Freitag, 30. März 2018

Kirschbaumpfad am Kaiserstuhl

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Gestern waren wir endlich mal wieder wandern. Der Wetterbericht sagte endlich mal einen trockenen Tag voraus. Da hatten wir in unserem Urlaub ja bisher nicht so viel Glück (mal abgesehen von meinem Mädelswochenende).

Nach dem Frühstück ging es mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof, von dort mit dem Regionalexpress nach Riegel-Malterdingen und von dort mit dem Bus (SEV seit April 2017!) bis nach Sasbach am Kaiserstuhl (Fahrzeit insgesamt ca. 1 Stunde). Dort beginnt am Bahnhof der Kirschbaumpfad.
Unsere Strecke (Karte von der Komoot App)
Den Kirschbaumpfad sind wir letztes Jahr, Anfang April, bereits gewandert. Damals haben wir allerdings die Limburg und den Limberg noch mitgemacht und uns damit ziemlich verzettelt. Daher hatten wir den Kirschbaumpfad nach ca. der Hälfte abgebrochen. Außerdem waren letztes Jahr die Kirschen schon fast ausgeblüht und es waren schon viele grüne Früchte an den Bäumen.

Gestern wollten wir ihn aber ganz gehen und haben daher den Limberg und die Burgruine links liegen gelassen und sind direkt am Bahnhof in Sasbach den Kirschbaumpfad angetreten.
Am Bahnhof lockt gleich eine große Infotafel. Von dort haben wir die Gleise überquert. Ein Zug fährt derzeit nicht. Das Projekt Breisgau S-Bahn 2020 hat die Kaiserstuhlbahn seit nunmehr einem Jahr lahmgelegt und es fahren nur noch Busse.
Parallel der Gleise ging es Richtung Weinberg und dann dort hinauf. Je höher wir kamen, desto schöner wurde der Ausblick. Viele der Obstbäume waren allerdings noch nicht so weit. Der Winter war wohl doch zu kalt und dauerte zu lange. Letztes Jahr sah es hier um diese Zeit schon anders aus!
 Aber ein paar Frühlingsboten brachten dennoch buntes Treiben auf den Weg :-)



Alte Weinpresse
Die Weitsicht gestern war klasse. Wir konnten echt weit gucken und sogar die Vogesen im nahen Frankreich waren klar zu erkennen. Als wir losliefen schien auch noch die Sonne. Mit max. 12 Grad war es ein idealer Tag für eine Wanderung am Kaiserstuhl.
Uns war vom letzten Jahr noch die fast unerträgliche Hitze in Erinnerung. Damals hatten wir gute 25 Grad und auf den Weinbergen ist ja nirgendwo ein schattiges Plätzchen. Auch die meisten Wege sind asphaltiert und heizen sich zusätzlich noch auf. Von daher hatten wir gestern echt perfektes Kaiserstuhl-Wanderwetter :-)
Der Kirschbaumpfad ist (bis auf einige Stellen) super ausgeschildert. Als wir oben auf dem Weinberg ankamen, hatten wir einen tollen Blick zurück zu unserem Ausgangspunkt: Sasbach am Kaiserstuhl.
Panorama oberhalb von Sasbach
Blick auf Sasbach


Und auch an der Kreuzung, an der wir letztes Jahr falsch abbogen, hat sich inzwischen was getan und ein deutlich sichtbares Wanderzeichen zeigt nun den richtigen Weg zum Gestühl an :-)
Blick auf Sasbach
Blick auf Leiselheim
Es ging nochmal ein kleines Stück höher und plötzlich tat sich eine tolle Sicht auf Leiselheim auf und ein Stück weiter konnte man schon den "Kaiserstuhl" sehen :-)
Der "Kaiserstuhl"
Letztes Jahr sind wir ja, weil wir falsch abbogen, weitläufig an dem großen Stuhl vorbei marschiert. Gestern, auf dem richtigen Weg, kamen wir direkt daran vorbei :-)
Der "Kaiserstuhl"
Und der große Stuhl entpuppte sich als toller Rastplatz. Da die Bank unter dem Stuhl steht, wäre man sogar bei Regen im Trockenen :-) Leider hatten wir erst ca. 3 km von der Strecke zurückgelegt und uns stand noch nicht der Sinn nach einer Rast.
am "Kaiserstuhl"
Also ging es weiter, der in dieser Gegend allgegenwärtigen gelben Raute folgend, bis zum Örtchen Leiselheim.
 Zwischendruch dann doch ein paar hübsche Kirschblüten und ein anderer weiß-blühender Busch. Weißdorn? Ich weiß es nicht, aber er roch sehr stark :-)

Leiselheim
In Leiselheim kamen wir an einem bunt verzierten Häuschen vorbei, das mich irgendwie (von den Farben her) an den Hundertwasser erinnerte :-)


Über den Dorfplatz mit Brunnen ging es auf der anderen Seite des Dorfes wieder den Rebberg hinauf. Und auch gestern stellten wir schnell wieder fest, dass die Erklärung im Internet ("leichter Weg ohne nennenswerte Steigungen") NICHT stimmt. Auch ohne Hitze und extra Runde kamen wir teilweise ordentlich ins Schwitzen. Von einem Ort geht es hoch, zum anderen hinab, auf der anderen Seite wieder hoch, zum nächsten Dorf hinab - und das auf guten 19 km. Das schlaucht!


