den wir hier eigentlich gehen wollten, existierte allerdings nicht mehr, oder der Einstieg war so versteckt, dass wir ihn übersehen haben. So sind wir weiterhin den Wegweisern des Schwarzwaldvereins gefolgt.
Unten im Tal kamen wir an einem kleinen Bauernhof vorbei, bei dem Strauße auf der Wiese waren. Die hatten wir im Februar schon weiter oben auf der Wiese entdeckt und waren erstaunt, dass Strauße im Kaiserstuhl gehalten werden.
Direkt vor dem Hof auf dem Weg gackerten ein paar Hühner wie wild und rannten dann aufgescheucht rüber zur Scheune. Wir haben zuerste gedacht, sie hätten uns bemerkt und wir hätten sie verschreckt. Aber nicht wir waren die "Erschrecker". Denn als wir um die Biegung kamen, sahen wir den Pfau mit aufgestellten Federn. Der muss die Hühner verjagt haben :-)
Nachdem wir den Hof passiert hatten, wurde der Waldweg wieder zu einem asphaltierten Wirtschaftsweg. In der prallen Sonne hatte sich der Weg bereits ordentlich aufgeheizt, so dass die letzten 1-2 km wirklich anstrengend wurden, da wir nun die Hitze von oben und unten abbekamen.
Auf den letzten paar hundert Metern nach Schelingen, kamen wir an diversen Obstbäumen vorbei. Birnen, Zwetschgen und Äpfel trugen reichlich Früchte.
Direkt am Parkplatz konnte ich dann noch einen letzten Schmetterling in einem Garten ablichten, einen Admiral. Dann haben wir am Auto Fenster und Türen aufgerissen, um die Hitze hinaus zu lassen.
Schwitzend ging es wieder ab nach Hause, wo wir gegen 14:00 Uhr ankamen. Unterwegs waren wir fast 5 Stunden! Die reine Gehzeit betrug allerdings nur gute 3 Stunden. Zurückgelegt haben wir 12 km. Die Tour war echt schön, aber sobald das Thermometer über 20 Grad steigt, wird es für so hitzeempfindliche Menschen wie mich, ziemlich unangenehm im Kaiserstuhl.