Fische im Brunnen von Leiselheim
Blick zurück auf Leiselheim mit "Kaiserstuhl" hintendran


Von Leiselheim fogten wir weiter den Wegen über die Weinterrassen und sahen dann ein kleines, noch kahles Wälchen vor uns. Von unserem letztjährigen Versuch wusste ich noch, dass es hier ein kurzes Stück sehr steil hinauf geht.

Blick Richtung Sasbach
Aber wenn man oben ist, folgt man dem Pfad weiter durch das Waldstück. Und am anderen Ende öffnet sich der Forst wieder den weiten Weinterrassen und bietet eine herrliche Sicht.



Weinterrassen so weit das Auge reicht
Die schöne Aussicht blieb uns leider hier nicht allzulange erhalten, denn dann ging es wieder in den Wald und kurz darauf wieder hinaus.

Blick zum Schwarzwald
Die zurückgewonnene Aussicht offenbarte uns dann auch den Kirchturm von Kiechlingsbergen, der hinter den Reben hervor lugte.
Kirchturm von Kiechlingsbergen


Blick auf Kiechlingsbergen
Bis nach Kiechlingsbergen war es nun nicht mehr weit. Der Himmel hatte sich zwischenzeitlich ziemlich zugezogen und hier und da viel ein Tröpfchen herab.
Kiechlingsbergen
 Oberhalb von Kiechlingsbergen ist ein schöner Rastplatz. Hier haben wir auch im letzten Jahr pausiert. Und weil wir den Kirschbaumpfad fast komplett für uns alleine hatten (lediglich 4 Wanderer begegneten uns in den ganzen Stunden), haben wir den freien Platz auch gestern wieder für unsere Pause genutzt. Immerhin ist dort auch ungefähr die Hälfte des Weges.

Der mitgebrachte Tortellini-Salat war fix verputzt. Lange sitzen wäre eh blöd gewesen, denn kaum das wir saßen, hat die blöde dunkle Wolke über uns angefangen, ihren Regen abzuladen. Nicht viel, aber es reichte, um meine Brille so nass zu machen, dass die Sicht beeinträchtigt wurde.
Die dunkle Wolke die uns vollregnete
Also haben wir uns zügig wieder auf den Weg gemacht. Hinab nach Kiechlingsbergen. Letztes Jahr haben wir die Tour genau hier abgebrochen und sind die 3 km ins benachbarte Königschaffhausen gelaufen, und von dort zurück nach Hause gefahren. Also, alles was jetzt noch kommen würde, wäre für uns "neu" :-)

Kiechlingsbergen
Königschaffhausen
Natürlich ging es auch in Kiechlingsbergen auf der anderen Seite des Ortes wieder den Weinberg hinauf. Ziemlich steil sogar. Wir waren ganz schön am Schaufen.

Der Blick von oben entschädigte aber für alle Mühen und oben angekommen, ging es dann auch wieder ein paar Kilometer relativ flach weiter.
Kiechlingsbergen u. Königschaffhausen
Sogar unseren Ausgangspunkt, Sasbach, konnten wir nochmal sehen. Es sah so nah aus, aber es lag gute 10 km entfernt.
Blick Richtung Elsass mit Vogesen im Hintergrund
Hohkönigsburg im Elsass
Plötzlich erregte eine ungewöhnliche Form auf einem der Gipfel hinter Sasbach meine Aufmerksamkeit. War da nicht eine komische Spitze oben drauf? Der Zoom der Kamera brachte dann etwas Licht ins Dunkel. Tatsächlich! Eine Burg. Und nicht irgendeine. Für mich eine der schönsten hier im Süden: Die Hohkönigsburg im benachbarten Elsass :-) Mit dem Auto fahren wir fast 90 Minuten dorthin!
 Der Untergrund wechselte von Asphalt, zu Wiesenwegen und Schotterpisten zurück zu Asphalt. Auch wenn der Himmel nicht mehr aufklarte, blieb die tolle Fernsicht und die Aussicht auf den Weinterrassen erhalten. Und was noch viel wichtiger war: es blieb trocken :-)
Kiechlingsbergen u. Königschaffhausen
Immerwieder begegneten uns an den Hängen große Ansammlungen an Schneckenhäusern. Schnirkelschnecken, Weinbergschnecken oder so kleine mit länglichem Haus, große und kleine Exemplare. Aber allesamt waren sie leer. Wir haben keine Ahnung, was das zu bedeuten hatte. Ein Schneckenfriedhof? Der Esstisch eines Vogels der Schnecken auf seinem Speiseplan hat (ein paar Schneckenhäuser waren aufgebrochen)? Wir fanden es jedenfalls sehr seltsam.
Blick zurück nach Kiechlingsbergen


Verschneite Vogesen
Es ging nach einer Weile nochmal durch ein Waldstück. Die Wege waren wirklich matschig und wir rutschten mehr, als das wir liefen. Daher sind wir ziemlich schnell auf den Randstreifen ausgewichen, wo das Laufen etwas besser klappte. Wir fanden einen alten Grenzstein etwas abseits des Weges. Das Wappen sagte uns leider auch nichts.
 Und wir sahen einen tollen Buntspecht. Der Kerl wollte aber partout nicht auf's Foto ;-)
Blick auf Amoltern
 Der nächste Ort, dem wir uns näherten war Amoltern. Den Namen hatte ich im Zusammenhang mit der "Amolterner Heide" schon auf einer unserer anderen Kaiserstuhl-Wanderungen gelesen. Aber hier gewesen war ich noch nie.
Blick in die Rheinebene

Amoltern
 Auch durch Amoltern ging es hindurch. Die haben einen echt hübschen Dorfplatz.



Und auf der anderen Seite von Amotern wieder hinauf. Hinter Amoltern geht es ein Stück am Waldrand hinauf. Unten waren zwei Männer damit beschäftigt, Bärlauch zu pflücken. Sie hatten jeweils schon einen vollen ca. 30 Liter Müllsack neben sich liegen und füllten gerade jdeder einen zweiten. Bärlauch sahen wir auch auf dem weiteren Weg massenhaft und teilweise stieg uns auch sein Knoblauchduft in die Nase :-)
Ab Amoltern war der Weg leider nicht mehr ganz so klar ausgeschildert. Da könnte man noch 2-3 zusätzliche Markierungen anbringen. Dort, wo die gelbe Raute fehlt, folgt man einfach dem Kräuterpfad. Die laufen hier parallel. Manche Markierungen waren auch wieder gut versteckt oder von einer Weggabelung so weit entfernt, dass sie schnell übersehen waren. Aber wir fanden ohne großes Umherirren immer den richtigen Weg und schon bald sahen wir die nächste Ortschaft von oben: Endingen.
Blick auf Endingen
Nach Endingen hinab führen die für den Kaiserstuhl typischen Löss-Hohlwege. Und soweit ich weiß, verdankt der Kaiserstuhl diesen Lössschichten, dass der Weinanbau überhaupt möglich ist.
Löss-Hohlweg
 Endingen streiften wir am Rande und kamen an der Stadthalle vorbei wieder auf den Weinberg.
in Endingen
Als wir dort oben waren hatten wir es so ziemlich mit den Anstiegen geschafft. Viel höher ging es nicht mehr und die nächste Ortschaft wäre auch unser Ziel. Von hier hatten wir dann eher den Blick Richtung Schwarzwald. Wir sahen "unseren" Rosskopf, der zum greifen nah schien und doch ca. 20 Kilometer (Luftlinie) weit entfernt war.
Blick zum Rosskopf
Blick zum Schwarzwald
Blick zum Kandel
Weiter unten erregte ein "heller Fleck" meine Aufmerksamkeit. Nachdem ich ein paar Kilometer zuvor schon meinte, eine weitere Burg entdeckt zu haben - die sich dann aber als ein kleines Wäldchen auf einem sonst kahlen Hügel entpuppte - zeigte der Zoom hier, dass es dieses Mal tatsächlich eine Burg war. Und zwar die Hochburg bei Emmendingen. Auch eine schöne, und große Burgruine die quasi mit auf unserem Wander-Wunschzettel steht, denn sie ist teil des Breisgauer Vierburgen-Wegs, den wir noch wandern wollen :-)
Hochburg bei Emmendingen

 Quer über den Weinberg führt der Weg hinüber nach Riegel - unserem Ziel. Als wir die Michaelskapelle über der ehem. Riegeler Brauerei ausmachen können, wissen wir, dass wir es bald geschafft haben. Gut so, denn mein Knie fängt an rumzuzicken. Es sticht mal hier, ist wieder ruhig und pocht dann mal dort. Es nervt einfach nur. Ich bin froh, dass die Tour bald geschafft ist.
St. Michaelskapelle
Wieder geht es durch Löss-Hohlwege hinab. Und dann folgt das wohl hässlichste Stück Wanderweg auf dem gesamten Kirschbaumpfad. Wir müssen ca. 1 km entlang der Hauptstraße laufen :-(

Löss

Der hässliche Weg an der Straße entlang
Diese Straße zu überqueren zeigt ein Wegweiser an, aber die Überquerung in die Tat umzusetzen ist bei dem vielen Verkehr gar nicht so leicht. Irgendwann ist es doch geschafft. Auf der anderen Straßenseite nochmal ein Wegweiser. Noch 1 km bis zum Bahnhof! Aber halt, nein. Noch 2 km, denn der Kirschbaumpfad windet sich doch tatsächlich noch zur St. Michaelskapelle hinauf.
in Riegel
Natürlich ignoriert Schatz gekonnt mein gequältes Gesicht und das leichte Humpeln und setzt den Weg zur Kapelle fort. So quälte ich mich mit dem immer wieder schmerzenden Knie diesen letzten sch.... Berg hinauf. Immerhin die Aussicht auf Riegel ist fantastisch und entschädigt etwas.
Blick auf Riegel
Außerdem entdecke ich ein Storchennest auf dem Schornstein der ehem. Riegeler Brauerei. Dass dort tatsächlich auch ein Storch drin hockt, hätte ich von unten niemals gesehen.

Blick über die Elz
Die Kapelle ist leider verrammelt und verriegelt. Nirgendwo ein Hinweis, ob und wann sie mal geöffnet ist. Schade! Aber oben, hinter der Kapelle ist ein herrlich schöner Platz mit Bank. Dort saß ich kurz und das Knie beruhigte sich auch wieder.
St. Michaelskapelle
Oberhalb der ehem. Riegeler Brauerei
Der Weg führt auf der anderen Seite des Bergs wieder hinab. Der Pfad ist sehr schmal, sehr steil und rechter Hand geht es gleich den steilen Hang hinab. Nichts für Leute die schnell schwindeln. Trittsicherheit sollte man hier auch haben.
Mit klitze kleinen Tippelschritten schlich ich den Pfad hinab. Bloß keine großen Schritte, die womöglich das Knie wieder auf den Plan rufen.


Unten kamen wir direkt hinter der ehem. Riegeler Brauerei raus. Und ich schaffte es tatsächlich schmerzfrei den doofen Hügel hinab.
Burgruine Lichteneck bei Hecklingen
Auf der anderen Seite wieder eine Burgruine. Auch die Burgruine Lichteneck steht im Zuge des Breisgauer Vierburgen-Weges auf unserem Wunschzettel.
ehem. Riegeler Brauerei
Von der ehem. Riegeler Brauerei sind es dann nur noch 800 m bis zum Ziel am Riegeler Bahnhof.

Der Weg führt von der Brauerei die meiste Zeit an der Elz entlang. Hier bekamen wir Enten und Schwäne zu sehen.





Am Riegeler Bahnhof angekommen mussten wir 15 Minuten auf den Bus zum Bahnhof Riegel-Malterdingen warten. Wir hätten die 2 km auch laufen können, hatten aber keine Lust.
Bahnhof Riegel-Ort
Denn Riegel hat quasi zwei Bahnhöfe die 2 km auseinander liegen. Einmal den SWEG Bahnhof (Riegel-Ort) und dann den DB Bahnhof Riegel-Malterdingen. Am SWEG Bahnhof im Ort halten normalerweise die S-Bahnen. Im Moment ist aber, wie oben schon geschrieben, der Zugverkehr wegen Modernisierungsarbeiten eingestellt. Und im DB Bahnhof außerhalb halten die Regionalzüge der Deutschen Bahn, die zwischen Offenburg und Basel hin und her fahren.

Der Bus brachte uns also nach Riegel-Malterdingen, wo wir nochmal 20 Minuten auf den Regionalexpress warten mussten, der uns zurück nach Freiburg brachte.

Wir sind um 11 Uhr in Sasbach losgelaufen und waren um 17:30 Uhr in Riegel am Bahnhof. Das macht 6,5 Stunden. Wir haben aber auch eine Weile Pause gemacht und unterwegs haben wir immer mal wieder die Landschaft genossen. Ich denke, dass wir ca. 4,5 Stunden reine Gehzeit für die gut 19 km gebraucht haben.

Die Tour war wunderschön, aber auch etwas anstrengend, weil es viel hoch und runter ging. Ich glaube, im Spätsommer/Herbst, wenn die Weinreben grün und voller Trauben sind, ist der Weg noch viel schöner als jetzt, wo das meiste kahl und braun ist.